POLITIK
21/12/2017 16:52 CET | Aktualisiert 21/12/2017 18:08 CET

Hasswelle erfasst Gastronom: "Jemand sagte, er will bei mir tote Juden essen"

Yorai Feinberg aus Berlin wird beschimpft, weil er öffentlich machte, dass ein Mann alle Juden in die Gaskammern schicken wollte

dpa
Der Gastronom Yorai Feinberg wurde  aufs Übelste antisemitisch beschimpft - jetzt schwappt wegen des Vorfalls sogar noch eine Welle des Hasses über ihn
  • Der israelische Gastronom Yorai Feinberg hat ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie er von einem Mann aufs Übelste antisemitisch beschimpft wird
  • Jetzt schwappt eine neue Welle des Hasses über Feinberg

“Jemand hat angerufen und mir gesagt, dass er in meinem Restaurant tote Juden essen will.“ Yorai Feinberg ist Besitzer des israelischen Restaurants Feinberg’s in Berlin. Am Dienstag war er von einem Antisemiten mit furchtbaren Worten beschimpft worden. Jetzt brandet eine neue Welle des Hasses über ihn.

Ein laut Polizei 60-jähriger Deutscher hatte Feinberg beschimpft. Hatte gesagt, alle Juden sollten zurück in die Gaskammern. Feinbergs Freundin hatte die mehr als sechs Minuten lange Tirade in einem Video dokumentiert.

Im Internet wurde das Video zigtausend Male angeklickt: 

 Als Reaktion auf das Video bekam Feinberg Hunderte von unterstützenden Zuschriften, wie er am Donnerstag der HuffPost sagte. Über diese Welle der Solidarität habe er sich sehr gefreut.

“Viel Hass von Muslimen”

Allerdings kam es auch zu weiteren Ausfällen gegen ihn per E-Mail und Telefon.

“Von Deutschen bekomme ich jetzt viel Solidarität, aber im Gegensatz dazu erfahre ich von vielen Muslimen jetzt leider viel Hass“, so der Restaurantbesitzer.

Unter anderem wurde Feinberg per E-Mail aufgefordert, er solle doch “aufhören”. Ein anderer Briefeschreiber habe ihn aufgefordert, “abzuhauen”: Aufgrund der Rechtschreibfehler und des Namens des Absenders gehe er davon aus, dass der Absender einen türkischen Migrationshintergrund habe.

Mehr zum Thema: Warum arabische Kinder zu Antisemiten werden - und der Islam wenig dafür kann

In den sozialen Netzwerken seien zahlreiche Kommentare unter dem Video zu sehen, die große Sympathie und Lob für den 60-jährigen Mann äußern, der Feinberg am Dienstag massiv angegriffen hatte. “Diese Unterstützung für diesen Mann kommt ganz offensichtlich von Leuten islamischen Glaubens“, beklagt Feinberg.

Unter anderem sei in den Kommentaren zu lesen, dem 60-Jährigen müsse man für seine antisemitischen Ausfälle “die Augen küssen“.

Bedrückende Details

Der 60-Jährige hatte Feinberg unter anderem gesagt: “Was wollt denn ihr nach 1945 hier? Sechs Millionen Menschen sind umgebracht worden von euch. Was willst du denn hier? Euch lieben wir nicht. Warum bist du hier? Niemand schützt euch. Ihr werdet alle in den Gaskammern landen. Alle wieder zurück in eure blöde Gaskammer. Keiner will euch hier!“

Feinberg berichtete der HuffPost bedrückende Details, wie es zu dem Video kam:

Er stand gerade mit einer Freundin vor seinen Restaurant in der Nähe des Kurfürstendamms, um sich über zwei Ereignisse mit ihr zu unterhalten, die ebenfalls einen antisemitischen Hintergrund haben.

Zum einen hatte seine Freundin gerade einen Brief vom Landeskriminalamt bekommen mit einer Ladung als Zeugin in einem Verfahren um einen antisemitischen Übergriff auf sie.

Zum anderen sprach Feinberg mit der Freundin über eine sehr böse Bewertung seines Restaurants von einer israelfeindlichen Organisation, die er gerade entdeckt hatten.

“Der Mann war sofort sehr aggressiv”

Just während dieses Gesprächs sei der 60-Jährige auf sie zugelaufen, offenbar angelockt von einem jüdischen Symbol im Schaufenster des Restaurants, über das er sich sofort aufgeregt habe: einem siebenarmigen Menora-Leuchter.

“Der Mann war sofort sehr aggressiv, hing mir regelrecht im Gesicht“, so Feinberg: “Das war niemand aus der Unterschicht, der kam aus dem, was man bessere Kreise nennt, dem Äußeren nach zu urteilen, mit seiner Markenkleidung.“

Der Staatsschutz ermittelt gegen den Mann

Gegen den 60-Jährigen laufen inzwischen Ermittlungen wegen Volksverhetzung, teilte die Polizei der HuffPost mit.

Ob er wegen der nach der Veröffentlichung des Videos erhaltenen antisemitischen Anfeindungen Strafanzeige erstatten werde, habe er noch nicht entschieden, sagte Feinberg.

Die auf dem Video dokumentierten Angriffe seien nur “die Spitze des Eisbergs”. Hass-Mails an die Adresse seines Restaurants seine keine Ausnahme - im Durchschnitt erhalte er zwei pro Monat. 

Auf die Frage, welche Schlussfolgerungen er für sich aus den Übergriffen ziehe, sagt Feinberg kämpferisch: “Ich werde nicht kapitulieren wegen ein paar böser Menschen.“

Das Video mit den antisemitischen Attacken hatte auch auf Facebook für massive Diskussionen gesorgt. Das soziale Netzwerk löschte das Video zunächst auf einigen Seiten mit dem Hinweis, es entspreche “nicht den Gemeinschaftsstandards”.

Auch von der Seite der Seite der Jüdischen Studierendenunion Deutschlands (JSUD) verschwand das Video. Ihr Vize-Vorsitzender Mike Samuel Delberg wurde für das Posten des Videos von Facebook sogar gesperrt. 

Die JSUD fragte empört die Verantwortlichen: “Liebes Facebook, ist das eure Art, mit Kritik am aktuellen Antisemitismus umzugehen?”

 (sk)

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