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Der Boom auf dem spanischen Hotelinvestmentmarkt könnte die Übernahmefantasien unter den Hotelbetreibern entfachen

14/02/2018 13:43 CET | Aktualisiert 14/02/2018 13:43 CET

 

Im vergangenen Jahr wurden auf dem spanischen Hotelinvestmentmarkt neue Rekorde gebrochen. Nach Berichten diverser Datenanbieter belief sich das Transaktionsvolumen auf 3,9 Mrd. Euro, ein Anstieg von 80% im Vergleich zum Vorjahr. Laut dem Tourismusportal wurden 182 Einzeltransaktionen mit 28.813 Zimmern registriert. Der Durchschnittspreis der veräußerten Zimmer habe 119 Euro betragen, was einen Anstieg von 40% in nur zwei Jahren entspräche. Der Großteil der Investments floss in den Urlaubsresorts (+69% ggb. dem Vorjahr). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Immobilienberatungsunternehmens CBRE. Demnach wurden in Spanien im zurückliegenden Jahr 190 Hotels im Wert von 3,75 Mrd. Euro verkauft, 23% mehr als im Jahr zuvor. Daneben wurden weitere 2.200 Zimmer veräußert, die sich noch in der Planung befinden. Der vom florierenden Tourismus entfachte Hotelboom hat sich auch zu einer steigenden Auslastung und in höheren Zimmererlösen der spanischen Hotels niedergeschlagen. Laut dem Datenanbieter STR hat sich die Auslastung auf 74,6% (+0,7% ggb. 2016) erhöht. Zugleich sind die durchschnittlichen Zimmerpreise (ADR) um 8% auf 114,41 Euro und durchschnittlichen Erlöse je verfügbarem Zimmer (RevPAR) um 8,8% auf 85,29 Euro gestiegen. Der spanische Tourismussektor hat ohne Zweifel von den politischen Risiken in anderen Tourismusdestinationen wie z. B. der Türkei oder dem Norden Afrikas profitiert. Allein in den ersten sechs Monaten des abgelaufenen Jahres erhöhte sich die Zahl der Touristen um 11% auf 36 Mio.

HNA will NH-Beteiligung veräußern Durch die steigenden Performance-Kennzahlen sind die spanischen Hotels auch für internationale Investoren attraktiver geworden. Zu jenen zählt auch die chinesische HNA Group. Pressemeldungen zufolge beabsichtigt der durch seine undurchsichtige Konzernstruktur in Verruf geratene Mischkonzern seinen 29%-Anteil an der zweitgrößten spanischen Hotelkette, der NH Gruppe, zu veräußern. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, sollen die Gläubiger von HNA über einen Liquiditätsengpass von mindestens 2,4 Mrd. Dollar informiert worden sein. Es mehren ich die Gerüchte, dass sich das Firmenkonglomerat mit seiner auf Pump finanzierten Einkaufstour rund um die Welt übernommen und sich deshalb bereits von mehreren Immobilien in den USA und Hongkong getrennt hat. Vor diesem Hintergrund sollen die Chinesen - die HNA Gruppe ist unter anderem auch Aktionär der Deutschen Bank - mehrere Banken beauftragt haben, nach Interessenten für die Hotelkette zu suchen. Die NH-Beteiligung von 29,5 % habe zum Zeitpunkt der Pressemeldung einen Wert von rund 632 Mio. Euro entsprochen. HNA kann das Geld gut gebrauchen, denn ähnlich wie viele andere chinesische Unternehmen ist die Gruppe hoch verschuldet. In diesem Kontext ist darauf hinzuweisen, dass auch die spanische Hotelgruppe eine hohe Verschuldung aufweist. Nach einer Analyse der UBS beliefen sich die Schulden der Hotelgruppe per 31.12.2017 auf 608 Mio. Euro (2016: 747 Mio. Euro).

Foto: NH-Hotel in Madrid

Übernahmeofferte nicht attraktiv für NH-Management Trotz der knapp 30%igen Aufschlags hat der Aufsichtsrat der NH Gruppe das Angebot des Konkurrenten Barcelo abgelehnt. Neben anderen Faktoren die nicht genau spezifiziert wurden, war dem Gremium das Angebot nicht gut genug. Dafür spricht auch, dass die Bewertung der NH zum Zeitpunkt der Übernahmespekulation lediglich das 10-fache des EV/EBITDA betragen habe. Im Vergleich dazu habe die Marriott-Starwood-Transaktion beim 13-14-fachen des EV/EBITDA gelegen. Gleichwohl hätte eine Fusion der beiden Hotelgruppen obgleich ihres ähnlichen Business-Mixes wohl deutliche Synergien erzeugt.

NH Hotel Group selbst im M&A-Spotlight

Davon abgesehen stand die NH Group Anfang des Jahres 2018 selbst im Rampenlicht von Übernahmespekulationen. Demnach wollte die mallorquinische Hotelkette Barcelo sich mit 60% an dem Konkurrenten aus Madrid beteiligen und dafür einen Aufschlag von 27 % auf den damaligen NH-Aktienkurs zahlen. NH war an der Börse per 19. Januar 2018 mit 2,1 Mrd. Euro wert. Barceló bewertete NH demnach mit etwa 2,5 Mrd. Euro. Das familiengeführte Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben 230 Hotels mit gut 50.000 Zimmern. Dagegen kommt NH auf etwa 400 Hotels mit annähernd 60.000 Zimmern. Bei einem Zusammenschluss würde die größte spanische Hotelkette mit mehr als 600 Hotels und 109.000 Zimmern in Europa, Südamerika und den USA entstehen und einen Umsatz von knapp vier Milliarden Euro generieren. Bislang führend unter den spanischen Hotelbetreibern ist Melia Hotels International mit 314 Hotels und knapp 81.000 Zimmern.

Foto: Barcelo Alma Barcelona

Bereits vor rund einem Jahr kursierten Gerüchte, wonach sich NH in Fusionsgesprächen mir Rezidor befunden haben soll. Warum insbesondere die NH Hotel Gruppe für Investoren interessant ist hat verschiedene Gründe: Erstens könnte ein anderer Hotelkonzern bei einer Übernahme der NH umfassende Synergien heben. Zweitens ist NH, selbst wenn es der HNA Gruppe nicht gelänge ihren Anteil zu veräußern, ohne Kontrollmehrheit. Drittens ist die drittgrößte Business-Hotelgruppe Europas mit rund 400 Hotels und ca 62.000 Zimmern mit einem großen Footprint in Europa ein attraktiver Übernahmekandidat.