WIRTSCHAFT
17/12/2017 22:20 CET | Aktualisiert 18/12/2017 07:18 CET

Deutsche leisten Milliarden Überstunden - und kriegen oft nichts dafür

Die Arbeit, die die Angestellten zusätzlich leisten, entspricht der von einer Million Vollzeitstellen

kieferpix via Getty Images
Deutsche Arbeitnehmer leisten 1,7 Milliarden Überstunden - die meisten davon unbezahlt
  • Deutsche Arbeitnehmer haben im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Überstunden geleistet
  • Für mehr als die Hälfte haben sie kein Geld bekommen

Im Jahr 2016 haben Arbeitnehmer in Deutschland eine große Menge Überstunden geleistet. Das berichtet die “Bild”-Zeitung vom Montag unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung an die Linskfraktion.

► Insgesamt arbeiteten die Arbeitnehmer demnach 1,7 Milliarden Stunden mehr, als vertraglich vorgesehen.

► Das entspreche einer Million zusätzlicher Vollzeitstellen. 

Für 947 Millionen Stunden wurden die Angestellten nicht bezahlt. 

Männer leisteten 69 Prozent der Überstunden, Frauen 31 Prozent. 

“Arbeiten bis zum Umfallen”

Die Sprecherin für Arbeit der Linksfraktion, Jutta Krellmann, sagte der Zeitung: ”Überstunden schaden uns allen.” Und: “Die einen arbeiten bis zum Umfallen, die anderen haben keine oder zu wenig Arbeit.“

So einfach ist die Rechnung allerdings wohl nicht. Natürlich gibt es Firmen, die mit der Gutmütigkeit oder der Angst ihrer Mitarbeiter kalkulieren. Viele Firmen tun sich aber schlicht schwer, offene Stellen zu besetzen, es fehlt an qualifizierten Bewerbern. 

Die neuen Zahlen passen zu jenen, die das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung für 2015 erhoben hat. Damals waren es 1,8 Milliarden Überstunden gewesen, auch da hatten die Arbeitnehmer für mehr als die Hälfte kein Geld gesehen.

Überstunden können auf Dauer krank machen

Studien zeigen, wie ungesund die Überbelastung ist. Wer mehr als 40 Stunden in der Woche arbeitet, trinkt und raucht laut einer Aufstellung von “Focus Online” mehr, Frauen müssen mit einem größeren Risiko für Depressionen rechnen. Wer 50 Stunden in der Woche arbeite, verliere an Produktivität.

Auch das Risiko für Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, steigt laut Wissenschaftlern extrem mit der Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden.

 (amr)

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