WIRTSCHAFT
18/01/2018 12:53 CET | Aktualisiert 18/01/2018 18:34 CET

Bewerbungsgespräch: Diese Frage soll euch in eine Falle locken

Personaler und Chefs stellen in Interviews oft Fragen, mit denen sie mehr über den Charakter des Bewerbers herausfinden wollen.

FangXiaNuo via Getty Images
“Woher wissen Sie, dass Sie einen guten Job gemacht haben?”
  • Dabei möchten sie zum Beispiel wissen: Wie sind Motivation, Arbeitsweise oder Werte? 
  • Eine davon ist besonders heikel für die Bewerber

Ihr bereitet euch tagelang vor, geht euren Lebenslauf durch, überlegt, was eure Stärken und Schwächen sind und wie ihr dem Unternehmen zu seinem Ziel verhelfen könnt - und doch kommt diese eine Frage im Jobinterview, mit der ihr nicht gerechnet habt. 

Diese Frage, die so raffiniert ist, dass ihr das Gefühl habt, ihr könnt keine richtige Antwort darauf geben. Oder bei der ihr im ersten Moment gar nicht begreift, dass der Fragesteller damit viel mehr über euch herausfinden will, als es auf den ersten Blick scheint.

Hinter diesen Fragen steckt in der Regel keine böse Absicht. Personaler und Chefs stellen gewisse Fragen, weil sie an der Antwort viel über die Motivation des Bewerbers, seine Ziele und Werte - und nicht zuletzt über die Art zu arbeiten erfahren.

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Eine dieser Fragen ist: “Woher wissen Sie, dass Sie einen guten Job gemacht haben?”

Eigentlich scheint die Frage gar nicht so fies. Doch wie ihr sie beantwortet, gibt dem Personaler einen entscheidenden Hinweis auf eure Arbeitsmotivation.

Es gibt kein richtig oder falsch

Bewerber, die eher auf Input fokussiert seien, messen den Erfolg an ihren eigenen Kriterien, schreiben die Experten von “karrierebibel”. Also: Habe ich alles getan, was in meiner Macht steht, um einen guten Job zu machen? Habe ich nach meinen Werten gehandelt? Kann ich mit mir selbst zufrieden sein?

Kandidaten, die sich eher am Außen messen, werden sich laut “karrierebibel” an Vorgesetzten, an Kunden oder Kollegen messen - und nicht zuletzt an dem, wie der Erfolg für das Unternehmen ausgefallen ist.

Die Sache ist die: Es gibt auf diese Frage keine richtige oder falsche Antwort. Es kommt ganz auf die Position an, auf die ihr euch bewerbt, auf das Unternehmen und nicht zuletzt auf das Team, in dem ihr arbeiten sollt. Denn da muss eure Motivation natürlich zum Führungsstil eures Vorgesetzten passen.

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Auf derartige Fragen kann man sich schwer vorbereiten. Und: Eine vorbereitete Antwort kommt auch oft nicht gut an. Denn der Personaler will, um wirklich das Innenleben des Bewerbers erkennen zu können, eine spontane Antwort.

Außerdem ist es wichtig, diese Fragen ehrlich zu beantworten. Lügen könnten geschulte Personaler sofort durch geschickte Nachfragen entlarven, sagt Personalberater Markus Böhler von der Personalberatung Hartlieb.

”Lügen können wir schnell enttarnen”

“Normalerweise ist kein Kandidat ein so guter Schauspieler, dass er eine gefakte Story, auch auf Nachfragen, in Rede, Mimik, Blick und sonstigem durchhält”, sagt Böhler. “Im Zweifel lassen sich Beispiele auch noch über Referenzen nachprüfen.”

Deshalb lässt sich Böhler auch herausragende Beispiele von Kandidaten erzählen, Erfolgsgeschichten aus dem Job.

“Die Ereignisse prüfe ich im Hinterkopf gegen Kernkompetenzen, Erfolgsfaktoren und sog. Verhaltensanker, die kritisch für die zu besetzende Stelle sind, fachlich wie persönlich”; sagt er.

“An der Wahl der Beispiele erkenne ich, in welcher Liga ein Kandidat spielt. Was für den einen schon ein außergewöhnliches Ereignis ist, ist für den anderen daily business.”

Auch wenn diese Frage erst einmal ganz harmlos daherkommt (wer spricht nicht gerne über seine Erfolge?), steckt hinter ihr viel mehr. Es kommt gar nicht gut an, wenn ihr euch bei solchen Geschichten mit fremden Federn schmückt.

Jede Stärke hat auch Nachteile

Natürlich ist die Frage nach dem guten Job nicht die einzige Frage, mit der Personaler und Chefs mehr über euch herausfinden wollen, als es den Anschein macht.

Auch die Frage nach Stärken und Schwächen könne heikel werden, sagt Personalberaterin Ursula Vranken von IPA Consulting. Denn: Jede Medaille hat zwei Seiten. Gebe ein Bewerber als Stärke an, “extrem teamfähig” zu sein, dann könnte schnell der Verdacht entstehen, er plaudere während der Arbeitübermäßig viel mit seinen Kollegen.

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“Nennt ein Kandidat Ungeduld als Schwäche, entsteht auf der einen Seite der Eindruck, er wolle seine Schwäche mit einer vermeintlichen Stärke verstecken”, warnt Vranken. Denn Ungeduld suggeriere auch: “Ich bin wahnsinnig schnell, schneller Erfolg ist mir sehr wichtig.”

Aber: Gibt jemand Ungeduld als Schwäche an, kann auch der Eindruck entstehen, dass der Bewerber schnell aufgibt, wenn sich nicht auf der Stelle ein Erfolg einstellt.

Es gibt keine Patentantwort

Auch eine weitere Frage stellen Personaler gerne am Ende eines Interviews: “Wenn der Prozess jetzt weiter geht, was denken Sie sind die Gründe dafür? Wenn er zu Ende ist, wieso ist es dann so?”

Damit will der Fragesteller herausfinden, wie reflektiert ein Kandidat ist. Wie kann er sich selbst einschätzen? Und: Wie groß ist seine Fähigkeit zur Selbstkritik?

Für all diese “Fangfragen” gilt: Es gibt keine Patentantwort.

Beantwortet sie ehrlich, spontan und nicht zu lang, da sind sich Personalberater einig. Nur so kann euch der Fragesteller wirklich kennenlernen. Und das ist ja schließlich Sinn und Zweck eines Jobinterviews.