POLITIK
07/02/2018 18:15 CET | Aktualisiert 07/02/2018 21:24 CET

Wie ein Hamburger Vater mit seinem Sohn gegen die Obdachlosigkeit ankämpft

Seit drei Monaten sind Vater und Sohn wohnungslos.

dorioconnell via Getty Images
Vater und Kind (Symbolbild).
  • Seit drei Monaten haben Sascha S. und sein zweijähriger Sohn keine Wohnung
  • Die Behörden sollen ihm außer einem Bett in einer öffentlichen Wohnunterkunft nichts vorgeschlagen haben

Mit dem zweijährigen Sohn auf der Straße sitzen. Was für viele Eltern klingt wie ein Horroszenario, ist für einen alleinerziehenden Vater aus dem Hamburger Stadtteil Wandsbek Realität. 

Der 37-jährige Sascha S. ist Vater eines zweijährigen Sohnes und seit November vergangenen Jahres wohnungslos, wie die “Hamburger Morgenpost” berichtet.

Er habe aufgehört, die erfolglosen Wohnungsbesichtigungen zu zählen, berichtet Sascha S. der Zeitung. Bisher sei er immer bei Freunden untergekommen. Lange gehe das aber nicht mehr gut, klagt der Vater gegenüber der “Morgenpost”.

Doch wirklich wütend macht ihn wohl die Reaktion der städtischen Behörden. 

Er musste seinen Beruf als Kellner aufgeben

In der prekären Situation sei S. vor allem, weil er sich alleine um Sohn Joel-Julien kümmern müsse. Die Beziehung zur Mutter sei kurz nach dessen Geburt gescheitert, berichtet die “Morgenpost”. 

Der alleinerziehende Vater habe seinen Beruf als Kellner aufgeben müssen, damit er nachts bei seinem Sohn sein konnte. Zuletzt habe S. dann sein WG-Zimmer verloren, weil ein Mitbewohner sich an den Geräuschen seines Sohnes gestört habe.

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Von den Behörden habe der alleinerziehende Vater bisher nicht viel Hilfe erhalten. Lediglich ein Bett in einer öffentlichen Wohnunterkunft sei ihm angeboten worden. 

Für S. ist das allerdings keine Option, eine Unterkunft sei nicht der richtige Ort für einen Zweijährigen, sagt der Vater der “Morgenpost”.

“Ich habe es mir nicht so schwer vorgestellt” 

Die Behörde verteidigt ihr Vorgehen.

“Wir unterstützen Herrn S. im Rahmen unserer Möglichkeiten“, zitiert die “Morgenpost” aus der Antwort der Sprecherin des zuständigen Bezirksamts.

Der Alleinerziehende sei mit einem Dringlichkeitsschein ausgestattet worden. 

Heißt: S. hat mit seinem Sohn die Chance, schneller an öffentlich geförderte Wohnungen zu kommen, wenn er sich bei einer Wohnungsgesellschaft bewerbe. 

Das habe S. laut eigenen Aussagen schon mehrere Male getan. Allerdings ohne Erfolg.

Sozialwohnungen sind in vielen Städten Deutschlands knapp. Seit 1990 ist der Bestand an Sozialwohnungen insgesamt um 60 Prozent gesunken. Auch in Hamburg gibt es zu wenig Sozialwohnungen.

“Ich habe es mir nicht so schwer vorgestellt”, klagt der Alleinerziehende gegenüber der “Morgenpost”. “Ich habe gedacht, dass die Behörden einen Vater mit Kleinkind sicher nicht im Stich lassen.“

Sollte S. und sein Sohn keinen Platz zum Schlafen mehr finden – also obdachlos werden – würde das Bezirksamt sofort einschreiten, wie eine Sprecherin laut der “Morgenpost” sagt.

Bis dahin bleibt die Zukunft der beiden wohl ungewiss.

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