POLITIK
21/12/2017 10:37 CET

Hungerstreik in Deggendorf: Flüchtlinge protestieren gegen Unterbringung

Asylbewerber aus Sierra Leone wollen, dass die ganze Welt erfährt, "wie Deutschland Einwanderer behandelt".

  • Flüchtlinge aus Sierra Leone protestieren in Bayern mit einem Hungerstreik gegen Abschiebung und Unterbringung
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Flüchtlinge aus Sierra Leone sind im bayerischen Deggendorf nach eigenen Angaben in den Hungerstreik getreten, um gegen ihre Lebensbedingungen zu protestieren.

Wie der Bayerische Flüchtlingsrat mitteilt, begannen die Asylbewerber am vergangenen Samstag damit, das Essen zu verweigern. Seit Freitag gehen Kinder und Jugendliche demnach nicht mehr zur Schule oder zum Deutschkurs, weil ihnen der Zugang zu öffentlichen Bildungseinrichtungen verwehrt sei. Die Erwachsenen bestreikten ihre 80-Cent-Jobs.

Auch Schwangere sollen das Essen verweigern

► Wie viele Menschen genau am Hungerstreik teilnehmen, ist unklar.

Wie unter anderem die “Welt” und die “Süddeutsche Zeitung” berichten, sind es zwischen 150 und 157, darunter auch Schwangere und Kinder.

Die Regierung bestätigt, dass die Flüchtlinge nicht mehr am Kantinenessen teilnehmen. Das müsse aber “nicht automatisch Hungern bedeuten”.

Unter den Teilnehmern des mehrstündigen Protestmarschs durch die niederbayerische Stadt waren auch Kinder. Eine 19 Jahre alte Schwangere musste laut Polizei nach einem Schwächeanfall in ein Krankenhaus gebracht werden.

Protest gegen Abschiebung

► Auslöser für die Proteste ist laut Flüchtlingsrat die gewaltsame Abschiebung eines Flüchtlings aus Sierra Leone am Freitagmorgen, die dann doch noch am Flughafen gestoppt worden sei.

Den Angaben der Flüchtlingen nach würden selbst Schwangere und Kranke abgeschoben werden.

Die Flüchtlinge wehrten sich gegen die Ablehnung ihrer Asylanträge und protestierten gegen ihre Abschiebung nach Italien.

Dorthin müssten sie aufgrund des Dublin-Regimes. Es sieht vor, dass Flüchtlinge ihren Asylantrag dort stellen müssen, wo sie erstmals EU-Boden betreten haben. Die Asylbewerber fürchten nach eigenen Angaben dort “schwere Folter” und mangels staatlicher Hilfe ein Leben auf der Straße.

“Enttäuscht statt beschützt”

Der Flüchtlingsrat publizierte ein Statement der Flüchtlinge, wonach sie “hier in Deutschland Schutz suchen, (…) aber enttäuscht statt beschützt“ würden.

Außerdem kritisierten sie die Umstände im Lager. Die Flüchtlinge seien nun seit zwei Jahren statt sechs Monaten in dem Camp untergebracht, ohne Schulbildung und Arbeitserlaubnis.

Durch den Protest “soll die ganze Welt erfahren, wie Deutschland die Einwanderer behandelt”. 

In der Unterkunft teilten sich acht Menschen ein Zimmer, die hygienischen Bedingungen seien schlecht, ebenso die Qualität der Nahrung. Für Einwanderer mit speziellen Krankheiten gebe es keine Medikamente.

Die drangvolle Enge beobachtete auch ein Reporter der “SZ”. Belege für schlechtes Essen und Schmutz dagegen nicht - allerdings weist der Journalist darauf hin, dass der Besuch dort angekündigt gewesen war. 

 

(ll)