POLITIK
01/02/2018 12:04 CET | Aktualisiert 01/02/2018 16:41 CET

Trotz Jobwunder: Hartz-IV-Empfänger finden immer seltener wieder einen Job

Arbeit ist knapp und die Jobcenter arbeiten gegen die Arbeitslosen.

querbeet via Getty Images
Gerade mal 16 von 1000 Langzeitarbeitslosen finden in Deutschland wieder einen Job.
  • Hartz-IV-Bezieher haben es schwer auf dem deutschen Arbeitsmarkt
  • Eine neue Studie zeigt: Immer weniger Langzeitarbeitslose finden wieder einen Job

Die deutsche Wirtschaft feiert Rekorde, die Arbeitslosigkeit ist auf historischem Tiefstand. Doch ausgerechnet viele Langzeitarbeitslose bleiben in dieser Entwicklung auf der Strecke.

Gerade mal 16 von 1000 Menschen, die länger als ein Jahr ohne Anstellung sind, finden wieder einen Job, berichtet die “Westdeutsche Allgemeine Zeitung” (WAZ). Sie bezieht sich dabei auf eine neue Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die der Zeitung vorliegt.

Mehr beschäftigte Menschen bedeuten weniger Jobs für Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Wiedereinsteiger ist damit deutlich kleiner geworden: Laut der Studie waren es 2014 noch 200.000 Langzeitarbeitslose – zuletzt nur noch 180.000.

Gründe dafür gibt es viele, einer davon ist das gefeierte Jobwunder. 

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter, während die Chancen von Langzeitarbeitslosen auf einen Arbeitsplatz sich sogar noch verschlechtert haben“, spricht die DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach nennt der WAZ einen davon:  

Mehr beschäftigte Menschen bedeuten weniger freie Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose.

Erschwerend hinzu kommen für viele beschäftigungslose Menschen oft noch ein höheres Alter, gesundheitliche oder familiäre Probleme. 

Die Jobcenter arbeiten gegen die Hartz-IV-Empfänger

Doch das ist nicht alles. Auch die Jobcenter arbeiten häufig gegen die Beschäftigungslosen:

► Sie geben zwar Millionen für Fortbildungsmaßnahmen für die Arbeitssuchenden aus – oft profitieren davon jedoch nur die Jobcenter-Mitarbeiter selbst. 

► Denn die Führungskräfte in den Jobcentern erhalten Boni, je nachdem, wie viele Menschen ihre Abteilung in Fortbildungen bei Trägern vermittelt. 

Diese Fortbildungen helfen nachgewiesenerweise in vielen Fällen nicht

► 2015 überprüfte der Bundesrechnungshof 500 Jobcenter – und kam zu dem Schluss, dass diese “Oft nur zufällig erfolgreich” und “meist nutzlos” seien.

Mehr zum Thema: Fast jeder sechste Hartz-IV-Empfänger ist Flüchtling

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bestätigen den Misserfolg der Fortbildungsmaßnahmen ebenso: Zwei Drittel der Menschen, die an einer Maßnahme teilgenommen haben, beziehen sechs Monate danach noch immer Hartz-IV. 

Ohne Abschluss läuft nichts

DGB-Vorstand Buntenbach ist damit wohl auch nicht zufrieden. Wichtig sei es bei den Fortbildungen vor allem, dass Abschlüsse nachgeholt werden können, sagt sie der “WAZ”.

► Denn 54 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben keinen Berufsabschluss.

► Problematisch dabei: Nur rund 20 Prozent der offenen Stellen auf dem regulären Arbeitsmarkt sind ohne abgeschlossene Ausbildung zugänglich.

Das Problem: Momentan erhalte von 100 Arbeitslosen im Hartz-IV-System nur einer eine Weiterbildung, die auch zu einem Abschluss führe, so Buntenbach.

Sie ist sich sicher, um das zu ändern und den Menschen wirklich helfen zu können, müsse man eine Milliarde Euro zusätzlich in das Hartz-IV-System stecken.  

(amr)