POLITIK
17/01/2018 11:24 CET | Aktualisiert 17/01/2018 12:04 CET

Grünen-Politiker Gehring fordert Bundesprogramm für Brennpunktschulen

“Chancen auf beste Bildung dürfen nicht von der Postleitzahl abhängen.”

Kai Gehring
Gehring will die Ungerechtigkeit in Klassenräumen bekämpfen.
  • Das deutsche Bildungssystem ist nicht fair: Schüler in Brennpunktschulen fehlt häufig eine Perspektive
  • Grünen-Politiker Gehring fordert eine bundesweites Programm für Schulen in schwierigen Gegenden

Deutschland ist ein ungerechtes Land. 

Viel ist in der Vergangenheit über diese These diskutiert worden. Zumindest an deutschen Schulen lässt sie sich kaum verneinen. 

Denn noch immer hängt die Qualität der Bildung, die Kindern in Deutschland zuteil wird, massiv davon ab, in welchem Stadtviertel sie zur Schule gehen. Vor allem in den Großstädten entsteht ein immer größerer Graben zwischen den Schulen in wohlhabenden Vierteln und in sozialen Brennpunkten.

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Der Grünen-Bildungspolitiker Kai Gehring fordert im Gespräch mit der HuffPost jetzt Konsequenzen: “Wir brauchen ein Bundesprogramm für Schulen in benachteiligten Stadtquartieren und Regionen. Sie sollen damit gezielt mehr pädagogisches Personal und mehr Mittel erhalten, um die Lernbedingungen zu verbessern.”

Berlin hat einen ersten Schritt gemacht

Bis jetzt gibt es ähnliche Förderprogramme nur auf Landesebene. Etwa in Berlin.

Hier wurde das Projekt “School Turnaround“ ins Leben gerufen: eine Zusammenarbeit der Robert-Bosch-Stiftung mit dem Berliner Senat. Das Projekt ist so etwas wie die letzte Chance für die maroden Bildungseinrichtungen der Hauptstadt.

► Brennpunktschulen werden nun von erfahrenen Schulexperten unterstützt. Sie arbeiteten wie eine Art Unternehmensberater, die Teamstrukturen verändern, neue Schulleiter einsetzen und den Schulen empfehlen, wofür Fördergelder am besten eingesetzt werden.

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► Lehrer an Brennpunktschulen steigen auf Initiative des Senats jetzt vermehrt auf einer der höchsten Gehaltsstufen ein. Damit sollen die Schulen für erfahrene Lehrer attraktiver werden.

► Zudem sollen die Lehrer einen Bonus erhalten. Wenn mehr als 70 Prozent der Eltern auf Sozialleistungen angewiesen sind, erhalten die Lehrkräfte der Schüler eine Zulage von 300 Euro. Bei über 80 Prozent armer Kinder, wären es sogar 400 Euro.

“Chancen dürfen nicht von Wohnhort abhängen”

Der Grünen-Abgeordnete Gehring will ähnliche Hilfen vonseiten des Bundes allen Ländern zur Verfügung stellen. “Gerade Schülerinnen und Schüler, die unter schwierigen Bedingungen aufwachsen, würden von einem stärkeren Ausbau der Ganztagsschulen und mehr individueller Förderung profitieren”, sagt er.

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Dem deutschen Schulsystem gelinge es zu selten, ungleiche Startchancen von Kindern und Jugendlichen auszugleichen. “Chancen auf beste Bildung dürfen nicht von Wohnort und Postleitzahl abhängig sein”, findet Gehtring. Gerade Brennpunktschulen müssten deshalb gezielt unterstützt werden.

Die Pläne, die Union und SPD in ihrem Sondierungspapier festgehalten haben, hält er für unzureichend. “Das ist nicht der große Wurf.”

GroKo-Pläne reichen nicht

Die Unterhändler der Großen Koalition hatten sich darauf geeinigt, das Kopperationsverbot weiter aufzuweichen, dem Bund also zu erlauben, stärkeren Einfluss auf die Bildungspolitik der Länder zu nehmen.

Der Bund soll Ländern in Zukunft Finanzhilfen für “bundesweit bedeutsame Bildungsinvestitionen” geben dürfen. Dazu schreiben die Verhandler: “Wir werden eine Investitionsoffensive für Schulen in Deutschland auf den Weg bringen.”

Inwieweit eine solche Offensive auch die Chancengleichheit erhöhen wird, ist derweil offen. Und so droht die Postleitzahl zunächst die wichtigste Kopfnote deutscher Schüler zu bleiben.

(ll)