ELTERN
29/01/2018 14:57 CET

Studie zeigt: Bakterien in der Vagina können Frühgeburten auslösen

Das Team untersuchte die Abstriche von 250 schwangeren Frauen.

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Das Risiko für eine Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche steigt stark an, wenn das Bakterienvorkommen in der Scheide der werdenden Mutter leichte Veränderungen aufweist.
  • Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Frühgeburten durch bestimmte Bakterien ausgelöst werden können
  • Die momentan noch einheitliche Behandlungsmethode bei vorzeitigem Blasensprung müsste demnach angepasst werden

Ob eine Frau ein erhöhtes Risiko trägt, eine Frühgeburt zu erleiden, könnte man einer Studie zufolge feststellen, in dem man ihren Fortpflanzungstrakt auf bestimmte Keime untersucht.

Wissenschaftler des Imperial College in London haben herausgefunden, dass das Risiko für eine Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche stark ansteigt, wenn das Bakterienvorkommen in der Scheide der werdenden Mutter leichte Veränderungen aufweist.

Außerdem stellten sie fest, dass bei Frauen, deren Fruchtblase zu früh platzte, auch häufiger Bakterien zu finden waren, die nicht zu den normalen, gesunden Scheidenbakterien gehören.

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Durch diese Bakterien steigt außerdem sowohl bei den Müttern als auch bei den Babys das Risiko, Komplikationen zu erleiden. So könnte es beispielsweise bei den Neugeborenen als eine potenziell tödliche Schockreaktion auf eine Infektion schneller zu einer Blutvergiftung kommen.

Der leitende Wissenschaftler der Studie, Dr. David MacIntyre, sagte:

“Dies ist eine der ersten Studien, die beweist, dass bei knapp der Hälfte aller schwangeren Frauen wahrscheinlich die Mikrobenflora in der Scheide unausgeglichen war, bevor sie einen vorzeitigen Blasensprung erlitten. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass Frühgeburten in manchen Fällen von Bakterien ausgelöst werden könnten.”

Abstriche von 250 Schwangeren 

“Im Wesentlichen haben wir durch unsere Untersuchungen herausgefunden, dass es bei Frauen, die einen vorzeitigen Blasensprung erlitten, zwei verschiedene Gruppen gab.

Bei der einen Gruppe könnte der gezielte Einsatz von Antibiotika zu positiven Behandlungsergebnissen führen, während sich dieselbe Behandlung auf die andere Gruppe jedoch negativ auswirken könnte.”

Die Wissenschaftler hatten Abstriche von 250 schwangeren Frauen genommen. Bei manchen dieser Frauen war das Risiko für eine Frühgeburt erhöht, bei anderen hingegen war es normal.

27 Frauen aus dieser Gruppe brachten ihr Kind zu früh zur Welt.

Anschließend nahmen die Wissenschaftler Abstriche von einer kleineren Gruppe von 87 Frauen, die sich aufgrund eines vorzeitigen Blasensprungs im Krankenhaus befanden.

In früheren Untersuchungen hatte man bereits herausgefunden, dass das Vorkommen von unterschiedlichen Bakterienarten während der Schwangerschaft eher abnimmt und dass die Scheide stattdessen hauptsächlich von Laktobazillen bevölkert wird.

Die Studie, die in der Fachzeitschrift “BMC Medicine” veröffentlicht wurde, zeigte, dass bei den Frauen, die eine Frühgeburt erlitten hatten, häufig die Anzahl an Laktobazillen verringert war und dass dafür die Anzahl an anderen Bakterienarten erhöht war.

Gefährliche Keime ersetzen “gute Bakterien”

Während bei den meisten Frauen, die eine Frühgeburt erlitten hatten, normale Antibiotika-Behandlungen zur Bekämpfung von Infektionen ausreichten, zeigte diese Behandlung bei anderen Frauen wiederum negative Effekte.

Nach Auffassung der Wissenschaftler könnte der Grund dafür sein, dass durch die Gabe von Antibiotika auch die “guten Bakterien” abgetötet werden und von gefährlichen Keimen ersetzt werden.

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Der Co-Autor der Studie, Dr. Richard Brown vom Imperial College in London, sagte: “Die Ergebnisse unserer Studie lassen darauf schließen, dass es besser wäre, vor der Gabe von Antibiotika näher zu bestimmen, bei welchen Frauen das Medikament vermutlich die gewünschte Wirkung zeigen wird, statt wie bisher einfach alle Frauen mit dieser einen Methode zu behandeln.”

Die Professorin Siobhan Quenby vom Royal College of Obstetricians and Gynaecologist sagte: “Der Zusammenhang zwischen dem Bakterienvorkommen in der Scheide und Frühgeburten muss in weiteren Studien noch genauer erforscht werden.

Wenn ein Zusammenhang eindeutig nachgewiesen werden kann, müsste auch die empfohlene Behandlungsmethode bei einem vorzeitigen Blasensprung angepasst werden, die momentan bei allen Frauen einheitlich ist.”

“Wir haben jetzt die großartige Gelegenheit, für die Zukunft ein Verfahren zu entwickeln, bei dem die Frauen zuerst untersucht werden, um anschließend mit einer genau auf sie persönlich abgestimmten Antibiotika-Art behandelt zu werden.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost UK und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

(kap)