POLITIK
13/12/2017 20:18 CET

Lamya Kaddor kritisiert Protest von Muslimen: "Wie soll man euch ernst nehmen?"

Die bekannte Islamwissenschaftlerin rechnet mit muslimischen Demonstranten ab, die Israel-Flaggen verbrennen.

  • Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor hat Muslime dafür kritisiert, Antisemitismus hinter Israel-Kritik zu verstecken
  • Damit seien sie nicht besser als Islamhasser

Es waren unrühmliche Bilder, die in den vergangenen Tagen bei pro-palästinensischen Demonstrationen überall in Deutschland entstanden. 

Jetzt geht Lamya Kaddor, eine der bekanntesten Soziologinnen und Islamwissenschaftlerinnen Deutschlands, hart mit muslimischen Demonstranten ins Gericht, die in den vergangenen Tagen aggressiv gegen Israel protestiert hatten. 

Manche beklagten sich über rassistische Diskriminierung durch “die Deutschen” und “gleichzeitig macht ihr nichts anderes, nur mit anderen Worten, wenn ihr über Juden und Israel sprecht”, schreibt Kaddor bei Facebook.

Einige Muslime verlangten, dass man sie und ihre Religion differenziert betrachte, ohne diese Sorgfalt selbst walten zu lassen. “Ihr versteckt euch hinter dem Begriff Israel-Kritik, so wie die Islamhasser sich hinter dem Begriff Islamkritik verstecken.”

 “Ihr versteckt euch hinter Israel-Kritik”

In mehreren Großstädten hatten in den vergangenen Tagen Palästinenser und Sympathisanten gegen US-Präsident Donald Trumps Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels protestiert.

In München hatten Radikale der eigentlich friedlichen Demo so aggressive Töne verliehen, dass die Veranstalterin sagte: “Ihr benehmt euch wie Tiere”. In Berlin verbrannten Demonstranten Israel-Flaggen.

“Wenn man euch kritisch nach dem Hass auf Juden fragt, zeigt ihr mit dem Finger auf die Vergehen israelischer Regierungen, so wie die Islamhasser auf die Vergehen von Islamisten zeigen, wenn man sie nach dem Hass auf Muslime fragt. Wie soll man euch ernst nehmen?”, schreibt Kaddor.

In einem Beitrag für “T-Online” schimpft die Soziologin: “Jedes Mal, wenn es im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt breitere Kritik am Handeln einer israelischen Regierung oder deren Verbündeten gibt, strömt ihr auf die Straße und zieht eure Show ab.” 

Politik und Religion in einen Topf geworfen

Die Vermischung von Religion und Politik, die Gleichsetzung von Juden mit der Politik der israelischen Regierung, ist ein wiederkehrendes Motiv in der Diskussion. Und ein großes Problem. 

Es wird einerseits von Antisemiten befeuert, andererseits von der aktuellen rechtsgerichteten israelischen Regierung, die Kritik an ihrer Arbeit gern als Antisemitismus abkanzelt. Beides gleichzusetzen, hatte selbst der israelische Präsident Reuven Rivilin kritisiert.

Kaddor wehrt sich gegen jeden Missbrauch des Islam. Und schreibt auf Facebook: “Wenn Muslime angefeindet werden, bin ich Muslimin. Wenn Christen angefeindet werden, bin ich Christin und wenn Juden angefeindet werden, bin ich Jüdin.”

 

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 (lp)

 

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