POLITIK
09/02/2018 10:55 CET

Habeck plädiert leidenschaftlich für die Frauenquote – beim Applaus verdreht er die Augen

"Das kann mal lästig sein für die Herren der Schöpfung."

Screenshot / ZDF
Grünen-Chef Robert Habeck bei "Markus Lanz".
  • Im Bundestag sitzen derzeit mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen
  • Für Grünen-Chef Robert Habeck Beweis genug, dass eine Frauenquote her muss – auch wenn er bei “Lanz” über die Reaktionen auf den Vorschlag überrascht wirkt

Frau, Mann, Frau, Mann ... 

Seit jeher haben die Grünen eine gemischte Doppelspitze, auch die Listenplätze bei Wahlen vergibt die Öko-Partei paritätisch. 

Im ZDF-Talk von Markus Lanz hinterfragt “Welt”-Journalistin Claudia Kade dieses System: 

► Ob es nicht ein Glaubwürdigkeitsproblem sei, wenn die Grünen immer einen Vertreter des Realo- und des linken Flügels sowie eine Frau an ihre Spitze wählen, will Kade von Grünen-Chef Robert Habeck wissen.

“Also nicht die Besten?”

“Haben wir noch eine Demokratie?”

Comedian Ingo Appelt, selbst SPD-Mitglied, grätscht dazwischen – oder besser: Er springt Habeck zur Seite. “Die (Grünen) haben immerhin Doppelspitzen – das hat sonst keiner!”  

Appelt nervt es sichtlich, dass es immer “diese Parteien gibt, die meinen, sie müssten alleine regieren”. Auch die SPD würde denken, sie könne alles besser als die anderen. “Die CDU noch viel stärker, die CSU sowieso”, wirft Appelt hinterher.

Er fragt sich: “Haben wir noch eine Demokratie? Ist das ein Teamwork?”

► Dann ist endlich Habeck an der Reihe.  

Es wäre schön, wenn tatsächlich viele Politiker gemeinsam arbeiten würden. “Doch die Wahrheit ist leider eine andere – und eine ernsthafte”, erklärt Habeck.

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“Doppelspitze kann mal lästig sein für die Herren der Schöpfung”

Er betont: “Richtig ist, dass in der Doppelspitze immer eine Frau mit dabei ist – das kann mal lästig sein für die Herren der Schöpfung.”

Doch klar sei auch: Das Geschlechterverhältnis im Bundestag bilde “einfach nicht” die Gesellschaft ab. 

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Allein dort würde eine Frauenquote schon helfen, bemerkt Habeck. “Es ist in Wahrheit dummes Gelaber, dass man sagt: ‘Wir sind eine gleichberechtigte Gesellschaft.’ (...) ‘Die Frauen müssen doch nur wollen.’” 

Habeck poltert: “So ist es faktisch nicht!” 

Die Strukturen in der Gesellschaft würden es den Frauen nicht einfacher machen – “da hilft es, solch eine Quote zu haben”, erklärt Habeck in Richtung von Journalistin Kade.

Aus dem Publikum ertönt tobender Applaus – und Habeck wirkt sichtlich verwirrt über die Reaktionen auf sein eigentlich wenig weltbewegendes Statement. Halb amüsiert, halb ungläubig rollt er die Augen. 

Es scheint, als halte Habeck die Ovationen für übertrieben. Schließlich hat er weder einen sofortigen Kohleausstieg noch kostenlose E-Autos für alle versprochen. 

Der Grünen-Chef erwartet wohl schlicht keinen Applaus für eine – aus seiner Sicht – Selbstverständlichkeit.

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(jg)