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Ich habe keinen Sex mit meinem Mann, weil ich mich für meinen Körper schäme

Jedes Mal suchte ich nach einer anderen Ausrede, um es nicht mit ihm tun zu müssen.

01/02/2018 14:54 CET | Aktualisiert 01/02/2018 15:09 CET
Jamie Harrington
Ich wollte nicht, dass er meine schlaffe Haut spürt.

Ich sah oft, wie andere Mütter ihre Schwangerschaftsstreifen liebevoll als “Tigerstreifen”, “Kriegsverletzungen” oder “Hoffnungswunden” bezeichnen. Ich hasste meine. 

Das schlimmste daran: Ich konnte niemandem erzählen, wie sehr ich sie hasste. 

Mit einer Freundin sprach ich das Thema einmal an. “Ich habe das Baby bekommen und jetzt ist meine Haut nicht mehr wie früher.”

Sie nannte meine Streifen “rühmlich”. Sagte, dass wir alle unsere Körper lieben sollten, dass wir so glücklich darüber sein sollten, was wir erreicht haben. Schließlich habe ich ein Baby über neun Monate in meinem Bauch getragen, ich sollte stolz darauf sein. 

Bin ich auch. Aber wie mein Körper jetzt aussieht?

Hier ist die Wahrheit. Und es ist etwas, worüber wir Mütter eigentlich nicht sprechen wollen: Ich habe nach der Schwangerschaft aufgehört, mit meinem Mann zu schlafen. Ich habe mich für meinen Körper geschämt. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. 

Ich suchte immer nach Ausreden, es nicht mit ihm tun zu müssen

Mein kleiner Junge war perfekt. Er hatte eine süße, kleine Knopfnase, leuchtende Augen und gab jedes Mal kleine Seufzer von sich, wenn er gegessen hatte. 

Vom ersten Tag an sah ich meinen Mann in ihm. Sein Kinn, seine Augen, sogar die Form seiner kleinen Finger erinnerten mich an meinen Mann. 

Und ich liebte jeden Zentimeter meiner beiden Männer. 

Eigentlich dachte ich, dass es super aufregend wird, wenn mein Mann und ich uns nach der Schwangerschaft wieder näher kommen – doch stattdessen suchte ich immer nach Ausreden, um es nicht mit ihm tun zu müssen. 

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Dinge wie, “Ich muss das Baby füttern” oder “umziehen” oder “wiegen”. Oder ich sagte, ich müsse Wäsche waschen. Nach einer Weile konnte ich auch wieder sagen, dass ich meine Periode habe. 

Ich konnte den Schmerz in den Augen meines Mannes deutlich sehen. Ich wusste, er fühlte sich vernachlässigt, verwirrt und wahrscheinlich ziemlich traurig über die fehlende Intimität. 

Ich wollte nicht, dass er meine schlaffe Haut spürt

Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich schließlich eingebrochen bin. Ich stand vor dem Waschbecken und putzte mir die Zähne bevor das Baby aufwachte. Ich dachte, mein Mann wäre unten, aber plötzlich stand er hinter mir im Badezimmer. 

Seine Hände berührten meinen Bauch und ich zog mich sofort zurück. 

Ich wollte nicht, dass er meine ausgedehnte, schlaffe Haut spürt. 

“Das Baby wird wohl gleich aufwachen”, sagt ich. “Ich muss mir die Zähne putzen, nachher habe ich keine Zeit mehr.” 

Er ging und sagte kein Wort mehr. 

Das war der Tag, an dem ich realisierte, dass ich etwas gegen mein unsicheres Körpergefühl tun musste. Sonst würde ich meinen Mann verlieren.   

Ich versuchte also, die Streifen an meinem Körper zu akzeptieren. Ich versuchte, sie einzucremen - hasste meine deformierte Haut danach jedoch nur noch mehr. 

Dann sagte mein Mann diesen Satz zu mir

In dieser Nacht gestand ich meinem Mann endlich meine Gefühle. 

“Hör auf”. Das war seine Antwort.

“Ich soll einfach aufhören, mich selbst zu hassen?”, fragte ich ihn. “Ich soll einfach ignorieren, dass meine Brüste nicht mehr da sind, wo sie früher einmal waren? Dass meine Haut so gedehnt ist, dass ich damit Essen ins Kino schmuggeln könnte? Soll ich einfach aufhören, mir zu wünschen, du hättest Amnesie und würdest vergessen, wie ich vorher ausgesehen habe?”

“Ja”, antwortete er. 

Wir redeten danach lange darüber. Bis das Baby aufwachte. 

Er sagte mir, ich müsse damit aufhören, meinen Körper mit dem zu vergleichen, den ich früher mal hatte. Ich war damals schließlich eine andere Person. Und mein Körper war anders. 

Er sagte, meine Streifen wären wie jede andere Narbe – eine Erinnerung an alles, durch das ich gehen musste. Das macht sie nicht sexy oder komisch und ich muss sie auch nicht gleich lieben. Aber sie sind einfach da - weil neun Monate ein Mensch in meinem Bauch gewachsen ist. 

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Und nein, wir hatten in dieser Nacht keinen Sex. Aber ich erlaubte ihm, mich wieder zu berühren. Endlich. Und ehrlich gesagt? Es fühlte sich toll an.

Der Artikel wurde von Franziska Kiefl aus dem Englischen übersetzt und erschien zuerst auf Totally The Bomb. 

(kap)