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Die rechte Übernahme von Cottbus muss verhindert werden – das ist meine Botschaft an die Politik

Bloße Gegenproteste werden auch künftig nicht ausreichen.

10/02/2018 14:42 CET | Aktualisiert 10/02/2018 14:44 CET
dpa / HuffPost
Links: Fremdenfeindliche Demonstration in Cottbus am – Rechts: Lothar Judith

Die Situation in Cottbus ist aufgeheizt.

Seit Anfang des Jahres kam es in der brandenburgischen Großstadt zu mehreren Attacken auf Flüchtlinge. Umgekehrt haben aber auch Flüchtlinge Einheimische angegriffen.

Letzteres war der Auslöser für zwei große fremdenfeindliche Demonstrationen an den vergangenen Wochenenden. Die Proteste waren so groß und teils so aggressiv, wie ich es in Cottbus bisher noch nicht erlebt habe.

Am vergangenen Samstag demonstrierten 2000 bis 3000 Flüchtlingsgegner.

► Darunter: AfD-Politiker und -Anhänger, Mitglieder der örtlichen Identitären Bewegung, Neonazis, NPD-Anhänger sowie rechtsextreme Fußballfans und Hooligans von Energie Cottbus.

Das Hauptziel der konzertierten Aktion: Das System ändern und Dresdner Verhältnisse einführen.

Kampf um die Deutungshoheit

Aber das ist kein neues Phänomen.

Seit Jahren versucht die örtliche Rechte die Deutungshoheit in der Stadt zu erlangen. Sie versuchen dabei Flüchtlinge, Migranten, internationale Studenten und all jene, die nicht in ihre Weltbild passen, auszugrenzen – teils mit Gewalt. 

► Die Fakten: In Cottbus leben derzeit etwas mehr als 100.000 Menschen. Darunter sind laut Stadt etwa 3200 Flüchtlingewovon wiederum 2250 aus Syrien kommen.  

Carsten Koall via Getty Images
Fremdenfeindliche Demonstration am 3. Februar, organisiert vom Bürgerverein Zukunft Heimat.

Zeichen setzen seit 1999

Wir vom Aktionsbündnis Cottbuser Aufbruch stemmen uns diesem Trend entgegen. Bereits seit 1999 versuchen wir mit nachhaltigen und dauerhaften Aktionen unsere Stadt und unsere Mitmenschen positiv zu beeinflussen:

► Wir versuchen das tolerante Miteinander verschiedener Kulturen und Lebensentwürfe durch regelmäßige Treffen, Workshops oder Veranstaltungen zu fördern.

► Wir haben zudem bereits 2011 den Cottbuser Toleranzpreis ins Leben gerufen, um herausragende Projekte und Initiativen auszuzeichnen, die das alltägliche Zusammenleben der Bürger verbessern.

► Und wir setzen uns dafür ein, dass ausländerfeindliche Straftaten nicht durch Justiz oder Polizei verschleppt werden – und das nichts vertuscht wird.

Am vergangenen Wochenende war es jedoch das wichtigste Zeichen, zusammen mit Flüchtlingen auf die Straßen von Cottbus zu gehen.

Am Ende warben 1500 Menschen für eine Willkommenskultur und verurteilten die pauschale Hetze gegen alles Fremde.

Hannibal Hanschke / Reuters
"Liebe statt Hass": Gegendemonstration am 3. Feburar 2018

Dringend gesucht: Alternative für die Kohleindustrie

Doch bloße Gegenproteste werden auch künftig nicht ausreichen.

► Was wir in Cottbus brauchen ist eine Zukunftsperspektive – für alle und insbesondere für die Frustrierten. Die Politik hat diese Gruppe viel zu lange vernachlässigt.

Denn klar ist: Die Bevölkerung in Cottbus und der Umgebung wird weiter abnehmen. Vor allem gute, qualifizierte Arbeitskräfte ziehen in den Westen.

Und es ist abzusehen, dass die Braunkohleindustrie und ihre Zulieferer bald nicht mehr existieren werden.

► Deshalb muss die Politik bereits jetzt nach einer vernünftigen Nachfolgelösung für die über 15.000 Arbeitsplätze in der regionalen Kohleindustrie suchen.

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Carsten Koall via Getty Images
"Cottbus für alle": Gegendemonstration am 3. Feburar 2018

“Cottbus ist lebens- und liebenswert”

Um vor allem die jungen Leute in der Region zu halten, muss man ihnen realistische Chancen und Möglichkeiten aufzeigen.

An der Stadt selbst liegt es nicht:

► Cottbus ist eine lebenswerte und liebenswerte Stadt: Es gibt eine überregional bekannte Technische Universität, ein international renommiertes Filmfestival oder ein hervorragendes Staatstheater – alles ist binnen weniger Minuten zu Fuß zu erreichen.

Das ist besser als im nahen Berlin. Wir sollten uns deshalb die Stadt nicht kaputt machen lassen!

Der Text wurde von Marco Fieber aufgezeichnet.

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