WIRTSCHAFT
17/01/2018 14:22 CET | Aktualisiert 17/01/2018 14:27 CET

Werbe-Coup: L’Oreal wirbt mit einem Kopftuch-Model für Shampoo

Der Kosmetikkonzern setzt auf die Influencerin Amena Khan.

LOreal Paris
Die Shampoo-Werbung von L'Oreal Paris
  • Der Kosmetikkonzern L’Oreal Paris wirbt mit einer Kopftuch-tragenden Muslima
  • Die Kampagne ist ein gesellschaftliches Signal – und ein vielversprechender Werbe-Coup

Amena Khan ist Muslima. Die Beauty-Bloggerin postet nur Fotos von sich, auf denen sie Kopftuch trägt. Jetzt hat der Kosmetikriese L’Oreal Paris sie zu einem seiner Werbegesichter gemacht – für ein Shampoo.

Das ist außergewöhnlich. Und ein Statement.

“Ausdruck meiner Weiblichkeit”

Im Interview mit der Modezeitschrift “Vogue” beschreibt Khan, was die Werbung, die nun in Großbritannien zu sehen ist, für sie bedeutet. So, wie sie es beschreibt, geht es nicht um Schönheit, sondern um die ganz großen Fragen.

“Man muss sich fragen: Warum nimmt man immer an, dass Frauen, die ihr Haar nicht zeigen, sich auch nicht darum kümmern? Die gegenteilige Annahme wäre, dass jeder, der sein Haar zeigt, sich nur deswegen darum kümmert, weil er es anderen präsentiert.”

► So eine Einstellung beraube die Menschen ihrer Unabhängigkeit. 

Sie betrachte ihr Haar als Ausdruck ihrer Weiblichkeit und ihres Selbst. “Wenn ich weiß, dass mein Haar fettig ist, aber Kopftuch trage, fühle ich mich trotzdem den ganze Tag schäbig.” 

Khan sagt, sie erhofft sich durch die Kampagne Diskussionen – und will jungen Muslimen das Vorbild zu sein, nach dem sie selbst sich immer gesehnt habe.

Werbung für Make-up

Adrien Koskas von L’Oréal Paris UK argumentiert ähnlich. Man sei stolz auf diese “disruptive Kampagne” in einem Markt, der bisher immer als klischeehaft wahrgenommen worden sei. 

Khan hatte bereits 2016 Werbung für L’Oreal Paris gemacht, damals für ein Make-up. In ihrem Blog hatte Khan damals geschrieben, dass sie immer davon geträumt hatte, als Muslima Teil einer Mainstream-Kampagne zu sein. “Ich will, dass die Welt sieht, dass eine Frau mit Kopftuch weder darüber definiert wird, noch von den Vorurteilen eingeschränkt wird, die Kultur und Gesellschaft pflegen.” 

Erwartbare Positionen – und trotzdem clever

Es sind Sätze, die man von einer Werbeträgerin und ihrem Arbeitgeber erwartet. Was sie deswegen aber nicht weniger wahr machen muss.

Wer die Diskussionen in sozialen Netzwerken verfolgt, sieht, dass Muslimas versuchen, sich gegen das Mauerblümchen-Image zu positionieren. Etwa mit einem Fotoprojekt, das zeigen sollte, wie schön Frauen mit Kopftuch sind.

► Die Werbung kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Frauen nicht auf ihr Kopftuch zu reduzieren. 

Für L’Oreal ist die Kampagne ein geglückter Werbe-Coup. Die Diskussion darüber hat inzwischen auch außerhalb Großbritanniens Fahrt aufgenommen. Dove hatte einst vorgemacht, wie man Kosmetik-Werbung mit gesellschaftspolitischer Bedeutung aufladen kann.

Natürlich verschafft das den Konzernen Aufmerksamkeit. Aber wenn dadurch tatsächlich notwendige Debatten entstehen, spricht nun wirklicht nichts dagegen. 

(jg)