WIRTSCHAFT
03/02/2018 20:42 CET | Aktualisiert 05/02/2018 15:04 CET

dm-Gründer erklärt, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar wäre

Ein radikaler Vorschlag.

  • dm-Gründer Götz Werner fordert seit Langem die Einführung eines bedinungslosen Grundeinkommens
  • Finanzieren will er das Projekt durch eine Mehrwertsteuer von 50 Prozent

Das Experiment wird beliebter. Nach Finnland testen auch acht Regionen in Frankreich derzeit das bedingungslose Grundeinkommen.

Ein leidenschaftlicher Verfechter dieser Idee ist auch der Gründer der Drogeriekette dm, Götz Werner. Er fordert etwa 1000 Euro monatlich für jeden Menschen – frei von jeder Bedingung.

Doch wie sollte ein solches Grundeinkommen finanziert werden? In einem Interview mit dem Online-Portal “Utopia” macht Werner einen radikalen Vorschlag.

Eine Konsumsteuer für das Grundeinkommen

dpa
Gründer von dm: Götz Werner.

► Werner fordert die Einführung einer Mehrwertsteuer von 50 Prozent.

Das tat er auch schon vor über zehn Jahren in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Im Gegenzug sollen alle anderen Steuerarten für Einkommen, Lohn und Ertrag wegfallen. Laut Werner würde das für den Staat bei den Steuereinnahmen keinen Unterschied bedeuten.

► Werners Begründung im Gespräch mit “Utopia” für diese Forderung: Alle Steuerarten würden schon greifen, wenn die Leistung noch gar nicht erbracht ist. 

Werner nennt einen Pfirsich als Beispiel. Die Frucht würde zu einem Zeitpunkt besteuert werden, zu dem sie noch gar nicht reif sei. 

Bei seinem Vorschlag würde die Steuer erst greifen, wenn ein Produkt auch gekauft wird. “Schon heute sind alle Steuern auf kaum nachvollziehbare Weise in den Preisen verkalkuliert”, sagt Werner. Mit seiner “Konsumsteuer” soll das transparenter werden – und ein Grundeinkommen finanzierbar sein.

Aber würde das genug Geld für den Staat einbringen?

Ob das allerdings reichen würde, um jedem Menschen im Monat 1000 Euro zur Verfügung stellen zu können, ist fraglich. 

Eine Studie der OECD etwa kam zu dem ernüchternden Ergebnis:

► Sollten die Staaten ihr komplettes bisheriges Sozialbudget – außer den Renten – für ein bedingungsloses Grundeinkommen aufwenden, würde die soziale Ungleichheit wohl eher verschärft werden.

Im Durchschnitt läge dieses bedingungslose Grundeinkommen knapp 50 Prozent unter der Armutsgrenze”, schreibt Ökonom Marcel Fratzscher über die Studie für “Zeit Online”. In Deutschland würden die Bezieher des Grundeinkommens weniger als die Hälfte der derzeitigen Grundsicherung bekommen.

Dm-Gründer Werner glaubt trotzdem an die Grundeinkommens-Idee. “Auch das Smartphone war mal eine totale Utopie. Heute ist es Realität”, sagt er im Interview mit “Utopia”.

Und fügt hinzu: “Das Grundeinkommen ist das Utopischste, was man sich vorstellen kann.”