POLITIK
12/02/2018 08:55 CET | Aktualisiert 12/02/2018 09:01 CET

Der Verlierer: Warum Sigmar Gabriel in der SPD kaum eine Zukunft hat

Grund ist nicht sein Wut-Interview. Sondern das, was davor passierte.

Axel Schmidt / Reuters
Sigmar Gabriel
  • Die Kritik an Sigmar Gabriel aus der SPD reißt nicht ab
  • Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit 

Sigmar Gabriel, der Emotionale, der Unberechenbare, der Polterer aus Goslar, hat sich in der öffentlichen Achtung hochgearbeitet.

Er hat, so wirkte es, uneitel den SPD-Vorsitz an Martin Schulz abgegeben. Hat sich als Außenminister mit klarer Kante Respekt verschafft.

Und ausgerechnet er wird voraussichtlich leer ausgehen im neuen Kabinett.

Das Zitat von Gabriels Tochter

Noch-SPD-Chef Martin Schulz hat ihm sein Ministerium streitig gemacht. Und obwohl Schulz inzwischen die Flucht angetreten hat, ist überaus fraglich, ob Gabriel zurückkommt.

Klar, Gabriel hatte am Donnerstag, einen Tag vor Schulz’ Rückzieher, noch öffentlich geschimpft, wie respektlos die SPD mit ihm umgehe. Und seine kleine Tochter zitiert, die sich freue, dass Papa jetzt mehr bei ihr sein werde als bei “dem Mann mit den Haaren im Gesicht”.

Nun ist die Erwähnung eines Bartes zwar keine Beleidigung, aber keiner zweifelte, dass Gabriel genau das beabsichtigt hatte. Geschmacklos fanden es viele, dass Gabriel sein Kind mit ins Spiel gebracht hatte.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil  sagte dem “RedaktionsNetzwerk Deutschland” (“RND”): “Wer zu unfairen Mitteln greift, nimmt sich damit selbst vom Platz.”

Gabriel bedauert seine Äußerung

Inzwischen tut Gabriel die Keilerei auch leid. Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet am Montag unter Berufung auf Vertraute des SPD-Politikers, Gabriel bedauere es, seine Tochter überhaupt erwähnt zu haben. Gabriel habe versucht, gegenüber seiner Heimatzeitung eine eher humorvolle Bemerkung zu machen.

Man müsse aber auch seinen Ärger über die SPD-Führung verstehen: Wer der Partei so lange gedient habe, den könne es nicht kalt lassen, wenn er seinen Rausschmiss über die Medien erfahre und kein Wort des Dankes zu hören bekomme.

Gabriel hat ein größeres Problem als ein verpatztes Interview

Denn da liegt das eigentliche Problem: Das Verhältnis zwischen Gabriel und der Öffentlichkeit mag sich im vergangenen Jahr entspannt haben. Das zu seiner Partei offenbar nicht.

Die “Süddeutsche Zeitung” listet am Montag auf, wie Gabriel sich mit den Wichtigen in der Partei verkracht haben:

► Andrea Nahles, bald SPD-Chefin: Sie traue Gabriel “nicht einmal mehr millimeterweit” über den Weg, weil sie vier Jahre als Generalsekretärin zu viele Volten ihres Chefs habe ausbügeln müssen.

► Olaf Scholz, Finanzminister in Spe: Er wurde der Zeitung zufolge Zeuge, wie Gabriel ein geheimes Treffen ohne ihn einberufen hatte und darin Scholz’ Arbeit schamlos torpedierte.

►Thorsten Schäfer-Gümbel: Der Vize-Parteichef soll gekränkt sein, weil ihm Gabriel allzu scharf über den Mund gefahren sei.

► Malu Dreyer, Regierungschefin in Rheinland-Pfalz: Wollte dem Bericht nach im Wahlkampf 2016 ohne Populismus auskommen – doch Gabriel drängte sie, das Thema innere Sicherheit groß zu machen. Dreyer weigerte sich und gewann die Wahl trotzdem. 

Die Personaldebatte wird weitergehen 

Klingbeil sagte nun im Interview: “Jedem in der SPD muss klar sein, dass die Zeit der öffentlichen Personaldebatten jetzt vorbei ist.”

Das dürfte ein Trugschluss sein. Gabriel ist zu dominant, zu bekannt, als dass er sich mit einer bescheidenen Rolle als Bundestagsabgeordneter zufrieden geben würde.

Ein Kommentator der “Neuen Zürcher Zeitung” meint dazu: “Wenn ihm die SPD das Außenamt versagt, katapultiert sie ihren populärsten Kopf in die Bedeutungslosigkeit. Lässt sie ihn dort, wird es parteiintern rumpeln.”

Noch mehr Gerumpel im Hause SPD – und das Gebäude könnte einstürzen.

(ben)