BLOG

Ich habe eine Woche einen Millionär gesucht – und fand ihn dort, wo ich ihn nie erwartet hätte

"Eigentlich müsste ich gar nicht arbeiten", sagt er.

23/12/2017 18:49 CET | Aktualisiert 23/12/2017 18:49 CET
getty
Echte Millionäre verstecken sich - so viel habe ich gelernt 

Was bisher geschah:

Da mir bewusst geworden ist, dass ich als Journalistin arm sterben werde, habe ich beschlossen, eine Woche lang einen Millionär in München zu suchen. Mein Ziel: reich heiraten. Die bekannte Millionärsgattin Irina Beller hat mir am ersten Tag meiner Suche Tipps gegeben, wie ich meinen Millionär finden kann. Schon am ersten Abend habe ich gemerkt, durch welchen plumpen Trick Millionäre anzulocken sind. 

Am zweiten Abend habe ich einen mysteriösen Millionär und potenziellen Porno-Produzenten in einem Szene-Lokal kennengelernt. Den Tag darauf verbrachte ich im Starnberger Yachtclub und landete am Ende im Zug mit Richard Gere. Schließlich fand ich endlich, am fünften Abend, - nach einem Reinfall im Golfclub - einen möglicherweise geeigneten Kandidaten in einer Bar...

Als gute Wingwoman hat Meltem mir die Handynummer von Conrad mit C besorgt. Doch ich bin unschlüssig, er kam mir seltsam vor. Ich vermute, dass er in Wahrheit noch mitten im BWL-Studium steckt und ziemlich sicher kein Millionär ist.

Also beschließe ich, erst einmal weiter zu suchen. Schließlich achte ich bei Männern nur aufs Geld.

Doch meine Zeit wird langsam knapp. Es ist mittlerweile Samstag, mein letzter Tag, um einen Millionär zu finden. Immerhin will ich mich im besten Fall auch noch verloben. Doch morgen ist die Woche vorbei. Das Ende meines Experiments naht. Meine Suche ist um. Und ich stehe ohne Millionär da.

Ich beschließe, zu meiner letzten Geheimwaffe zu greifen: einem Hund. Ein Hund würde mir ganz neue Möglichkeiten eröffnen, glaube ich.

Ich könnte beispielsweise mit ihm in einen Hundesalon gehen und ihm ein Burberry-Wintermäntelchen kaufen. In einem solchen Laden treibt sich bestimmt der ein oder andere Millionär herum.

Eine Frau will Schneeschuhe für ihren Hund kaufen

Netterweise leiht mir ein Kollege seinen kleinen Pekinese-Chihuahua-Mops-Mischling Bolle aus. Bolle sieht ein bisschen aus wie eine kleine Hyäne, aber ich bin sicher, dass er das Herz eines Hunde-liebenden Millionärs im Sturm erobern wird.

Wie geplant gehe ich mit ihm in einen Münchener Hundesalon. Er interessiert sich jedoch weniger für die kleinen Jäckchen, als für eine Hundedame, die mit ihrem Frauchen Schneeschuhe shoppen will. Für die Hündin natürlich.

“Sie wissen aber, dass Hunde eigentlich keine Schuhe tragen müssen?“, fragt der Ladenbesitzer vorsichtig.

“Ja, das weiß ich, aber mit Schneeschuhen kann sie besser im Schnee laufen“, sagt die Frau überzeugt.

“In Ordnung, wir haben selbstverständlich Schneeschuhe.“

Nicht einmal ich besitze Schneeschuhe, aber dieser Hund wird sie in den nächsten Minuten haben. Nun gut.

Ich stöbere durch das Inventar des Shops und entdecke Dinge, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Von Glitzer-Halsbändern über Weihnachts-Verkleidungen bis hin zur Abendgarderobe hat dieser Laden alles im Sortiment – für Hunde.

Wingdog Bolle hat einen Millionär erschnüffelt 

Ich halte Bolle einen rosa gefütterten Bademantel mit Leopardenmuster hin. Er wedelt begeistert mit dem Schwanz.

Doch plötzlich wird er unruhig, zerrt an der Leine und fiept. Ich folge seinem Drängen. Offensichtlich hat er gerochen, dass seine Herzens-Dame gerade ein Leckerchen bekommt. Und Bolle ist noch von jemand anderem begeistert: einem Mitarbeiter des Ladens.

HuffPost
Wingdog Bolle hat einen Millionär erschnüffelt 

Mein Wingdog will gar nicht mehr aufhören, an dessen Schuhen herumzuschnüffeln. Erst einen Abend zuvor hatte mich eine Freundin darauf hingewiesen, bei potenziell reichen Männern immer einen Blick auf die Schuhe zu werfen – die würden viel verraten. Und nun das: Der Mann trägt Louis-Vuitton-Schuhe.

Ich mustere ihn genauer und bin mir ziemlich sicher, dass er Designer-Kleidung trägt. Wingdog Bolle hat eventuell gerade einen Millionär erschnüffelt.

“Was für ein Klientel kauft eigentlich so bei Ihnen ein?“, frage ich den Mann.

