POLITIK
31/01/2018 18:15 CET | Aktualisiert 31/01/2018 18:38 CET

Lehrermangel in Deutschland: Im Ausland zeigt sich, wie es anders geht

In Finnland gilt der Lehrerberuf als “Elitejob”.

Westend61 via Getty Images
Eine Grundschule in Bayern
  • An vielen Grundschulen in Deutschland fehlen bereits jetzt Lehrer – laut einer Studie soll die Situation in den kommenden Jahren sogar noch dramatischer werden 
  • Ein Blick ins Ausland zeigt, wie es besser gehen könnte

Ein Lehrer. 16 Schüler. 

Das ist das durchschnittliche Verhältnis von Lehrern und Schülern an deutschen Grundschulen. Allerdings zeigt sich im internationalen Vergleich, wie weit Deutschland noch hinterher hinkt. So kommen in Polen auf einen Lehrer nur 10 Schüler.

Die Situation könnte in den kommenden Jahren noch dramatischer werden:

Nach Zahlen, die die Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch veröffentlichte, fehlen in Deutschland bis 2025 rund 35.000 Lehrer für die ersten Schuljahre.

Ein Blick ins Ausland zeigt, wie es besser geht:

Problem 1: Nachwuchsmangel

 ► Die Situation in Deutschland:

Nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung müssten bis 2025 knapp 105.000 neue Lehrer eingestellt werden. Doch an den Universitäten werden gerade genug Lehrkräfte ausgebildet, um die zu ersetzen, die alters- oder gesundheitsbedingt aus dem Schuldienst ausscheiden. 

Zehntausende Stellen werden also nicht besetzt werden können. Selbst wenn die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte nun deutlich aufgestockt werden – es wäre viel zu spät. Denn die Ausbildung dauert etwa sieben Jahre. 

► So geht es besser:

Der Lehrerberuf, zumal für Grundschulen, hat in Deutschland vor allem ein Imageproblem.

Anders in Finnland. Dort gilt der Lehrerberuf als “Elitejob”. Die Ausbildung ist so beliebt, dass etliche Bewerber um einen einzigen Studienplatz rangeln

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Problem 2: Geringe Attraktivität 

► Die Situation in Deutschland:

Nicht nur das Lehramtsstudium selbst ist für junge Menschen wenig attraktiv, auch die Arbeitsbedingungen müssen laut der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) verbessert werden.

“Im Moment werden fast alle Lehrkräfte an Grundschulen deutlich schlechter bezahlt als ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schularten – trotz gleichlanger Ausbildung und gleichwertiger Arbeit“, bemerkt die GEW.

► So geht es besser:

Zwar liegt das Lehrergehalt in Deutschland über dem OECD-Durchschnitt. Doch in der Schweiz ist es finanziell deutlich attraktiver Lehrkraft zu sein als hierzulande.

Selbst Grundschullehrer verdienen dort nach ein paar Jahren Berufserfahrung deutlich mehr als Durchschnittsschweizer, berichtet die “Welt”. Noch mehr klaffen die Endgehälter auseinander. In der Schweiz verdienen ältere Lehrkräfte teils über die Hälfte mehr als ihre jüngeren Kollegen.

Das sich das Konzept für die Eidgenossen trotzdem auszahlt, zeigen die Bildungsausgaben: Die waren – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – nur wenig höher als in Deutschland (4,6 Prozent respektive 5,0 Prozent).

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Problem 3: Zu wenig Kinderbetreuung 

► Die Situation in Deutschland: 

Um dem Lehrermangel zu begegnen, sollen insbesondere Teilzeitkräfte und angehende Pensionärinnen und Pensionäre mehr arbeiten. Doch Grundschullehrkräfte, überwiegend Frauen, brauchen eine verlässliche Kinderbetreuung, um überhaupt aufstocken zu können.

An der mangelt es nicht nur. Für eine ausreichende Betreuung der Kinder benötigt es natürlich auch mehr Lehrkräfte. “Ein Zirkelschluss”, kommentiert die “Welt”.

► So geht es besser:

Während in Frankreich laut einer Umfrage des Instituts Allensbach 77 Prozent der Mütter sagen, dass sich Familie und Beruf gut vereinbaren lassen, sind es in Deutschland nur 49 Prozent.

Woran liegt das? Ein Grund könnte die Kita-Infrastruktur sein, die in Frankreich deutlich besser ausgebaut ist. Zudem gibt es im Nachbarland eine lange Tradition von kostenlosen, staatlich geförderten Vorschulen, die von fast allen Kindern zwischen drei und sechs Jahren besucht wird. Später wird der Unterricht fast ausschließlich in Ganztagsschulen organisiert. 

Und anders als im Hort in Deutschland, wo Schüler vor und nach der Schule meistens von ihren Lehrern betreut werden, passen in Frankreich sogenannte Animateure mit einer Kurzausbildung in Freizeitgestaltung auf die Kinder auf.

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(ll)