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19/01/2018 08:18 CET

Horror-Haus von Perris: Was die Eltern ihren 13 Kindern angetan haben

Vater und Mutter sind wegen Folter, Misshandlung und Freiheitsberaubung angeklagt.

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Der angeklagte Vater (links) aus Perris vor Gericht.
  • Ein Elternpaar aus Kalifornien hat seine 13 Kinder jahrelang schwerst misshandelt
  • Ihr Elend schockiert sogar erfahrene Ermittler

Ans Bett angekettet, häufige Schläge, kaum zu essen, Dusch-Verbot und keine Spielzeuge: Sichtlich erschüttert beschrieb der kalifornische Staatsanwalt Mike Hestrin am Donnerstag das Martyrium von 13 Kindern und jungen Erwachsenen im Alter zwischen zwei und 29 Jahren, die von ihren Eltern über Jahre hinweg gefangen gehalten wurden.

“In mehr als 20 Jahren als Strafverfolger im kalifornischen Bezirk Riverside ist dies einer der schlimmsten Fälle, den ich gesehen habe”, erklärte Hestrin.

Den Eltern drohen 94 Jahre Haft

Zuvor hatte er eine lange Liste von Anklagepunkten gegen den Vater (56) und die Mutter (49) vor der Presse verlesen: Folter, schwere Misshandlung, Kindesgefährdung und Freiheitsberaubung werden dem Paar aus der Stadt Perris südöstlich von Los Angeles vorgeworfen.

Im Falle einer Verurteilung in allen Punkten drohten den Eltern jeweils 94 Jahre Haft, rechnete Hestrin vor.

Eltern plädieren auf “nicht schuldig”

Wenig später hörte das Paar im Gericht von Riverside schweigend zu, als die schweren Vorwürfe vorgetragen werden. Seit der Festnahme am Wochenende war es ihr erster öffentlicher Auftritt. Sie plädierten auf “nicht schuldig”, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Der nächste Gerichtstermin wurde für Ende Februar festgesetzt.

Die Polizei stünde erst am Anfang der Ermittlungen, sagte Hestrin und bat um Hinweise von Nachbarn und Bekannten des Paares. “Irgendjemand muss doch etwas bemerkt haben. Wir brauchen ihre Hilfe”, bat der Strafverfolger.

Mädchen plante seine Flucht zwei Jahre lang

Doch schon jetzt reichen die Angaben der aus dem Horrorhaus befreiten Kinder gegenüber den Ermittlern und Sozialarbeitern aus, um ein Bild des Grauens zu zeichnen.

Demnach hatte die 17 Jahre alte Tochter, der am Sonntag die Flucht aus dem Haus durch ein Fenster gelungen war, ihr Entkommen etwa zwei Jahre lang geplant. Das Mädchen alarmierte über ein Mobiltelefon die Polizei.

Erst mit Seilen, dann mit Ketten gefesselt

Drei Kinder seien angekettet gewesen, als Beamte das Haus aufsuchten, sagte Hestrin. Die Eltern hätten noch schnell versucht, zwei Opfer zu befreien.

Den Ermittlungen nach wurden die Kinder zur Strafe im Laufe der Jahre zunächst mit Seilen, später mit Ketten gefesselt. Sie seien oft geschlagen worden.

Die Geschwister seien unterernährt, mit Anzeichen von Muskel- und Nervenschäden, berichtete der Strafverfolger. Ein 12 Jahre altes Opfer habe das Gewicht eines siebenjährigen Kindes. Die mit 29 Jahren älteste Tochter wiege nur 37 Kilogramm.

Wie die “Bild”-Zeitung berichtet, bekamen die Kinder den Ermittlungen nach nur einmal am Tag Nahrung. Für sich selbst hätten die Eltern etwa auch Kuchen gekauft und auf den Tisch gestellt. Die Kinder hätten das Gebäck nur ansehen, aber nicht essen dürfen.

Duschen nur wenige Male im Jahr

Die Kinder hätten tagsüber geschlafen und seien nachts wach gewesen.

Nur wenige Male im Jahr sei Duschen erlaubt gewesen. Wenn sie ihre Hände oberhalb des Handgelenks wuschen, hätten die Eltern das schon als Spielen bestraft und sie zur Strafe gefesselt, führte Hestrin aus.

Im Haus seien verpackte Spielzeuge gefunden worden, doch die Kinder hätten damit nicht spielen dürfen.

Kinder schrieben Tagebuch

Der Missbrauch habe schon begonnen, als die Familie noch in Texas lebte. Nach dem Umzug nach Kalifornien im Jahr 2010 sei es noch schlimmer geworden. Dort hatte der Vater vom Staat die Genehmigung erhalten, in seinem Haus eine Privatschule zu betreiben.

Nachbarn in Perris berichteten US-Medien, sie hätten die Kinder nur selten oder gar nicht außerhalb des Hauses gesehen.

Hestrin zufolge durften die Kinder zum Zeitvertreib in Tagebücher schreiben. Diese Aufzeichnungen könnten “starke Beweismittel” sein, um die Vorgänge in dem Haus nachzuvollziehen. Die Geschwister würden derzeit in Krankenhäusern untersucht und behandelt.

(mf)