POLITIK
30/12/2017 18:04 CET | Aktualisiert 30/12/2017 18:13 CET

Wie Donald Trump versucht, dem Einfluss seiner Berater zu entkommen

Der US-Präsident fühlt sich laut einem Medienbericht im Weißen Haus eingeschränkt.

Carlos Barria / Reuters
Lässt sich nicht gerne reinreden: US-Präsident Donald Trump
  • Donald Trump hat Monate seiner bisherigen Amtszeit in seinen Golfclubs verbracht
  • Laut der “Washington Post” versucht der US-Präsident dort, den Einmischungen seiner Berater und Mitarbeiter zu entkommen

Donald Trump hat das Weiße Haus seit Tagen nicht betreten. Stattdessen weilt der vermeintlich mächtigste Mann der Welt in Florida, in einem seiner Golfclubs – und das schon den fünften Tag in Folge

Insgesamt hat Trump nun schon fast drei Monate seiner Zeit als US-Präsident in seinen privaten Clubs verbracht, die meiste Zeit davon im Mar-a-Lago

Die “Washington Post” hat nun von ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern des Weißen Hauses erfahren, warum das so ist: Trump versucht anscheinend, seinen Beratern zu entkommen. 

Trump ist im Weißen Haus unter ständiger Beobachtung

Denn in Washington würden diese den US-Präsident auf Schritt und Tritt begleiten, schreibt die “Washington Post”.

Stabschef John Kelly führe im Weißen Haus ein strenges Regiment: Mitarbeiter würden kontrollieren, welche Sendungen sich Trump im Fernsehen ansehe und mit welchen Leuten er spricht oder telefoniert

Oft höre Kelly Telefonate des US-Präsidenten sogar mit – und bestimme, wer überhaupt bei Trump vorstellig werden dürfe. 

Mehr zum Thema: Medienbericht: Berater befürchten einen entfesselten Trump im Jahr 2018

Es sei diese ständige Kontrolle, die Trump zur Flucht in seine Golfclubs treibe, sagten mehrere Mitarbeiter des Weißen Hauses der “Washington Post”. Dort könne er ungestört machen, was immer er wolle. 

Zum Beispiel: Der “New York Times” ein Interview geben. 

Spontanes Interview im Speisesaal

Und zwar eines, das für enorme Aufregung in den USA gesorgt hat. Eine halbe Stunde redete Trump mit einem Reporter der “New York Times”, frei und ungebunden. 

► In dem Gespräch deutete der US-Präsident einen zukünftigen Handelskrieg mit China an, beschwerte sich lauthals über die Ermittlungen in der Russland-Affäre gegen ihn und behauptete, er könne mit dem ihm unliebsamen Justizministerium machen, was er wolle. 

➨ Mehr zum Thema: “NYT”-Bericht: So führte Merkel Trump vor, nachdem er ihr den Handschlag verweigerte

Wie die “Washington Post” nun berichtet, kam das Interview vollkommen spontan zustande – ohne, dass vorher ein Berater oder Mitarbeiter von Trump davon wusste. 

Ein Mitglied des Trump-Golfclubs habe den “NYT”-Reporter einfach mit in den Speisesaal genommen und dort Trump vor die Nase gesetzt, schreibt die Zeitung. Der Präsident habe sogar noch seine Golfklamotten getragen

Erst mitten im Gespräch habe sich die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, Hope Hicks, per Handy gemeldet, um sich mit Trump über das Interview zu besprechen. 

Doch selbst zum Zeitpunkt der Veröffentlichung durch die “New York Times” seien noch einige Trump-Mitarbeiter nicht darüber informiert gewesen. Einer sagte laut der “Washington Post”: “Welches Interview? Heute?”

Trumps Golfclubs werden zur Oase für Lobbyisten

Der Vorfall zeigt, wie viele Freiheiten sich der US-Präsident bei seinen Trips in seine Privatclubs herausnimmt. Freiheiten, die für die US-Regierung zum Risikofaktor werden

► Denn das Trump sich der Kontrolle seiner Berater entzieht, muss Sorgen bereiten.

Mehrere seiner Mitarbeiter sagten bereits der US-Nachrichtenseite “Axios”, dass sie befürchten würden, Trump könne im nächsten Jahr noch unberechenbarer und impulsiver werden. 

Ähnlich äußerte sich nun ein ehemaliger Mitarbeiter des Weißen Hauses gegenüber der “Washington Post”. Es sei immer wieder vorgekommen, dass Gäste und Club-Mitglieder versucht hätten, Trump in politischen Fragen zu beeinflussen. 

Trumps Golfclubs werden so zur Oase für Lobbyisten. “Im Mar-a-Lago wird jeder, der in Sichtweite kommt, zu einem spielentscheidendem Einfluss”, sagte Trumps Ex-Mitarbeiter der “Washington Post”. 

► “Jeder, der etwas von Trump will, weiß, dass er dort hin muss.”