POLITIK
12/01/2018 14:20 CET

Ex-General Klaus Naumann: "Wir leben in einer Welt ohne Sicherheit"

"Die EU kann sich nicht alleine schützen - wir brauchen die USA."

  • Klaus Naumann, ehemaliger deutscher General, erklärt im Gespräch, warum es für Europa keine Sicherheit ohne die USA geben kann
  • Er ist Teilnehmer des Ludwig-Erhard-Gipfels am Tegernsee, von dem die HuffPost berichtet
  • Ihr seht das ganze Interview im Video oben

Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am bayerischen Tegernsee trifft sich am Freitag die deutsche Wirtschaftselite. Unter den Gästen ist auch Klaus Naumann, General a.D. und ehemaliger Vorsitzender des NATO-Militärausschusses.

Er sagt: “Ohne Sicherheit ist alles nichts – und wir leben in einer Welt ohne Sicherheit.”

Bedeutet das, dass bald der 3. Weltkrieg ausbricht? “Nein. Es wird keinen Weltkrieg geben. Auch nicht mit der nuklearen Aufrüstung von Kim Jong-uns.” Auch der nordkoreanische Machthaber wisse schließlich, dass er innerhalb einer halben Stunde tot wäre, würde er eine Rakete abschießen.

Mehr zum Thema: Der Weckruf wird lauter: Wir brauchen eine starke europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik

Sicherheit in der EU? Nur mit Unterstützung der USA

Dennoch ist Naumann der Ansicht, dass sich die EU und Deutschland nicht alleine schützen können. “Weder konventionell und schon gar nicht im nuklearen Bereich. Und das wird mit dem Austritt der Briten aus der EU auch noch schlimmer werden.”

Denn: Großbritannien ist eine der beiden Atommächte in Europa.

Aber weshalb sollte das ein Problem sein? Russland rüstet immer weiter auf. Um zu verhindern, dass Putin von dieser Macht Gebrauch macht, gibt es für den Ex-General nur einen Weg: “Wir brauchen auch hier unverändert die Amerikaner als Rückgrat.”

Für Naumann gibt es Sicherheit in Europa also nicht ohne die USA. Aber wie soll das in Zeiten von Donald Trump funktionieren?

Deutschland ist nicht sofort einsatzbereit – ein großes Problem

Trump ist nicht die USA”, sagt Naumann. “Er ist der Präsident und der Oberbefehlshaber. Aber wenn wir uns die Dokumente ansehen, die die amerikanische Verwaltung gerade jetzt rausgegeben hat, die neue nationale Sicherheitsstrategie, dann ist das ein unverändertes Bekenntnis der USA zu seinen Bündnissen.”

Deshalb gibt sich Naumann verhalten optimistisch.

Mehr zum Thema: Ist Deutschland ein Jahr nach dem Breitscheidplatz-Terror sicherer? Das sagt Wolfgang Bosbach

Der Bundesregierung und vor allem Angela Merkel, wenn sie als Kanzlerin wiedergewählt wird, empfiehlt er, den Verteidigungsetat Schritt für Schritt zu erhöhen – “nicht um 2 Prozent, was Martin Schulz hinausposaunt.”

Nur so könnten die Mängel, die bei der Bundeswehr bestehen, abgebaut und der deutsche Beitrag für Europa wieder stärker werden. “Im Moment sind wir zu schwach, um einen Beitrag zu leisten”, sagt Naumann.

Deutschland ist das bevölkerungsreichste Land der EU. Naumann findet: “Dass wir heute nicht in der Lage sind, mit 170.000 Soldaten ungefähr eine Division des Heeres sofort einsatzbereit zu machen, das ist ein ziemliches Problem.”

(jg)