“Ach, ganz unterschiedlich.“

“Auch Millionäre?“

“Klar, auch Promis. Sarah Kern war mal da, Adel Tawil, Martin Krug. Und immer mal wieder Millionäre und Milliardäre.“

“Die Schickeria ist tot”, sagt der Mann

Millionäre und Milliardäre. Theoretisch bin ich hier also richtig. Aber ausgerechnet wenn ich da bin, will nur eine Frau Schneeschuhe für ihren Hund kaufen. Typisch. Jetzt muss also der Mann mit den Louis-Vuitton-Schuhen mein Millionär werden. Bolle liebt ihn jedenfalls schon.

Das könnte auch einen Grund haben. Möglicherweise steht Bolle auf Männer. Denn ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Louis-Vuitton-Träger grundsätzlich an Frauen interessiert ist.

Abgesehen davon wäre er aber ohnehin etwas zu alt für mich – bei dem Wort ‘Schneeschuhe’ kommen in mir dunkle Erinnerungen an die Gespräche mit den 70-Jährigen im Yachtclub auf.

➨ Mehr zum Thema: “In München sind doch alle verschleiert” - was ich als junge Frau im Bayerischen Yachtclub erlebt habe

Doch er scheint Ahnung zu haben und das mache ich mir zu Nutze. Ich frage ihn, ob er wüsste, wo sich die Schickeria in München aufhält. Er kann sich ein Lachen kaum verkneifen.

“Welche Schickeria denn bitte?“, fragt er. “Die Schickeria von München ist tot.“

“Wieso denn tot?“, frage ich.

“Es gibt hier nur noch ganz, ganz wenige, die Geld haben“, sagt er mir. “Und die verstecken sich gut. Die wollen nichts mit diesen ganzen Möchtegerns zu tun haben.“

Ich plane schon, meine Suche aufzugeben

Ja, Möchtegerns trifft es, denke ich, während in meinem Kopf Bilder aus dem “H’ugo’s“ auftauchen. Eigentlich hatte ich vor, noch nach Grünwald zu fahren, doch meine Hoffnung stirbt mit dem nächsten Satz des Mannes.

“Besonders schlimm ist es in Grünwald“, sagt er. “Da wohnen nur Möchtegern-Millionäre. Echte Schickeria findet man dort ganz sicher nicht.“

“Aber wenn ich jetzt wirklich einen Millionär finden will – wo muss ich denn dann in München suchen?“, frage ich den Mann verzweifelt.

“Das können Sie vergessen“, sagt er. “Die finden Sie nicht. Die verstecken sich zu gut.“

Ich bin frustriert. Nun kann ich meine Millionärssuche also endgültig aufgeben. Denn bisher habe ich kaum einen reichen Mann getroffen, der nicht vollkommen verrückt schien oder ein Lüstling war. Alles nichts für mich, trotz des Geldes.

Eventuell muss ich doch noch Conrad mit C anrufen - den potenziellen Jung-Millionär, den ich im “Burger and Lobster” kennengelernt habe. 

➨ Mehr zum Thema: Champagner, Pelz und Verachtung - was ich bei einer Benefizveranstaltung im Golfclub erlebte

Ein reicher Russe folgt mir auf die Toilette

Samstagabend erzähle ich Freunden, dass ich nicht erfolgreich war. Sie sind enttäuscht und wollen unbedingt, dass ich weitermache. Also überrede ich mitten in der Nacht meine Freundin Anna dazu, noch mit in einen Münchner Club zu gehen. Angeblich soll dort die Schickeria feiern – wenn sie denn nicht tot ist.

Nach dem Besuch im Club weiß ich: Sie ist tot.

Anna ist glücklich, weil ein Mann mit Glatze ihr einen Champagner ausgegeben hat. Ich lerne langweilige Bank-Angestellte aus Tirol kennen und einen potenziell reichen Russen, der sagt, ihm gehöre eine Textil-Kette.

Als ich ihn frage, wo die Toiletten im Club sind, bietet er an, mich zu begleiten.

“Wir sollten uns dort einmal gut unterhalten“, flüstert er in mein Ohr.

“Nein danke“, sage ich und flüchte vor ihm.

Als ich die Toiletten gefunden habe, steht er plötzlich hinter mir und fasst mich am Arm. Ich winde mich aus seinem Griff und laufe die Treppen schnell wieder hoch in die Menschenmasse.

Er ruft etwas hinter mir her, das ich nicht verstehe. Ich bin angewidert und frage Anna, ob wir jetzt gehen wollen. Die Millionärssuche ist mir egal.

Der Mann an der Garderobe erkennt meinen Fake 

Die beiden Männer in der Garderobe scherzen miteinander und fragen mich, warum ich so fertig aussehe. “Hier sind nur seltsame Menschen im Club“, beklage ich mich.

“Willkommen im Nachtleben“, sagt einer von ihnen und hilft mir in meine Jacke. “Danke“, sage ich ein bisschen irritiert.

“Ich bin höflich“, sagt er und grinst.

