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Warum Sprachassistenten eine Gefahr für unseren Alltag sind

Nun lassen wir auch in den eigenen vier Wänden die Hosen runter

24/01/2018 15:45 CET | Aktualisiert 24/01/2018 15:45 CET
Bloomberg via Getty Images
Es begann mit praktischen Suchmaschinen, dann folgten die praktischen Smartphones und jetzt schließt sich der Kreis mit den praktischen “smarten Assistenten“.

Egal ob Amazon Echo oder Google Home: Die smarten Lautsprecher sind der Renner.

Sie sind schließlich auch so schrecklich praktisch: Einfach nach wichtigen Dingen wie Wetter oder Börsenkursen fragen – und prompt ertönt die passende Antwort.

An die Schattenseiten der “intelligenten“ Büchsen denkt bei solch tollen Funktionen aber kaum Jemand. Dabei muss jeder, der sich so einen persönlichen Assistenten in die Wohnung stellt, mit massiver Spionage rechnen. Alexa und Co. wissen einfach alles über Sie.

Das Ziel: lückenlose, personenbezogene Totalüberwachung

Schließlich handelt es sich um nichts anderes als moderne Wanzen mit Internet-Anbindung. Amazon Echo und Google Home lauschen permanent mit und warten auf ihren Einsatz.

Erst wenn das Aktivierungswort fällt, schicken sie die Anfrage an spezielle Server in den USA. Falls nicht, wandert die Aufzeichnung in den digitalen Papierkorb – versprechen zumindest die Hersteller.

Aber darf man denen trauen? Wer kontrolliert sie? Fragen Sie sich selbst: Würden Sie Ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass in Zeiten sammelwütiger Geheimdienste Daten in den Händen US-amerikanischer Firmen hundertprozentig sicher sind?

Können Sie auch nicht: Denn Google macht gar keinen Hehl daraus, dass genau das regelmäßig passiert.

Eine tickende Zeitbombe: Spionagegeräte im Wohnzimmer und am Handgelenk

Nun könnte man argumentieren, man habe nichts zu verbergen und nur Kriminelle haben etwas zu verheimlichen.

Wer auf diese Weise Datenschutz-Bedenken abwiegelt, müsste aber auch damit leben können, dass einen Geheimdienste wie die NSA den ganzen Tag belauschen – abhängig vom Standort des Assistenten, also nicht nur in Wohnzimmer und Küche, sondern auch im Schlafzimmer und auf dem Klo.

Technisch ist das kein Problem. Im Falle von Alexa können das sogar Familienmitglieder: Mit der neuen “Drop In“-Funktion ist es mühelos und ganz offiziell möglich, sich direkt mit einem Echo zu verbinden und alles innerhalb der Reichweite des Geräts abzuhören.

Mehr zum Thema: Datenschutz und Datensicherheit in Europa müssen endlich Realität werden

Armbanduhren als Spionagewerkzeug

Das bedeutet womöglich nicht nur einen Eingriff in die Privatsphäre anderer Familienmitglieder, sondern eine sprichwörtliche Zeitbombe: Gelingt es den ersten Hackern, sich in die Systeme zu hacken, könnten diese nicht nur persönliche Daten abgreifen, sondern auch im Privatleben der Besitzer herumschnüffeln.

Gerade erst stufte die Bundesnetzagentur, Deutschlands oberste Regulierungsbehörde für Telekommunikation, Armbanduhren mit Abhörfunktion “als rechtswidrige Spionagegeräte“ ein.

Seither ist der Erwerb als auch der Besitz derartiger Uhren mit solch geheimen Telefonfunktionen in Deutschland strafbar. Man darf gespannt sein, ob die Bundesnetzagentur auch bei Alexa zur Tat schreitet.

Die Totalüberwachung durch Amazon & Co.

Abgesehen davon gibt es natürlich gute Gründe, warum Amazon und Google die Produkte ihrer Assistenten zu so niedrigen Preisen heraushauen und damit massenhaft Käufer ködern.

Nach nunmehr zwei Dekaden versuchen die Internetgiganten, unser Privatleben auszuschnüffeln. Dazu wurden wir immer mehr auf Schmerzfreiheit dressiert, was den Umgang mit unseren Daten betrifft.

Es begann mit praktischen Suchmaschinen, dann folgten die praktischen Smartphones und jetzt schließt sich der Kreis mit den praktischen “smarten Assistenten“.

Die Unternehmen wollen alles wissen: Was wir kaufen, wo wir sind und was uns interessiert. Dank der smarten Sprachassistenten ist die Totalüberwachung jetzt komplett.

Zwischen Vorlieben und Daten

Nun lassen wir auch in den eigenen vier Wänden die Hosen runter. Es ist nicht weiter ein Geheimnis, wann wir zuhause sind, ob wir allein sind oder ob wir Punk-Rock oder Volksmärsche bevorzugen.

Durch das Mitschneiden unserer Sprachmuster wissen Amazon und Google aber auch, wie unsere Stimmung ist und wie wir uns fühlen. 

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In den Vereinigten Staaten gibt es inzwischen von jedem Bürger ein Datendossier samt Psychoprofil. Smarte Lautsprecher tragen einen guten Teil dazu bei.

Sind wir alle Terroristen?

Was geschieht mit den Daten? Im Idealfall bekommen wir dadurch “nur“ auf unsere Bedürfnisse zugeschnittene Werbung.

Doch was passiert, wenn es schlecht läuft? Was, wenn sich in den USA die politische Situation verschärft? Schon jetzt sollen etwa Einreisende ihre Facebook-Anmeldedaten herausrücken, um ihre Internet-Aktivitäten überprüfen zu können.

Warum also nicht gleich auf die Persönlichkeitsprofile zugreifen, die Google von jedem Nutzer erstellt? Vielleicht sind Sie in Donald Trumps Augen “bad“, dürfen nicht mehr einreisen oder sind gar ein Terrorist?

Die Stimme verrät noch mehr über uns

Aktuell lauern aber ganz andere Gefahren: Wenn zum Beispiel die Berufsunfähigkeitsversicherung höhere Abschläge fordert, weil Ihr digitales Profil auf eine Depression hinweist.

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Sprachgesteuerte Assistenten könnten schon bald anhand der Stimme aber noch viel mehr erkennen: Etwa ob wir Krebs, Alzheimer oder Parkinson haben – eine Lebensversicherung oder einen Hauskredit bekommen Sie mit einer solchen Diagnose sicher nicht mehr.

Fazit

Auf den ersten Blick machen smarte Assistenten unser Leben einfacher. Genau an dieser Stelle lauert die Gefahr.

Denn die meisten wissen nicht, was alles im Hintergrund vor sich geht und wie die Dinge miteinander verknüpft sind – oder aber es ist ihnen schlichtweg egal.

Doch Sie sollten sich immer fragen: Ist es das Risiko tatsächlich wert, nur um bequemer Musik und Licht steuern zu können?

(jz)