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Die drei Länder und sieben Inseln der agilen Welt

08/02/2018 14:10 CET | Aktualisiert 08/02/2018 14:10 CET

Ist Ihnen auch schon einmal aufgefallen, dass agil nicht gleich agil ist? Agilität ist in mindestens drei verschiedenen Ländern entstanden, die offene Grenzen zueinander haben, auch wenn sie sehr unterschiedliche Mentalitäten haben. Um diese Länder gruppieren sich sieben Inseln, auf denen Menschen mit ganz unterschiedlich farbigen Brillen leben. Sie verteilen sich, um Arbeit zu haben, in den verschiedenen Länder und sind oft irritiert von dem, was sie vorfinden. Denn oft entspricht es ihren Werten nicht.

Im Land des Lean Managements streben Einwohner nach Prozessverbesserung und “ Zero waste”. Sie arbeiten gewöhnlich in der Produktion. Selbstverantwortung, kontinuierliche Verbesserung und maximal mögliche Selbstorganisation von Arbeitsgruppen gehören hier dazu . Direkt daneben das Land Augenhöhe, auf dem Humanisten und Sinnsuchende von einem besseren Arbeitsleben träumen. Selbstorganisation wird hier mit der Vorstellung verbunden, dass weniger Macht und Hierarchie auch für die Menschen gut sei und sehr viel weiter interpretiert. Das dritte Land heißt Scrum-Land. Hier wird Softwareentwicklung betrieben und nach Innovationen gesucht. Im Norden und Süden herrschen aber unterschiedliche Einstellungen vor. Die Einwohner des Nordens arbeiten hybrid und kombinieren verschiedene Methoden, die das Südens sind auf Scrum eingeschworen. Dazwischen gibt es viele Facetten.

Oft herrscht auch innerhalb der Länder Streit. Die Regierungsbildung ist schwierig. Das liegt am Einfluss der verschiedenen Inselbewohner. Die purpurnen Agilsten legen Wert auf familiäre Gemütlichkeit und schöne Gemeinschaftsräume. Sie suchen Bindung und gleichzeitig Schutz unter dem Dach eines Gründers, der sie großzügig am Unternehmen beteiligt. Die roten Agilisten kommen aus Umfeldern wie Vertrieb und Marketing und haben von den neuen Ländern erstmals gehört. Für sie ist das alles eins und heißt Neu-Land. Neu-Land verspricht Lösungen, die sonst viel aufwändiger sind. Neu-Land verspricht Spaß und Spannung und schnellen Erfolg. Die “Roten” probieren gern alles einmal aus, allerdings ohne je lange dranzubleiben.

Agilisten von der blauen Insel lieben Methoden. Sie konzentrieren sich auf Prozesse und glauben an Gleichheit und Entpersonalisierung. Sie haben Frameworks wie Scrum und Methoden wie die Kaizen und die kontinuierliche Verbesserung KVP lieb gewonnen. Auf der menschlichen Ebene ist Kompetenz für sie wichtig, vor allem auch Methoden-Kompetenz.

Agilisten der orangen Insel dagegen lieben Ziele und Effektivität. Sie tun alles dafür, Effizienzdenken in Effektivitätsbewusstsein zu überführen. Sie wollen messen und vergleichen, um Ziele zu erreichen. Auch Kommunikation muss für die effektiv sein, deshalb ist die Timebox die ideale Erfindung für sie.

Von der grünen Insel kommen Agilisten, die vielfach Yoga praktizieren und Achtsamkeit deklinieren können. Für sie ist Agilität vor allem auch eine Chance, das Team in den Vordergrund zu stellen. Sie feiern den Menschen und seine Fähigkeit zur Innovation, ähnlich wie die Entscheidung in der Gruppe.

Auf der geben Insel herrscht das Bewusstsein für Ambiguität. Die “Gelben” schauen etwas verzweifelt auf die anderen Inseln, die sie einfach nicht in ihr interdisziplinäres Königreich bekommen. Sie wünschen sich Autonomie und Bindung, Ich- und Wir-Orientierung zugleich -. aber werden selten verstanden. Das gilt erst recht für die Türkisen. Für sie ist “agil” längst kein Thema mehr. Sie wollen die Welt besser machen, ihnen geht es um Mindset, Haltung und das große Ganze.

Wenn Sie so auf die verschiedenen Länder und Inseln sehen, was spüren Sie? Zeigt sich dort nicht ein Abbild unserer Welt? Und ist Agil am Ende nicht viel mehr oder weniger als ein Ersatz für einen Wert - einen Wert, der auf jeder der Insel anders benannt werden würde? Und brauchte man, um alle diese Länder und Inseln in einem gemeinsamen Anliegen zu verbinden nicht vor allem und in erster Linie eines: Haltung.

Dieser Text fasst Inhalte aus dem Buch “Das Agile Mindset” (SpringerGabler, 2018) zusammen.