POLITIK
03/01/2018 18:03 CET

Außenpolitikexperten identifizieren die größten Krisenherde für 2018 – auch Deutschland ist dabei

"Seien wir ehrlich: 2018 fühlt sich nicht gut an."

Pool via Getty Images
  • Die Politikwissenschaftler Ian Bremmer und Cliff Kupchan prognostizieren jedes Jahr die größten potentiellen Konfliktrisiken der Welt
  • Für 2018 sagen sie eine “geopolitische Depression” voraus – an der auch Deutschland beteiligt sein werde

Trump, Brexit-Chaos, Nordkorea-Konflikt, Kriege in Syrien, Jemen und der Ukraine: 2017 war ein furchteinflössendes Jahr.

► Und, so prognostizieren es die renommierten US-Politikwissenschaftler Ian Bremmer und Cliff Kupchan, das Jahr 2018 soll noch viel schlimmer werden. 

Bremmer und Kupchan leiten mit der Eurasiagroup das weltweit größte Unternehmen für politische Risikobewertung. Zu Beginn jedes Jahres stellen sie eine Prognose der international größten Krisenherde der nächsten Monate zusammen. 

Bremmers und Kupchans Liste für 2018 liest sich besonders dramatisch – und enthält auch die Bundesrepublik. 

“Die globale Ordnung bricht zusammen”

“Seien wir ehrlich”, beginnen die beiden Politikwissenschaftler, “2018 fühlt sich nicht gut an.” Zwar würden die Weltmärkte stark performen und die Wirtschaft wachsen, doch die Herausforderungen für die Weltpolitik seien beängstigend. 

“Die Bürger sind gespalten. Die Regierungen regieren kaum noch. Und die die globale Ordnung bricht zusammen”, schreiben Bremmer und Kupchan.

Besonders die Wahl Donald Trumps habe die internationale Politik in einen “Hobbschen Zustand” versetzt, der Sorgen vor einer “geopolitischen Depression” mache. 

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An dieser ist laut den Autoren auch Deutschland beteiligt: Durch das Regierungschaos in der Bundesrepublik sei die internationale Ordnung zusätzlich gefährdet.

Deutschland müsse sich 2018 gerade auch wegen der Krise der Eurozone zusammenreißen und seinen “politischen Bammel” ablegen. 

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Das heißt: Deutschland soll im kommenden Jahr wieder Verantwortung übernehmen. Angesichts der globalen Konflikte, die Bremmer und Kapchun voraussehen, geradezu ein Muss. 

Das sind die größten 10 Krisenherde, die die Experten identifizieren: 

1. Chinas Machtergreifung

“China wartet nicht länger ab”, schreiben Bremmer und Kupchan. Präsident Xi Jinping habe seine Macht innerhalb des Landes zementiert – und sei nun 2018 bereit, seinen Einfluss auf den Globus auszuweiten

► Auf dem verliere für viele Schwellenländer das westliche Modell liberaler Demokratien zunehmend an Attraktivität. Ein Vakuum, das China bereit sei zu füllen.    

2. Krieg durch Unfälle

Ein Dritter Weltkrieg stehe der Menschheit 2018 nicht bevor, schreiben Bremmer und Kupchan. Zum Glück. Aber: Die Risiken eines fatalen geopolitischen Unfalls hätten sich massiv erhöht

► Egal ob in Syrien, Nordkorea, Russland oder von Terrorismus heimgesuchten Regionen – oft sei der Ausbruch eines blutigen Konfliktes nur eine überhitzte Entscheidung entfernt. 

3. Kalter Tech-Krieg

Bremmer und Kupchan sind sicher: “Die Dominanz bei neuen Technologien zu erlangen wird der weltweit wichtigste Kampf um wirtschaftliche Macht sein.” Digitale Kommunikation und künstliche Intelligenz würden dabei eine große Rolle spielen. 

► Eine neuen Menschheitsgeneration, die rund um die Uhr online sei, stelle Gesellschaft und Politik vor ungeahnten Herausforderungen. 

4. Turbulenzen in Mexiko

Die drohende Abschaffung des Handelsabkommens NAFTA mit den USA und Kanada sowie eine Präsidentschaftswahl am 1. Juli: Mexiko steht laut Bremmer und Kupchan ein hartes Jahr bevor

► Ohne ein Ende der Korruption in der Politik und ohne positive Handelsperspektiven könnte Mexiko ins Chaos stürzen.

5. Spannungen zwischen den USA und dem Iran

Die anhaltenden Proteste im Iran machen derzeit Schlagzeilen. Das größere Risiko, das von dem Land ausgeht, sehen die Eurasiagroup-Experten jedoch in der Beziehung zur USA

► US-Präsident Trump sehe den Iran als Wurzel alles Bösen in der Welt. Sollte er neue Sanktionen verhängen oder sogar den Iran-Deal kippen, sehen Bremmer und Kupchan die Gefahr einer neuen Eskalationsspirale im Nahen Osten.  

6. Politikverdrossenheit

Bremmer und Kupchan sehen die politischen Institutionen in der westlichen Welt unter Beschuss. Große Teile der Bevölkerung würden der Bürokratie und besonders auch den Medien nicht mehr trauen.

► Diese Politikverdrossenheit erodiere die Institutionen der westlichen Staaten. In der Folge würden “Konflikte häufiger, Entscheidungsfindungen erschwert und internationales Chaos alltäglich”

7. Protektionismus

2017 war der Populismus weltweit auf dem Siegeszug. Im kommenden Jahr könnte er laut Bremmer und Kupchan dafür sorgen, dass mehr und mehr Länder sich wirtschaftlich und politisch abschirmen

► Das könne nicht nur dazu führen, dass die internationalen Märkte schwächer und komplexer würden – es erhöhe auch die Wahrscheinlichkeit von Konflikten in der internationalen Gemeinschaft

8. Die Zukunft Großbritanniens

Der Brexit ist ein einziges, sich dahinschleppendes Chaos. Die Eurasiagroup glaubt, dass der verfahrene Prozess 2018 Premierministerin Theresa May den Job kosten könnte

► Bremmer und Kupchan fürchten, dass auf May der Oppositionsführer Jeremy Corbyn folgen könnte – und mit ihm eine für die EU und die britische Wirtschaft unberechenbare Politik. 

9. Südasiatischer Nationalismus

Eine oft übersehene Region der Welt – und dennoch eine mit großem Konfliktpotential, schreiben Bremmer und Kupchan. Südasiens Staaten würden zunehmend von populistischen Weltanschauungen geprägt

► Ob islamistischer Populismus, wie in Indonesien und Myanmar, oder ausgewiesener Nationalismus, wie in Indien: Gewalttätige Konflikte in der Region seien wahrscheinlich – und mit der Rohingya-Krise bereits ausgebrochen.   

10. Eskalation der Gewalt in Afrikas Randstaaten

In Afrika ergibt sich laut der Eurasiagroup-Experten ein geteiltes Bild: Während Länder wie Nigeria oder Kenia Wachstum und Stabilität verzeichnen, würden Staaten wie Mali, der Südsudan und Somalia die Sicherheit des Kontinents gefährden. 

Terrorgruppierungen und islamistische Milizen wie die Boko Haram oder Al Shabaab könnten 2018 ihren brutalen Einfluss in Afrika noch ausweiten. Gleichzeitig könnten Wirtschaftskrisen die Armut in vielen Ländern eskalieren.

(mf) 

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