POLITIK
01/02/2018 08:29 CET | Aktualisiert 01/02/2018 14:40 CET

Missbrauch im Showgeschäft: Til Schweiger rastet bei "Lanz" aus

Die Ignoranz der Journalistin brachte den Schauspieler auf 180.

  • Schauspieler Til Schweiger hat bei “Markus Lanz” über Missbrauchsfälle im Filmgeschäft gesprochen
  • Dabei geriet er mit Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen aneinander, die den Fall Wedel kleinredete
  • Eine Szene seht ihr oben im Video

“Was hast Du gedacht, als zum ersten Mal die Vorwürfe gegen Dieter Wedel öffentlich wurden?”

ZDF-Moderator Markus Lanz ging gleich aufs Ganze. Zu Gast war am Mittwochabend kein Geringerer als Til Schweiger. Der Star-Schauspieler kennt sich im deutschen Filmgeschäft aus wie kaum ein zweiter.

Von ihm wollte der Moderator wissen, was dran ist an den Vorwürfen gegen den Regisseur, die ein so erschütterndes Bild des deutschen Showbusiness zeichnen. 

Und Schweiger gab zu: “Mir hat mal eine Kollegin (...) erzählt, dass er (Wedel) sie sehr verprügelt hat.” Lanz hakte ungläubig nach: “Warum verprügelt?” Schweiger zuckte mit den Achseln: “Weiß nicht, warum verprügelt man jemanden?”

Der Fall sei schon “lange, lange, lange her” gewesen. Weit vor den schrecklichen Vorwürfen gegen den 75-Jährigen Regisseur. Doch nichts sei an die Öffentlichkeit gedrungen.

“Er hatte eine wahnsinnige Macht”

“Unisono” habe er von Schauspielern und Film-Mitarbeitern erfahren, was Wedel für ein Typ Mensch sei: “Ein Machtmensch, der das wahnsinnig genießt, Menschen zu erniedrigen.” Aber es sei nie darüber geredet worden, dass Wedel einmal eine Frau vergewaltigt habe.

Mehr zum Thema: Warum schwiegen alle? Medien stellen sich im Wedel-Skandal eine Frage

Lanz stellte eine brisante Frage: “Warum hat diese Frau damals nichts gesagt?” Warum habe sie auch Schweiger nicht um Hilfe gebeten?

“Damals war Wedel der Fernsehgott”, erklärte Schweiger. Es sei eine “wahnsinnige Macht” gewesen, die der TV-Regisseur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehabt habe.

Die Frage nach der Unschuldsvermutung

Die zweite heikle Frage des Abends: Wie gehen wir mit der Unschuldsvermutung um? Noch ist nicht bewiesen. Es ist unklar, ob Wedel tatsächlich eine der Straftaten verübt hat, die ihm vorgeworfen werden.

Schweiger stellte klar: “Ich glaube nicht, dass drei Frauen nach 30 Jahren, die sich untereinander nicht kennen, sich absprechen und sagen: ‘Es wird Zeit den Wedel fertigzumachen’”.

Er ärgerte sich über einen Artikel von Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen aus der “Welt”, die darin angemerkt hatte, die Fälle seien “verjährt”. 

Mehr zum Thema: Neue Vorwürfe gegen Dieter Wedel: Schauspielerinnen schildern grausame Szenen

“Ich habe mich darüber chauffiert, dass sie gesagt hat ’Mensch, wenn ihr 20 Jahre nicht an die Öffentlichkeit kommt, dann lasst jetzt mal gut sein. (...) Ihr seid sowieso keine Opfer, ihr seid Opfer in Anführungsstrichen.’”

Noch wütender habe ihn gemacht, dass der Text von einer Frau kam.

Schweiger wütet gegen Journalistin Friedrichsen

Friedrichsen hatte die Chance sich zu wehren. Denn sie saß neben Schweiger.

Lanz zitierte weiter aus ihrem Artikel: “Die Schauspielerinnen haben jahrzehntelang geschwiegen und sich erst geäußert, als sie größtmögliche Öffentlichkeit erwarten konnten.”

Schweiger meckerte genervt aus dem Off: “Was ein Schwachsinnssatz, ey!”

Die Gerichtsreporterin beharrte im ZDF-Talk darauf, die einzig richtige Möglichkeit wäre gewesen, die Fälle sofort anzuzeigen. “Dann wäre vielen Frauen ein ähnliches Schicksal erspart geblieben”, sagte sie.

Von einem System der Macht, wie Schweiger es zuvor beschrieben hatte, wollte die Reporterin nichts hören. Auch Scham ließ sie nicht als Grund gelten, die Fälle zu verschweigen.

Friedrichsen glänzt mit Ignoranz

Auch Lanz war das zu viel der Empathielosigkeit: “Was ich nicht verstehe, ist, warum Sie als Frau in diesem Moment auf die Frauen zeigen und nicht auf diejenigen, die diese Frauen hätten ermutigen müssen, zum Staatsanwalt zu gehen.”

Schweiger applaudierte.

Er war wütend, wies auf die stets viel höhere Dunkelziffer bei Missbrauchsopfern hin – und giftete gegen Friedrichsen: “Die vergewaltigte Frau ist jetzt also selbst schuld, wenn der nicht verurteilt wird, und andere Frauen auch vergewaltigt werden.”

“Das is jetzt blanke Polemik”, warf Friedrichsen Schweiger irgendwann vor. Er hatte sich gerade beschwert, dass zu viele Vergewaltiger mit milden Strafen davonkämen. Schweiger rief: “Nein, das ist ein Fakt!”

Schweiger bringt ein erschütterndes Beispiel

Der Schauspieler weiß, wie schwierig es für Frauen in der Filmindustrie ist.

Er berichtete von einem Brief der Deutschen Filmakademie. Darin habe die Akademie seine Mitglieder aufgefordert, einen Amnestie-Aufruf für Regisseur Roman Polanski zu unterschreiben.

“Weil er so ein großartiger Regisseur ist, wird einfach fallen gelassen, dass er ein 13-jähriges Mädchen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt hat”, schimpfte Schweiger.

Polanski hat sich mittlerweile bei seinem Opfer entschuldigt. Für Wedel übernehmen das dieser Tage andere.

(mf)