POLITIK
18/12/2017 10:00 CET | Aktualisiert 18/12/2017 10:13 CET

Erdogan-Vertrauter: Deutschland wollte Revolution in der Türkei anzetteln

Den Grund, den er nennt, ist absurd.

Umit Bektas / Reuters
Im Juli 2013 brachen in Istanbul Proteste aus. 
  • Der AKP-Spitzenpolitiker Kuzu glaubt, dass Deutschland die Gezi-Proteste 2013 angezettelt habe
  • Hinter der angezettelten Revolution stecke Neid

Gerade als es im Verhältnis zwischen Ankara und Berlin wieder etwas ruhiger geworden ist, verschärfen einige Abgeordnete in der regierenden AKP-Partei wieder ihren Ton. 

Im Gespräch mit dem Sender CNN Türk warf der AKP-Abgeordnete Burhan Kuzu Deutschland vor, die Gezi-Proteste in Istanbul im Jahr 2013 organisiert zu haben. 

Deutschland soll Korruptionsvorwürfe erfunden haben

Damals war es zu Protesten gegen ein Bauprojekt im Gezi-Park im Zentrum der Bosporusmetropole gekommen. Es folgten schwere Krawalle und wochenlange Demonstrationen in mehreren türkischen Städten gegen die Regierung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Erdogan, damals Premierminister, sprach von einem Umsturzversuch der Demonstranten. 

Burhan sagte laut “Turkish Minute”: “Gezi war von den Deutschen geplant. Sie sind damit aber gescheitert- dann haben sie Korruptionsermittlungen angezettelt.”

Der Hintergrund: Im Jahr 2013 ermittelte die türkische Justiz kurzzeitig gegen einen Kreis von AKP-Abgeordneten und den damaligen Premier und heutigen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

“Der Flughafen in Frankfurt macht dicht”

Noch abstruser als der Vorwurf den Burhan Deutschland macht, ist allerdings seine Begründung für den angeblichen Umsturzversuch. “Ich denke, die Deutschen haben ein Problem mit unseren großen Infrastruktur-Projekten.” 

Weiter sagte er: “Ich war kürzlich in Frankfurt am Flughafen. Nach und nach macht der dicht. Frankfurt ist durch den dritten Airport in Istanbul geschwächt.”

Laut Burhan werden Deutschland und die Niederlande ihre führende Rolle im europäischen Luftverkehr einbüßen, wenn der neue Flughafen in Istanbul eröffnet. 

Burhan hatte ähnliche Vorwürfe schon im März vorgebracht. Damals sagte er:

“Als der Bau des dritten Istanbuler Flughafens begonnen hat, sich die Deutschen verrückt geworden, weil der Flughafen in Frankfurt kurz davor ist geschlossen zu werden. Das hat Deutschland besorgt - und das ist der wahre Grund, warum türkische Minister nicht mehr öffentlich in Deutschland auftreten dürfen.” 

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(lp)