POLITIK
05/01/2018 12:12 CET | Aktualisiert 05/01/2018 12:14 CET

Steigende Gewalt durch Flüchtlinge? Diese eine Sache solltet ihr wissen

Die Opfer sind meist Flüchtlinge.

Carsten Koall via Getty Images
Pakistanische Flüchtlinge in einer Unterkunft in Bautzen.
  • Sorgen mehr Flüchtlinge für mehr Gewalt? 
  • Tatsächlich zeigen Studien: Mit dem Zuzug von Flüchtlingen ist auch die Gewaltkriminalität angestiegen – aber das ist nicht die ganze Geschichte 

Deutschland diskutiert wieder über kriminelle Flüchtlinge. Nach dem Mord eines angeblich 15-jährigen Afghanen in Kandel beherrscht eine Frage die Debatte: Sorgen mehr Flüchtlinge für mehr Gewalt?

Eine neue Studie scheint die Vermutung zu bestätigen, die vor allem von Flüchtlingsgegnern und Rechtspopulisten geäußert wird: Denn in Niedersachsen kam es seit 2014 durch den Zuzug von Flüchtlingen zu einem Anstieg von Gewalttaten.

Eine Zahl offenbart aber auch, wie absurd die Aufregung um diesen Befund ist.

Flüchtlinge: Täter und Opfer von Gewalt

► Zwar kam es in Niedersachsen seit 2014 zu knapp 10 Prozent mehr Gewalttaten. Und dieser Anstieg sei zu 92,1 Prozent Flüchtlingen zuzurechnen, schreiben die Autoren der Studie, die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums entstand. 

► Aber: Zum Großteil sind die Opfer der Gewalt von kriminellen Flüchtlingen andere Flüchtlinge.

Ein Beispiel: Vorsätzliche Tötungsdelikte, bei denen Flüchtlinge als Tatverdächtige ermittelt wurden, spielen sich demnach zu über 91 Prozent unter Flüchtlingen oder Nichtdeutschen ab.

Auch Zahlen aus Bayern bestätigen diese Beobachtung.

Mehr zum Thema: Mehr Gewalt durch mehr Flüchtlinge – alles zur Studie für Niedersachsen

Tatort Flüchtlingsunterkunft

So gebe es in diesem Bundesland 2016 zwar ebenfalls einen Anstieg der Gewaltdelikte um fast 10 Prozent, berichtet die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (“FAZ”) am Freitag unter Berufung auf Zahlen aus dem bayerischen Innenministerium.

Zu rund 90 Prozent seien Zuwanderer für den Gesamtanstieg der Fallzahlen der Gewaltkriminalität verantwortlich, heißt es weiter bei der “FAZ”.

► Aber: “Der überwiegende Anteil dieser Delikte wird innerhalb von Asylunterkünften begangen.

Die Niedersachsen-Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Vorsätzliche Tötungsdelikte und schwere Körperverletzung – Taten, die besonders für Besorgnis und Aufregung sorgen – ereigneten sich überwiegend in Flüchtlingsunterkünften, zitiert die “FAZ” aus der Studie.

Die beengte Unterbringung und das “Aufeinandertreffen von Menschen aus unterschiedlichen Religionen und Ländern” trage dazu bei, dass Konflikte entstehen, argumentieren die Autoren der Studie.

“Argument gegen verschärfte Kasernierung”

“FAZ”-Journalist Patrick Bahners schrieb mit Verweis auf den Zeitungsbericht auf Twitter: “Die scheinbaren Schreckenszahlen zur Flüchtlingskriminalität liefern nüchtern gesehen ein Argument gegen verschärfte Kasernierung.”

Für die “Kasernierung” von Flüchtlingen hatte sich Österreichs Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache am Donnerstag ausgesprochen. Er brachte eine Ausgangssperre für Asylbewerber ins Spiel.

Die Zahlen aber zeigen: Die Gewalt wird dadurch wohl nicht abnehmen - ganz im Gegenteil. 

Mehr zum Thema: Ein “Zeit”-Journalist erklärt, was viele bei der Diskussion um Flüchtlingsgewalt übersehen

(ben)