Ich weiß nicht genau warum, aber aus irgendeinem Grund, vielleicht damit er mich nicht für eine typische Münchner Burberry-Schal-Tussi hält, sage ich: “So, jetzt muss ich mir nur noch meinen guten Fake-Burberry-Schal umlegen.“

“Ich hab sofort gesehen, dass der gefälscht ist“, sagt er nur.

“Woran das denn?“ Ich dachte eigentlich, es würde sich um einen einigermaßen guten Fake halten.

“Die Farben sind bei echten Burberry-Schals viel leuchtender“, sagt er. “Echte Burberry-Schals kannst du 20 Mal waschen und die Farben leuchten wie am ersten Tag.“

“Komm mal zu uns in die Garderobe”, sagen sie 

Ich mustere ihn von oben bis unten. Er trägt ein Sakko und ist für einen Mann an der Garderobe streng genommen zu schick und extravagant angezogen.

“Interessierst du dich für Mode?“, frage ich ihn.

“Eigentlich nicht so“, sagt er. “Aber wenn deine Mutter zig Sachen von Burberry hat, lernst du eben das eine oder andere.“

Jetzt bin ich neugierig geworden. Doch die Menschen hinter mir, inklusive Anna, werden ungeduldig. Ich verliere sie aus den Augen.

“Habt ihr meine Freundin gesehen?“, frage ich die Männer an der Garderobe.”

Ich hab ihr eben noch in die Jacke geholfen“, sagt der Burberry-Kenner.

Ich schreibe Anna eine Nachricht, sie antwortet nicht.

“Oh mein Gott, ich glaube sie ist schon gegangen“, sage ich entsetzt.”

“Ist doch nicht so schlimm, komm mal zu uns in die Garderobe“, sagen sie.

Anna schreibt mir, dass sie im Taxi sitzt.

“Sie ist einfach gegangen“, sage ich den Männern.

“Sie war total müde“, sagt der Burberry-Kenner.

“Eigentlich müsste ich gar nicht arbeiten”, sagt er 

Jetzt stehe ich mit in der Garderobe. Die Bankangestellten aus Tirol holen gerade ihre Steppjacken ab und sehen mich seltsam an. Sie denken wahrscheinlich, dass ich mit allen Mitteln versuche, einen Mann kennenzulernen. Stimmt ja auch in gewisser Hinsicht.

“Jetzt erzähl mal“, sage ich zu dem potenziellen Millionärssohn. “Warum hat deine Mutter zig Sachen von Burberry und du arbeitest hier an der Garderobe?“

“Warum willst du das wissen?“, fragt er verwundert.

“Das klingt halt komisch“, sage ich. “Warum arbeitest du ausgerechnet an der Garderobe?“

“Warum nicht?“, fragt er. “Ja, streng genommen müsste ich hier nicht arbeiten. Streng genommen müsste ich gar nicht arbeiten. Aber es macht Spaß. Ich mache das Hobby-mäßig neben meinem eigentlichen Beruf.“

Er erzählt mir, dass er hauptberuflich eine leitende Position in einer Firma hat und sein Vater der Besitzer einer Firmen-Kette sei. Seine Eltern seien reich, aber seinen ersten Job hätte er bereits mit 12 Jahren gehabt. Er hätte sein ganzes Leben schon gearbeitet.

Dann wird er misstrauisch

“Kann man sagen, dass du Millionär bist?“, frage ich, vielleicht etwas zu direkt.

“Kann man wohl so sagen“, sagt er.

Ich kann es kaum fassen. Ich habe meinen Millionär gefunden – an einer Garderobe. Aber er ist misstrauisch geworden.

“Warum erzähle ich dir das eigentlich alles? Warum willst du das alles wissen?“, fragt er. Er fragt seinen Kollegen, ob er kurz alleine die Garderobe übernehmen kann und wir setzen uns an einen Tisch.

Ich beschließe, ihm von meinem Projekt zu erzählen. Er muss verstehen, dass er das perfekte Ende der Geschichte ist. Und er lacht über meine Erzählungen, meine Suche findet er lustig.

Ich kann es kaum glauben: Habe ich nun also endlich meinen Millionär gefunden? 

Die Autorin hat eine Woche lang versucht, einen Millionär zu finden. Ihre Suche könnt ihr auch auf Instagram verfolgen. Die Fortsetzung folgt morgen. 

Hier findet ihr alle Teile der Millionärssuche:

➨ Teil 1: Ich bin 25 und suche einen reichen Mann - diese Tipps hat mir eine Millionärsgattin gegeben 

➨ Teil 2: Ich wollte nach Büroschluss einen Millionär aufreißen - so lange hat es gedauert

➨ Teil 3: “Stell dich nicht an”, sagt er und packt mich - was passierte, als ich einen Millionär getroffen habe

➨ Teil 4: “In München sind doch alle verschleiert” - was ich als junge Frau im Bayerischen Yachtclub erlebt habe

➨ Teil 5: Champagner, Pelz und Verachtung - was ich bei einer Benefizveranstaltung im Golfclub erlebte