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15/02/2018 14:51 CET

Eutin: Seit Jahren stecken Menschen Briefe in Baum – es kann ihr Leben verändern

Um den Baum ranken sich zahlreiche Legenden und Mythen.

Armin von Werner - Eigenes Werk unter CC BY 25
Die Bräutigamseiche von Eutin (Quelle: Armin von Werner - Eigenes Werk  unter CC BY 25)
  • In Eutin in Schleswig-Holstein steht eine Eiche, die eine eigene Postanschrift hat
  • Liebessuchende können Briefe an die Eiche schreiben – so haben sich schon viele Paare gefunden

Im Dodauer Forst bei Eutin, rund 100 Kilometer nordöstlich von Hamburg, stehen viele Eichen. Aber neben all den normalen Bäumen gibt es eine Eiche, die besonders ist

Sie steht auf einer kleinen Lichtung, um sie herum ist bis auf einen kleinen Zugang ein Holzzaun zu ihrem Schutz aufgestellt. 500 Jahre alt soll der Baum Überlieferungen zufolge sein. Und fast genauso alt sind die Mythen und Legenden, die sich um diese Eiche ranken. 

Noch heute kann ein Besuch des Baums das Leben von Menschen auf den Kopf stellen. Denn die Eiche – bekannt als Bräutigamseiche – dient Liebessuchenden als Postkasten.

► Sie hat sogar eine eigene Postanschrift: Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin.

Rund 1000 Briefe pro Jahr

Jeden Tag – außer sonntags – kommt ein Postbote. Zwischen 12 und 15 Uhr befüllt er den “Briefkasten” der Eiche – ein Astloch, das sich in einer Höhe von rund drei Metern im Baum befindet.

Es sind viele Briefe, die der Postbote über eine Leiter in den Baum transportiert. Laut der Deutschen Post rund 1000 im Jahr aus allen möglichen Ländern 

HolgerEllgaard - Eigenes Werk unter CC-BY-SA 40
In diesem Astloch landen jährlich 1000 Briefe (Quelle: HolgerEllgaard - Eigenes Werk unter CC-BY-SA 40

Die Briefe enthalten die Hoffnungen, Wünsche und meist Partnergesuche der Schreibenden. Jeder, der an der Eiche vorbeikommt, kann die Briefe lesen oder mitnehmen. Und wenn er oder sie will, darauf antworten.

► Die einzige Regel: Wenn man einen Brief öffnet, den man nicht beantworten will, sollte man ihn in der Eiche lassen.

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Diese Tradition geht auf eine Geschichte in Romeo-und-Julia-Manier aus dem 19. Jahrhundert zurück. Die Tochter des Dodauer Oberforstmeisters, Minna, war verliebt. Allerdings war ihr Vater gegen die Verbindung mit dem jungen Schokoladenfabrikanten Wilhelm.

Und verbot den beiden Liebenden den Kontakt. Also tauschte das Paar heimlich Liebesbriefe über ein Astloch der Eiche aus. Irgendwann sah der Förster ein, dass die beiden sich wirklich liebten – und sie heirateten am 2. Juni 1891 unter der Eiche. 

Auch ein Postbote fand seine Frau über den Baum

Und diese Ehe ist nicht die einzige, die durch die Eiche möglich geworden ist. Schon mehr als 100 Ehen wurden wurden durch die über den Baum eingeleitete Korrespondenz geschlossen. 

Darunter auch ein Postbote, der in einem Fernsehbericht über die Eiche auftauchte und von einer Frau angeschrieben wurde. Oder ein junger Soldat namens Peter Pump, der in der Eiche einen Brief von einer jungen Frau fand. Nur: Den hatten ihre Freunde geschrieben, denn die Frau war zu schüchtern. nichtsdestotrotz fanden die beiden den Kontakt zueinander.

Sie schrieben sich ein Jahr lang nur Briefe hin und her bis sie sich schließlich trafen. Seit 1961 sind die beiden verheiratet. 

► Seit 2009 ist übrigens auch die Eiche verheiratet. Mit der sogenannten Himmelgeister Kastanie, die in Düsseldorf steht und die zweite Eiche der Welt mit einer eigenen Postanschrift ist. 

(ll)