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08/01/2018 18:08 CET | Aktualisiert 18/01/2018 10:07 CET

Forscher: Das steckt hinter den heftigen Stürmen in Deutschland

Den Klimawandel gibt es wirklich – auch bei uns.

Sturmboten
  • Tief “Burglind” verwüstete zu Beginn des Jahres weite Teile Deutschlands
  • Jetzt hält nur wenige Tage danach Orkantief “Friederike” das Land in Atem
  • Forscher haben eine simple Erklärung dafür: Sie nennt sich Klimawandel

Der Anfang des Jahres war windig. Sehr windig. In weiten Teilen Deutschlands sorgte das Tief “Burglind” für stürmisches Wetter und Hochwasser. Jetzt sorgt Orkantief “Friederike” für Unfälle im Minutentakt. Meteorologen warnen in einigen Regionen, das Haus zu verlassen.

Zugleich war es ziemlich mild für Januar. Und das wird in Zukunft wohl häufiger so sein.

“Solche Wetterlagen werden immer weiter zunehmen”, sagt Mojib Latif, Meteorologe und Klimaforscher aus Hamburg.

Seit einigen Jahrzehnten gebe es diese Westwind-Wetterlagen immer häufiger, sagt er. Und das führe auch zu mehr Niederschlag.

“Das ist ein typisches Zeichen dafür, dass sich die Erderwärmung auch auf das Wetter in Deutschland auswirkt”, betont Latif.

Hochwasser kommen immer früher im Jahr

“Da unsere Winter wärmer werden, bedeutet das auch, dass mehr Regen fällt als Schnee”, sagt auch Hans Schipper, Leiter des Süddeutschen Klimabüros am KIT der HuffPost.

Das führt dazu, dass die Pegel deutscher Flüsse steigen – was früher erst im Frühjahr mit der Schneeschmelze begann, spüren wir jetzt schon im Januar. Derzeit an Rhein, Mosel und Neckar.

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“Inzwischen gibt es im Winter mehr Niederschlag und im Sommer weniger. Wir müssen immer mehr mit lokalen Überschwemmungen rechnen. Das ist genau das, was wir vor dem Hintergrund des Klimawandels erwarten”, sagt Schipper.

Der jetzige Winter steht exemplarisch für den Klimawandel

“Uns steht ein typischer Winter ins Haus, der exemplarisch für den Klimawandel ist”, sagt Klimaforscher Latif.

Es komme Luft vom Atlantik zu uns, die sehr viel Wasser mit sich bringe. Das sei schon jahrzehntelang zu beobachten. “Aber weil das eben schleichend zunimmt, kann man das als Mensch kaum wahrnehmen”, merkt Latif an.

Ein sicheres Indiz aber ist die Temperatur – denn die lässt sich jeden Tag messen. Und die Statistiken zeigen: Die Durchschnittstemperatur in Deutschland steigt kontinuierlich.

Als Normal- und damit Vergleichsperiode nutzen Forscher die Durchschnittstemperatur von 1961 bis 1990. Die liegt für Deutschland bei 8,2 Grad Celsius. Im Vergleich dazu: Im Jahr 2000 lag die Jahresdurchschnittstemperatur bei 9,88 Grad Celsius, 2015 bei 9,94.

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Für Klimaforscher Schipper sind die höheren Temperaturen auch der Ursprung für Extremwetterlagen: “Durch höhere Temperaturen nehmen Extreme in der Regel zu”, sagt er.

Dazu zählen auch starke Windphasen und mehr Regen – genauso wie die Sommer zunehmend trockener werden und sich mit heftigen Gewittern und Tornados abwechseln.

Unterm Strich heißt das aber nicht, dass es jedes Jahr wärmer werden muss.

Wetter ist chaotisch – Ausnahmen bestätigen die Regel

Wenn Klimaforscher das Wetter beurteilen wollen, betrachten sie nicht ein paar wenige Jahre, sondern Jahrzehnte. Aus ein paar Jahren auf den Klimawandel zu schließen, sei zu kurzsichtig, sagt Latif.

“Das Wetter selbst ist chaotisch. Ich vergleiche das gerne mit gezinkten Würfeln. Wenn ich die 6 gezinkt habe, würfele ich dennoch weiterhin auch mal eine 1 – nur ist eben die Wahrscheinlichkeit dafür geringer.”

Wenn Meteorologen und Klimaforscher sich aber die Zahlen der vergangenen Jahrzehnte anschauten, “ist vollkommen offensichtlich, dass das Wetter extremer geworden ist”, sagt Latif.

Und zumindest für die vergangenen Jahre trifft das auch auf die steigenden Temperaturen bei uns zu.

 

Wie Copernicus, das Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union, und das Umweltbundesamt berichten, war 2017 das dritte Jahr in Folge ein extrem warmes Jahr. In den meisten Regionen der Welt lagen die Durchschnittstemperaturen deutlich über denen von 1981 bis 2010.

Und das gilt auch für Deutschland. Am extremsten erlebte das der Ort Longyearbyen auf der norwegischen Insel Spitzbergen. Hier lag die Temperatur mehrfach mehr als 6 Grad über dem monatlichen Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Welt 2018 nicht so viele Sturm-, Hochwasser- und Dürrekatastrophen erleben wird, wie im vergangenen Jahr.

(ll)