ELTERN
02/01/2018 13:57 CET | Aktualisiert 03/01/2018 14:29 CET

“In deutschen Kitas geht es völlig chaotisch zu” - zum Glück, findet eine Mutter aus den USA

“Die Kinder rannten umher, schrien, spielten, was sie wollten und mit wem sie wollten.”

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Lärm, Streit, Chaos - das war die erste Begegnung einer US-Amerikanerin mit deutschen Kitas
  • Die Kritik an deutschen Kitas ist teils heftig 
  • Der Fall einer Amerikanerin in Berlin zeigt, dass deutsche Eltern eigentlich wenig Grund zur Beschwerde haben

Sara Zaske kann sich noch gut an den Tag erinnern, als sie mit ihrer Tochter das erste Mal eine Berliner Kita betrat. 

“Es herrschte völliges Chaos in dem Kindergarten”, schreibt die US-Amerikanerin in einem Artikel in der Zeitung “The Wall Street Journal”.

“Die Kinder rannten umher, schrien, spielten was sie wollten und mit wem sie wollten”, erinnert sie sich. “Es wurde weder gelesen noch gerechnet.“ Die Kinder machten einfach das, wozu sie Lust hatten. 

Dass dieses Durcheinander ihrer Tochter jedoch helfen würde, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 

Sara Zaske lebte insgesamt sieben Jahre in Berlin. Anfangs habe sie große Zweifel an der deutschen Erziehungsmethode gehabt, gibt sie zu. 

Spielen steht an erster Stelle

Die Betreuerinnen kümmerten sich in erster Linie darum, dass die Kinder spielen konnten, erklärt sie. Das fand sie seltsam. Denn in den USA lesen und rechnen bereits Kindergartenkinder. Der Tag ist dort viel mehr durchgeplant.

Ihr fiel außerdem auf, dass die Erzieher keine Strafen verteilten oder Warnungen mit nach Hause schickten.

“Sie schrieben nicht die Namen der ‘unartigen’ Kinder auf die Tafel oder schickten sie in die Ecke”, erinnert sich Sara. In den USA gehöre das allerdings zum Alltag, meint sie.

Was Sara Zaske allerdings am meisten beeindruckte: Deutsche Erzieher lassen die Kinder ihre Streitereien meist selbst lösen.

Statt ihnen Muster vorzuschreiben, nach denen sie sich verhalten sollen, halten sich die Erzieher erst einmal zurück. Somit geben sie den Kindern die Möglichkeit, den Konflikt selbst zu lösen.

In USA mischen sich Erzieher viel schneller ein

In einem amerikanischen Kindergarten wäre das ganz anders, erklärt Zaske. Die Betreuer gehen hier sofort dazwischen und versuchen den Konflikt mit Strafen oder Ermahnungen zu lösen.

In Deutschland schritten die Erzieher nur ein, wenn es dringend notwendig sei, schreibt Zaske. Und das machten sie auf eine ganz andere Art und Weise, wie es in ihrem Heimatland üblich wäre.

“Die Betreuer nehmen sich die Kinder zur Seite, sprechen in Ruhe mit ihnen, sagen, was sie mit ihrem Verhalten auslösen oder erklären der ganzen Gruppe, was Fairness bedeutet“, berichtet Zaske.

 ➨ Mehr zum Thema: Mein Kind will nicht in den Kindergarten, stattdessen: Kindergartenfrei

Kinder sollen so lernen, Probleme selbst zu lösen und dabei fair zu bleiben. Sie sollen lernen, Empathie zu entwickeln.

Sara Zaske ist mittlerweile überzeugt: Ihre Tochter ist der beste Beweis, dass der deutsche Erziehungsstil Kinder darin unterstützt, konfliktfähig zu werden.

Sie habe sich oft mit ihren zwei besten Freundinnen gestritten, schreibt Zaske. Da sich die Erzieher aber bei diesen Konflikten stark raushielten, habe ihre Tochter gelernt, Konflikte eigenständig zu lösen.

Das war eine wichtige Lektion, meint Zaske. Deren Auswirkungen man dann auch in der Grundschule gesehen hätte. Dort wurde ihre Tochter schnell zu einer Friedensstifterin. 

(kap)

 

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