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29/01/2018 13:58 CET | Aktualisiert 29/01/2018 13:59 CET

Strava : Wie die Fitness-App geheime Daten des US-Militärs verrät

Die Veröffentlichung ihrer Jogging-Routen könnte US-Soldaten in Gefahr bringen.

Wavebreakmedia via Getty Images
Die Fitness-App Strava hat eine Karte mit sensiblen Daten des US-Militärs veröffentlicht.
  • Die Fitness-App Strava hat eine Karte mit den Routen aller ihrer User online gestellt
  • Darauf sind auch die sensiblen Bewegungsprofile von US-Soldaten in Krisengebieten zu sehen

Fitness-Apps sollen einem zum Sport motivieren und zeichnen die Jogging-Routen auf. Doch auch nach dem Training schaltet nicht jeder das Tracking aus. 

Dieser unbedarfte Umgang mit dem Dienst von Strava gefährdet nun möglicherweise Männer und Frauen in Syrien und Irak, warnt ein australischer Student.

Denn der Anbieter machte sensible Daten öffentlich – auch für Terroristen.

Was ist Strava eigentlich?

Dabei wirkt alles zunächst ganz unverfänglich: Strava ist eine Fitness-Tracking-App. Mit dieser können User über das GPS-Signal ihres Smartphones oder eines Fitness-Armbands ihre Jogging-Routen auf einer Karte speichern und mit anderen Nutzern teilen.

► Die App erstellt also öffentliche Bewegungsprofile.

Auf Basis der Daten hat Strava eine Karte online gestellt, die die Routen aller ihrer Nutzer weltweit zeigt. Diese sogenannte Heat-Map hat das Unternehmen bereits im November 2017 veröffentlicht.

► Strava könnte damit amerikanische Soldaten in Gefahr bringen, wie das Nachrichtenportal “golem.de” berichtet. 

Denn ein australischer Student wies am Samstag darauf hin, dass die Karte auch die Standorte von Militärstützpunkten und die Routinen der dort stationierten Soldaten verrät.

Ein Student deckt die Sicherheitslücke auf

Nathan Ruser heißt der Student, der die Sicherheitslücke im US-MIlitär aufgedeckt hat. Das berichtet die amerikanische Zeitung “Washington Post”.

Das Mitglied des Institute for United Conflict Analysts wies auf Twitter darauf hin, dass Strava möglicherweise mehr preisgebe als den Nutzern lieb ist. 

Ruser veröffentlichte Screenshots mit regelmäßigen Jogging-Routen, Patrouillen und Standorten von vorgeschobenen Operationsbasen in Afghanistan.

Die Standorte von Militär-Stützpunkten sind zwar kein Geheimnis. Die Daten, die Strava erhoben hat, bieten jedoch zusätzliche und sehr sensible Informationen: Sie zeigen, wie häufig sich Menschen wo aufhalten – auch außerhalb der Militärbasen.

► Damit könnte das Kartenmaterial von Strava zur Vorberitung von Anschlägen und Hinterhalten verwendet werden.

Sogar Versorgungsrouten sind auf der Heat-Map zu erkennen, wie die US-Nachrichtenseite “abc-News” mitteilt. 

► Denn die Soldaten schalten ihre Tracker nicht einmal aus, wenn sie mit Fahrzeugen unterwegs sind.

So klar sind die Routen zu erkennen

Das Problem wird deutlich, wenn man die Map sich näher ansieht. Die meisten Teile Europas und der USA, wo Millionen Menschen Fitness-Apps benutzen, leuchten auf Heat-Maps strahlend hell. 

Woher die Daten kommen, ist also nicht so schnell zu erkennen.

► In Kriegsgebieten und Wüsten wie etwa in Syrien oder im Irak sieht es allerdings anders aus. Hier sind die Karten fast völlig dunkel – bis auf sehr vereinzelte Punkte. 

Die einzigen Menschen, die an diesen Orten Fitness-Apps benutzen, seien ausländische Soldaten, betont Ruser.

Das macht es einfach, Bewegungsprofile der Soldaten zu erstellen und auszuwerten.

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Das US-Militär untersucht die Angelegenheit

Wie John Thomas, Oberst der Air Force und Sprecher des US-Zentralkommandos am Sonntag der “Washington Post” berichtete, untersucht das US-Militär die Angelegenheit.

Die Armee äußerte sich bisher aber nicht dazu, ob es Richtlinien zur Benutzung von Fitness-Apps gebe und wie diese aussehen. 

Laut der “Washington Post” ermutigte das Pentagon jedoch militärisches Personal zur Nutzung des Fitness-Trackers Fibit, der mit Strava verbunden ist. Im Jahr 2013 verteilte es sogar 2.500 der Fitness-Armbänder im Rahmen eines Pilot-Projekts gegen Übergewicht.

(cho)