LIFESTYLE
19/01/2018 17:20 CET | Aktualisiert 20/01/2018 12:07 CET

Euch ist immer zu heiß, aber andere frieren – das steckt dahinter

“Wer hat hier das Fenster aufgerissen???”

  • Die einen frieren im Raum, während andere am liebsten die Fenster aufreißen würden
  • Warum ist das so? Wir haben bei einer Ärztin nachgefragt 
  • Eine Antwort auf die Frage liefert auch das Video oben

Ein ganz normaler Tag im Büro. Vor lauter Arbeit bemerkt man nicht, wie stickig es im Raum geworden ist. Und wie heiß. Langsam setzen die Kopfschmerzen ein. Ein bisschen frische Luft wäre schön.

Doch sobald das Fenster offen ist, setzt lautstarker Protest ein.

“Wer hat hier das Fenster aufgerissen???”

“Ich frier hier sowieso schon den ganzen Tag!!!”

Und dann läuft die hitzige Diskussion. Jeden Tag aufs Neue. Und zwar so oder so ähnlich in vielen Büros in Deutschland.

Aber wie kann es sein, dass manche Menschen in ein und demselben Raum fast erfrieren, während andere fast schwitzen müssen?

Die Raumtemperatur wird unterschiedlich wahrgenommen

Der Stoffwechsel von Frauen werde beim Beheizen und Kühlen von Räumen gänzlich außen vor gelassen, sagt Boris Kingma. Der Biophysiker von der Uni Maastricht sagte der “New York Times”: “In vielen Gebäuden richtet sich die Raumtemperatur nach der Körpertemperatur der Männer.”

Seiner Meinung nach dient beim Heizen oder Kühlen von Räumen weltweit ein veraltetes Modell aus den 60er-Jahren als Grundlage. Dieses berücksichtige den Stoffwechsel eines 40 Jahre alten und 70 Kilogramm schweren Mannes. 

In einem Büro sollten zwischen 20 und 26 Grad herrschen

Die deutsche Arbeitsstätten-Regelung besagt, dass die Temperatur in Arbeitsräumen, in denen Menschen vor allem im Sitzen arbeiten, grundsätzlich zwischen 20 und 26 Grad Celsius liegen soll.

Dass Frauen und Männer dieselben Temperaturen unterschiedlich empfinden, haben schon frühere Studien gezeigt. Im Schnitt fühlten sich Frauen bei 25 Grad Celsius am wohlsten, Männer bei 22 Grad Celsius, fanden etwa Kingma und sein Kollege Wouter van Marken Lichtenbelt für eine Studie heraus. 

Schuld daran ist zum Beispiel der Hormonhaushalt: Das Kältegefühl setzt bei Frauen schneller ein, weil ihr Körper die Durchblutung von Extremitäten wie den Armen eher zurückfährt, um den inneren Organen mehr Wärme zuführen zu können. Dieser Mechanismus soll im Falle einer Schwangerschaft das ungeborene Kind schützen.

Blutdruck kann entscheidend sein

Wir können also festhalten, dass Frauen eher dazu neigen, zu frieren. Aber das ist noch nicht alles, sagt die Allgemeinmedizinerin Gudrun Eisermann der HuffPost. 

Unabhängig vom Geschlecht spielt der Blutdruck eine wichtige Rolle. Menschen, die von Haus aus einen niedrigen Blutdruck haben, frieren in der Regel schneller, weil das Blut langsamer durch den Körper fließt. Bei Menschen, die einen hohen Blutdruck haben, ist das Gegenteil der Fall. Ihnen wird schneller warm und sie kommen dadurch auch schneller ins Schwitzen. 

Ein niedriger Blutdruck kann aber ebenso auch eine Nebenwirkung von Medikamenten sein, so die Allgemeinmedizinerin. Beispielsweise bei Medikamenten, die den Cholesterinspiegel senken sollen. 

Stress macht warm

Warum in einem Raum die einen frieren und die anderen schwitzen, kann aber auch am Stress-Level liegen, sagt Eisermann. Bei hohem Stress steigt der Puls. Das Blut fließt schneller durch den Körper und somit steigt auch die Körpertemperatur. Dann kann es schon sehr schnell mal zu warm werden.

So unterschiedlich das Wärme- oder Kälteempfinden auch ist: Solange alle Beteiligten untereinander abstimmen, wann das Fenster offen sein darf, ohne das jemand erfriert, ist immerhin der Haussegen im Büro gesichert. 

(jds)