POLITIK
29/12/2017 20:55 CET | Aktualisiert 30/12/2017 07:32 CET

Im Iran eskalieren Proteste gegen die Regierung und den Ayatollah

Was als Demonstration gegen hohe Lebenshaltungskosten begann, wird zunehmen ein politischer Protest.

Screenshot
Screenshot aus einem Twitter-Video: Es soll iranische Demonstranten zeigen, die Sicherheitskräfte attackieren

Im Iran protestieren seit zwei Tagen in mehreren Städten Demonstranten gegen die Regierung. 

Das ist passiert: 

► Am Donnerstag hatte es in drei Städten der nordostiranischen Provinz Chorassan Rasawi Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten, Arbeitslosigkeit sowie die iranische Nahostpolitik gegeben.

► Auch am Freitag gingen wieder zahlreiche Iraner auf die Straße – und protestierten zunehmend auch gegen die Regierung und den Ayatollah Khamenei

► Mehrere iranische Journalisten, Historiker und Politikwissenschaftler teilten in den sozialen Medien Videos der Proteste, auf denen Rufe wie “Wir holen uns den Iran zurück” und “Tod für Khamenei” zu hören sind. 

Darum ist es wichtig: 

Es ist Jahre her, dass es im Iran zu Protestbewegungen gegen die Regierung gekommen ist. Zuletzt fanden 2011 Demonstrationen statt, zuvor hatte es 2009 die gescheiterte Grüne Revolution gegeben. 

In beiden Fällen regierte das iranische Regime mit brutaler Härte auf die Kundgebungen. Die Sicherheitsbehörden warnen auch nun wieder vor weiteren Protesten und kündigten ein hartes Durchgreifen der Polizei an

Was ihr noch wissen müsst: 

Die neue Protestwelle im Iran ist noch kein Zeichen einer sich anbahnenden Revolution. Beobachter wie der Iran-Experte Adnan Tabatabai weisen darauf hin, dass ihr erster Auslöser die schlechte Wirtschaftslage im Iran war. 

Der Politikwissenschaftler Reza Marashi ordnete die Proteste deshalb zunächst als “Fortführung der etablierten zivilgesellschaftlichen Bewegung im Iran” ein – und zunächst nicht als Versuch, die Regierung zu stürzen. 

► Sollte die Anzahl der Demonstranten weiter zunehmen, könnte es jedoch zu einem solchen Versuch kommen. Für diesen Samstag sind bereits weitere Proteste gegen die Regierung angekündigt worden. 

(ll)

Gesponsert von Knappschaft