LIFESTYLE
25/01/2018 15:55 CET | Aktualisiert 07/02/2018 13:57 CET

Wie ich mit weniger Geld glücklich bin

Klamotten kaufe ich mir eigentlich nie – meine letzte Shoppingtour muss Jahre her sein.

Ich habe die Schule abgebrochen. Jetzt lebe ich gerade mal von 70 Euro im Monat – und das funktioniert nur, weil ich Menschen kennengelernt habe, die die Welt verändern wollen.

Für viele ist es wohl unvorstellbar, mit so wenig Geld zurecht zu kommen. Aber es funktioniert – und macht mich sogar glücklich.

Im Video oben: Ein Mann, der mit 450 Euro Rente im Monat ebenfalls gut lebt. 

Ich teile mir eigentlich alles

Living Utopia heißt die Bewegung, auf die ich nach meinem Schulabbruch gestoßen bin. Wir sind Aktivisten und leben weitgehend geldfrei, unterstützen uns gegenseitig und haben ein Ziel: Wir wollen einen gesellschaftlichen Wandel.

Wir wollen andere Menschen darauf aufmerksam machen, dass man nachhaltig, solidarisch und ohne viel Geld glücklich leben kann.

Zur Zeit wohne ich mit drei jungen Menschen in einer WG. Wir teilen uns einen Kleiderschrank und die Klamotten darin, den ganzen Hausrat und alles, was man sonst noch so braucht.

Zuhause bin ich aber nur ein oder zwei Wochen im Monat. Den Rest der Zeit bin ich mit Living Utopia unterwegs. Ich gehe mit ihnen auf Kongresse und Projekttage, um dort Bildungsarbeit zu machen.

Und das als Schulabbrecherin.

Mehr zum Thema: Ich muss von 60 Euro im Monat leben - nur mein Traum hält mich davon ab, mein Leben zu beenden

Aus meiner Bildungsarbeit bekomme ich aktuell 70 Euro im Monat. Einen anderen Job habe ich nicht. Das Geld geht auf ein Konto, das ich mir mit zwei anderen Freunden aus dem Netzwerk teile. Wir zahlen alle ein und jeder nimmt sich davon, was er braucht.

Manchmal komme ich mit 20 Euro im Monat aus, manchmal brauche ich 70 - je nachdem, wieviel ich unterwegs bin. Das Geld reicht mir aber immer.

Meine letzte Shoppingtour muss Jahre her sein

Lebensmittel bekomme ich von einem Supermarkt in der Nähe. Solche, die bald verfallen oder nicht mehr so schön aussehen. Für mich gibt es da immer massenweise Nahrung – denn in den deutschen Läden wird verdammt viel aussortiert.

Wenn ich zu meinen Bildungsprojekten fahre, trampe ich, nutze Fahrgemeinschaften oder nehme auch mal die Bahn. Klamotten kaufe ich mir eigentlich nie.

Meine letzte Shoppingtour muss Jahre her sein. Ich nutze den “Gesamtkleiderschrank” meiner WG, bekomme Sachen von Freundinnen geschenkt, die ihren Schrank ausmisten oder gehe auf Kleiderschenkpartys.

Mehr zum Thema: “Ich lebe von 90 Euro im Monat” - viele Hartz IV-Empfänger leben noch unter dem Existenzminimum

Dort lernt man interessante Menschen kennen und die Klamotten haben eine eigene Geschichte. Geld hingegen anonymisiert Produkte. Der eigentliche Wert eines Produkts, in dessen Fertigung Arbeit und Mühe investiert wurde, tritt hinter dem Preis zurück.

Denn wirklich wertvolle Dinge kann man sich nicht kaufen.

Ich weiß, dass ich meinen Teil zur Veränderung beitrage

Deshalb bin ich auch so zufrieden mit meinen 70 Euro, meinem gespendeten Essen und der Second-Hand-Kleidung. Ich habe alles, um glücklich zu sein.

Zu meiner Schulzeit fühlte ich mich immer nutzlos. Ich lernte, was ich lernen musste, und stellte mir dabei immer die Frage: “Was verändere ich damit eigentlich?”

Heute habe ich Freunde, die genauso denken wie ich und meine Ziele teilen. Ich konsumiere nicht nur, sondern gestalte die Welt aktiv mit.

Wenn ich mein Leben also heute betrachte, weiß ich, dass ich meinen Teil zur Veränderung beitrage.