POLITIK
12/02/2018 22:13 CET | Aktualisiert 13/02/2018 17:16 CET

Harvard-Dozent glaubt: Deutschland wird bald seinen eigenen Trump erleben

Eine sehr gewagte und zugleich beängstigende These.

  • In den USA hat ein Mann die Politik komplett auseinander genommen: Donald Trump
  • Der Harvard-Dozent Yascha Mounk glaubt: Auch in Deutschland steht ein trumpsches Politikbeben kurz bevor
  • Im Video oben: So verlief das erste Treffen zwischen Trump und Merkel im vergangenen Jahr

Der Harvard-Dozent Yascha Mounk glaubt: Auch in Deutschland steht ein trumpsches Politikbeben kurz bevor.

Es ist eine mehr als gewagte These, die der Politikwissenschaftler Yascha Mounk für die US-Nachrichtenseite “Slate” aufstellt. Mounk glaubt: Das Chaos, das Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten in den Vereinigten Staaten ausgelöst hat, wird bald auch über die Bundesrepublik hereinbrechen

► Deutschland, schreibt der hier geborene Mounk, drohe ein Trump-Moment. Die politischen Institutionen im Land seien dabei, zu zerbrechen.

Und das Schlimmste sei: Niemand tue etwas dagegen

“Eine unansehnliche Zurschaustellung von kollektivem Egoismus” 

Es sei eine Apathie, wie sie auch in den USA zum Alltag geworden sei.

“Jeder von uns hat schon lange erkannt, dass nichts an unserem Präsidenten normal ist”, schreibt der Politikwissenschaftler. Doch alle würden weiter so tun, als sei Trump eben das: normal. 

Mounk schreibt: “Wir sehen die Katastrophe am Horizont aufziehen und gehen dennoch fröhlich unsere alten Wege.”

► Und genau so sei es auch in Deutschland

Die politische Elite in der Bundesrepublik kopiere die schlechtesten Eigenschaften der politischen Klasse in den USA. Angesichts des sich ausbreitenden Populismus im Land würde es ihr nicht gelingen, sich für eine Erneuerung des Systems aufzuraffen. 

“Stattdessen hat die müde politische Elite die vergangenen Monate damit verbracht, sich über Kleinigkeiten zu streiten”, klagt Mounk. “Es war eine unansehnliche Zurschaustellung von kollektivem Egoismus.” 

Deutschland habe deshalb noch immer keine neue Regierung – und das mache die Menschen noch wütender, als sie es schon bei der Bundestagswahl gewesen seien. 

Und das, schreibt Mounk, werde gravierende Folgen haben. 

Jonathan Ernst / Reuters
Wird jemand wie Trump die deutsche Kanzlerin ablösen? 

 “Vorstellungslos, stümperhaft, feige”

Denn eigentlich hätte das starke Ergebnis der AfD ein Moment des Wachrüttelns für die politische Klasse in Deutschland sein müssen, schreibt der Harvard-Dozent. 

► “Doch stattdessen hat sie sich als vorstellungslos, stümperhaft und feige erwiesen.”

Sowohl die Konservativen um die CDU als auch die Sozialdemokratie sieht Mounk in Deutschland fatal geschwächt. Die SPD habe sich durch Intrigen ins Chaos gestürzt, für eine konservative Regierung mit liberalen statt rechten Tendenzen gebe es in Deutschland keine Mehrheit mehr. 

Die AfD habe so in der Bundesrepublik in den nächsten vier Jahren ein leichtes Spiel.

Es ist eine fatalistische Vision: Ein mit dem Nationalsozialismus kokettierender Björn Höcke könnte nach Mounks Vorstellungen zum Trump der Deutschen werden. 

Mehr zum Thema: Wie rechts ist Deutschland wirklich?

Und was ist mit Merkel? 

Es wäre die Aufgabe von Bundeskanzlerin Angela Merkel, solch eine Entwicklung zu verhindern. Doch von der CDU-Politikerin, die international gerne auch als die “ewige Kanzlerin” oder “Kaiserin Europas” hochgelobt wird, hält Mounk nicht viel. 

Zwar habe Merkel es geschafft, zu verhindern, dass ihr die Schuld am politischen Niedergang des Landes gegeben wurde. “Doch auch angesichts so schwacher Rivalen wie Schulz, Gabriel oder Lindner gelingt ihr nicht viel”, schreibt Mounk. 

Merkel habe keine Vision für das Land, klagt der Politologe. “Wenn Deutschland jegliche Orientierung verloren hat, dann liegt das vor allem an Merkel.” 

Mehr zum Thema: “Dornröschen Europas”: So hart rechnet der “Economist” mit Kanzlerin Angela Merkel ab

Und Mounk fügt hinzu: “Ihr fehlen der Mut und die Kreativität, für ihre Werte in einer immer gefährlicher werdenden Welt einzustehen.”

Einen politischen Nihilismus nennt der Wissenschaftler das. Einen, der in den USA Trump hervorgebracht habe. Und der in Deutschland kurz davor sei, einen ähnlichen politischen Teufel zu gebären. 

Unter den abgewandten Augen aller, die dies verhindern könnten. 

(ll)