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19/12/2017 14:18 CET | Aktualisiert 19/12/2017 16:18 CET

Wie Haustiere in Deutschland unter der Hartz-IV leiden

In Deutschland gibt es rund 30 Millionen Haustiere. Doch wer zu den rund 15 Millionen Menschen gehört, die von Armut betroffen sind, fällt es oft schwer, sein Haustier richtig zu versorgen.

Tobias Schwarz / Reuters
  • Wer in Deutschland Hartz-IV bekommt, der kann sein Haustier kaum richtig versorgen

  • Doch es gibt Organisationen, die den Tieren helfen

In Deutschland leben rund 30 Millionen Haustiere. Nicht jedem Menschen in der Bundesrepublik fällt es leicht, für den treuen Gefährten richtig zu sorgen.

Besonders armen Menschen fällt es an Geld für das Haustier. Wer beispielsweise den Hartz-IV Regelsatz von 409 Euro erhält, bei dem wird es eng, für Futter, Arztbesuche oder eine Tierhaftpflichtversicherung zu bezahlen.

Mangelernährung, Unterversorgung, Krankheiten

Das kann für die Gesundheit von tausenden Haustieren in Deutschland schwerwiegende Konsequenzen haben. Die Folge können beispielsweise Mangelernährung, Unterversorgung oder chronische Erkrankungen sein.

Renate Tratter fasste daher den Plan, eine Lebensmittelausgabe für Tiere ins Leben zu rufen: die Tierfutterhilfe Solingen.  

“Es kann nicht sein, dass Hartz-IV-Empfänger ihre Tiere abgeben müssen, weil sie sich das Futter nicht leisten können”, erklärt Renate Tratter dem “Solinger Tagblatt”.

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Am vergangenen Montag hatte Tratter eine Futterausgabe organisiert. Dort verschenkte sie zusammen mit ihren Helfern Nahrung und Zubehör für Haustiere an Menschen in sozialer Not.

Das meiste davon sei von privaten Spendern, Fachgeschäften und befreundeten Tierschutzvereinen gekommen.

“Hauptsächlich sind wir auf Spenden angewiesen”, erklärt Mitorganisatorin Dagmar Cristello dem “Solinger Tagblatt”. Einiges zahle die Tier-Tafel allerdings auch aus eigener Tasche.

Knapp 500 Kilogramm Tiernahrung für Bedürftige

Die Nachfrage ist offenbar groß. Mehr als 40 Menschen hätten sich am Montag in einem Hauseingang in einem Gewerbegebiet der Stadt eingefunden, berichtet die Zeitung. Am Ende des Tages hätten Tratter und ihre Helfer knapp 500 Kilogramm Tiernahrung an die bedürftigen Tierhalter vergeben.

Die Tierfutterhilfe Solingen ist nicht die einzige Einrichtung ihrer Art. Ähnliche Organisationen gibt es auch in Großstädten wie Berlin und Hamburg. Auch viele Tierschutzvereine setzen sich für die adäquate Versorgung von Haustieren in Deutschland ein.

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Davon profitieren nicht nur die Tiere, sondern auch ihre Halter. Bei den Tafeln kann man sich mit Menschen austauschen, die ähnliche Sorgen haben. “Ich bin jeden Monat hier”, sagt Bianca Schössow-Niet dem “Solinger Tagblatt”. Zu Hause habe sie zehn Katzen zu versorgen.

Man gebe bei der Tierfutterhilfe in Solingen zwar nur Futter für drei Tiere aus, erklärt Mitorganisatorin Dagmar Cristello, allerdings helfe auch das den Kunden schon weiter.

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(ll)