LIFESTYLE
12/02/2018 12:22 CET | Aktualisiert 12/02/2018 18:01 CET

Forscher: Diese Hinweise gibt es, dass unser Bewusstsein den Tod überlebt

"Es wird nicht vernichtet, nur weil wir die Schwelle zum Tod überschreiten."

  • Zwei Forscher haben in einem Interview über den Zustand des Gehirns nach dem Tod gesprochen
  • Sie gehen davon aus, dass Teile des Bewusstseins für kurze Zeit fortbestehen könnten
  • Im Video oben seht ihr, was in den ersten zehn Minuten nach dem Tod im Gehirn passiert 

Der Tod ist nicht das Ende. Zumindest, wenn es nach Forschern geht. 

Der britische Kardiologe Sam Parnia und der US-amerikanische Mikrobiologe Peter Noble haben in einem Interview mit dem US-Portal “Newsweek” über ihre These gesprochen, dass das menschliche Bewusstsein den Tod möglicherweise für kurze Zeit übersteht.

“Die Zellen schalten nicht einfach auf tot”

► “Newsweek” fasst die Erkenntnisse der Wissenschaftler aus den vergangenen Jahren zusammen. Demnach erreichten Gehirnzellen erst Tage nach dem Tod einen Punkt, an dem sie nicht mehr “lebensfähig”seien.

“Ich sage nicht, dass das Gehirn immer noch funktioniert. Oder dass irgendein anderer Bereich unserer Körpers nach dem Tod funktioniert”, stellt Kardiologe Parnia klar. “Aber die Zellen schalten nicht einfach von lebendig auf tot.”

► In einer Studie im Jahr 2017 wiesen der Biologe Noble und seine Kollegen an Mäusen und Zebrafischen nach, dass über 1000 Gene nach dem Tod noch aktiviert blieben. Auch vier Tage, nachdem das Tier tot war.

“Das haben wir nicht erwartet”, sagt Noble zu “Newsweek” über seine Ergebnisse. 

► Unter anderem wegen dieser Versuche gehe die Forschung mittlerweile von einem “schrittweisen Herunterfahren” der Gehirnzellen aus. 

Gehirnströme nach dem Herzstillstand

Auch weitere Forscher haben in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Beobachtungen gemacht.

► Wissenschaftler der Universität Western Ontario in Kanada konnten 2016 bei einem Patienten nach dem Herzstillstand und dem Aussetzen des arteriellen Blutdrucks – also dem sogenannten klinischen Tod – zehn Minuten lang weiterhin eine unerwartet hohe Hirnaktivität messen, wie sie auch im Tiefschlaf auftritt.

Christian Dohmen, Neurologe an der Uniklinik Köln, gab in Bezug auf diese Studie gegenüber “Focus Online” zu bedenken: “Allerdings ist es grundsätzlich keine neue Erkenntnis, dass Hirnströme auch nach dem klinischen Tod noch messbar sind.”

Auch sei bisher nicht systematisch untersucht worden, wie lange nach dem Kreislaufstillstand der Hirntod einsetze.

Übersteht das Bewusstsein den Tod?

► Kann das offenbar “schrittweise Herunterfahren” der Gehirnzellen die Nahtod-Erfahrungen mancher Patienten erklären?

Menschen, die klinisch tot waren und wiederbelebt wurden, berichten meist von hellen Lichtern oder dem Gefühl inneren Friedens.

Laut Parnia könnten all diese vermeintlichen Wahrnehmungen auf Halluzinationen zurückgeführt werden.

► Für ein Phänomen hat der Wissenschaftler allerdings keine Erklärung: Die Betroffenen sehen sich teilweise selbst aus einer fremden Perspektive von einer Ecke des Raumes.

Ein Hinweis, dass unser Bewusstsein zum Teil weiter fortbesteht, während der Körper schon tot ist? Davon geht zumindest Parnia aus.

“Unser Bewusstsein wird nicht einfach vernichtet”

“Ich sage nicht, dass die Menschen ihre Augen öffnen oder dass ihre Gehirne funktionieren, nachdem sie gestorben sind”, stellt er gegenüber “Newsweek” klar. 

► “Ich sage, wir haben ein Bewusstsein, das ausmacht, wer wir sind – unser Selbst, unsere Gedanken, unsere Gefühle. Und diese Einheit, so scheint es, wird nicht vernichtet, nur weil wir die Schwelle zum Tod überschreiten”, sagt der Forscher.

Einige Eigenschaften des Bewusstseins würden fortbestehen. Aber, schränkt Parnia ein: “Wie lange sie fortbestehen, können wir nicht sagen.”

(sk)