NACHRICHTEN
21/01/2018 13:31 CET

Eva-Maria Federhenn steht vor der Wahl zur Chefin von Mainz 05

Es wäre eine Revolution im Fußball.

dpa
Mit Federhenn stellt sich erstmals eine Frau dem Votum der Mitglieder für das höchste Amt des FSV Mainz.
  • Eva-Maria Federhenn könnte die erste Frau an der Spitze eines Bundesligaklubs werden
  • Doch viele Männer wollen im Fußball immer noch unter sich bleiben

Eva-Maria Federhenn steht vor einer historischen Wahl.

Die Mitglieder des 1. FSV Mainz 05 können sie am Sonntag zur neuen Vereinsvorsitzenden wählen. Federhenn wäre die erste Frau an der Spitze eines Klubs, der in der Fußball-Bundesliga spielt. Es wäre nicht weniger als eine Revolution.

Denn Fußball ist immer noch hauptsächlich Männersache.

“Du verstehst aber ganz schön viel von Fußball – für eine Frau”, müssen sich fußballbegeisterte Frauen immer wieder anhören. Frauen und Fußball scheint für die meisten Menschen einfach immer noch nicht zusammenzugehen.

“Im Fußball sind die Männer schon noch sehr unter sich”, sagt Federhenn im Gespräch mit der HuffPost. “Die haben über Jahrzehnte Netzwerke und Verbindungen aufgebaut.” Die gesellschaftlichen Verhältnisse würden sich dort extrem widerspiegeln.

“Frauen machen die Machtspielchen nicht mit”

Federhenn ist dem Verein schon lange verbunden. Bereits als Kind besuchte sie mit ihrem Vater die Spiele des Klubs, sie spielte Handball dort, wurde dann Handballabteilungsleiterin und sitzt seit Juni im Aufsichtsrat des Vereins.

Als der frühere Vereinsvorsitzende Johannes Kaluza zurückgetreten ist, haben ihre Kollegen aus dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, dass sie sich doch zur Wahl aufstellen lassen soll.

Lange nachdenken musste sie nicht: “Ich habe kurz überlegt, mit meinem Mann gesprochen und mir gedacht, dass ich die Verantwortung gerne übernehmen würde.”

Mehr zum Thema: Erste Schiedsrichterin in Liga 1: Warum Bibiana Steinhaus die Bundesliga nicht besser machen wird

Federhenn ist der Meinung, dass eine Frau an der Spitze dem Verein auch mal gut tun würde. Der FSV Mainz 05 hatte im vergangenen Jahr mit vielen Unruhen zu kämpfen. Der Vorsitzende Kaluza wurde erst im Juni gewählt, im Dezember trat er schon zurück.

Denn die Geschäftsführer und Sportvorstand Rouven Schröder hatten ihn quasi dazu aufgefordert. Kommentieren, was genau vorgefallen war, wollte die Vorfälle damals keiner der Verantwortlichen.

“Ich denke, dass es ganz gut ist, wenn den Job mal eine Frau macht”, sagt Federhenn. Frauen seien kooperativer, machten diese “Machtspielchen” der Männer nicht so sehr mit.

“Und Fußball ist schließlich auch ein Teamsport. Ich sehe mich auch als Teamplayer. Ich kann nicht alleine eine Strategie für den ganzen Verein entwickeln – da müssen wir alle zusammenarbeiten.”

“Viele Männer wollen unter sich bleiben”

Viele Fans hätten auf ihre Kandidatur positiv reagiert – auch Männer. Aber natürlich bekommt Federhenn auch jede Menge Gegenwind – Frauen im Fußball sind schließlich immer noch ein Novum.

“Viele Männer im Fußball wollen sicherlich unter sich bleiben, die wollen gar nicht, dass Frauen da auch mitreden”, sagt Federhenn.

Warum das im Fußball so extrem ist, wisse sie auch nicht. Fakt jedoch ist: In anderen Sportarten – auch im Handball – habe sie das nicht so erlebt.

Sollte doch einmal eine Frau im Fußball was zu sagen bekommen, dann ist der Aufschrei von vielen tatsächlich erstmal groß.

Mehr zum Thema: Aufregung über Beitrag der “Sportschau”: Sexismus-Vorwurf gegen die ARD

Das musste Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die erste Frau, die diesen Job in der Bundesliga ausüben darf, erleben. Genauso wie die Sportjournalistin Claudia Neumann, die 2016 als erste Frau ein Spiel bei einer EM der Männer kommentierte. Die Reaktionen waren in beiden Fällen geprägt von Unverständnis. Eine Frau beim Fußball hat für sehr viele abseits der Tribüne nichts zu suchen.

Federhenn hat zwar sowohl vom Aufsichtsrat wie auch von vielen Fans Rückendeckung. Doch die Stimmen, die daran zweifeln, dass sie den Job machen kann, sind laut vernehmbar. 

“Was verstehen Sie als Frau von Fußball?”

So zum Beispiel die “Bild”-Zeitung. Vergangene Woche interviewte ein Redakteur Federhenn. Und fragte: “Aber was verstehen Sie als Frau von Fußball?” Federhenn ging nicht groß auf die Beleidigung ein, beantwortete die Frage mit ihrer Geschichte über die lange Verbundenheit mit dem Verein.

Doch dem “Bild”-Redakteur war die Antwort nicht Begründung genug: “Trotzdem – trauen Sie sich wirklich zu, einen Bundesligisten zu führen?”

“Ich habe einfach nur gelächelt”, sagt Federhenn der HuffPost. “Über solche Fragen muss man drüberstehen. Hätte ich mich aufgeregt, hätte das sicherlich nichts gebracht.”

Aber: “Es hat mich schon gewundert, dass mir in der heutigen Zeit noch solche Fragen gestellt werden.”

“Ich werde nicht mit roten Pumps beim Fußball auftauchen”

Doch die Diskussion darum trieft vor Klischees. Ob sie ähnlich zu Vorgänger Kaluza, der stets mit roten Glückshosen zu den Spielen kam, denn dann auch immer “rote Pumps” tragen werde, wurde sie vom “Bild”-Mann noch gefragt.

“Ich werde da jetzt sicherlich nicht mit roten Pumps beim Fußball auftauchen”, sagt Federhenn mit verdrehten Augen.

Und sie ist sich auch sicher, dass es vor allem ältere Mitglieder geben wird, die glauben, als Frau könne sie sich in dieser Männerwelt nicht durchsetzen. “Und es gibt natürlich auch Frauen, die mir das nicht zutrauen.”

Sie wolle aber gar nicht so sehr auf der Frauenrolle rumreiten. Eigentlich sollte nur die Qualifikation eine Rolle spielen. “Ich möchte den Job machen, weil ich glaube, dass ich darin gut bin.”

Ob Federhenn an diesem Sonntag tatsächlich zur ersten Frau an der Spitze eines Bundesligaklubs aufsteigt, entscheiden die Mainzer Mitglieder. Die drei Mitbewerber sind – wen wundert’s – allesamt Männer. 

Mehr zum Thema: Journalistin packt aus: So sexistisch geht es in der Politik zu - doch es hat sich etwas geändert