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05/01/2018 19:09 CET | Aktualisiert 05/01/2018 19:48 CET

China verbietet Müll-Import und das stellt Deutschland vor ein Problem

Was machen wir jetzt?

Tyrone Siu / Reuters
China erstickt im Müll.
  • Jahrzehntelang hatten EU-Länder ihren Müll nach China geschickt
  • Doch das hat die Volksrepublik jetzt per Gesetz gestoppt

Im Juli angekündigt, am Montag wahr gemacht: Ab sofort darf kein Müll aus dem Ausland mehr in die Volksrepublik China importiert werden.

Klingt so, als könnte uns das eigentlich egal sein?

Falsch. Denn die Länder der EU haben bislang jedes Jahr Millionen Tonnen Müll in die Volksrepublik geschickt, dort wurden sie recycelt.

Aus Deutschland kam vor allem Kunststoffmüll. Mehr als die Hälfte davon landete in China. Das sind rund 1,5 Millionen Tonnen im Jahr.

Bislang sind erst einige Müllsorten von dem Importverbot betroffen – darunter eben Kunststoff, aber auch Elektroschrott und Altpapier. Doch bis 2019 will China die Bestimmungen so weit verschärfen, dass gar kein Müll aus dem Ausland mehr ins Land geliefert wird.

Und so steht auch Deutschland jetzt vor einem gewaltigen Problem. Wohin mit dem ganzen Zeug, wenn China es nicht mehr will? Jahrzehntelang konnte sich Deutschland darauf verlassen, dass die Volksrepublik diese Last abnimmt.

Deutschland weiß nicht, wohin mit all dem Müll

Die deutschen Anlagen haben nicht genügend Kapazitäten für den ganzen Müll, den wir produzieren.

“Für die europäische Entsorgungswirtschaft hat das massive Auswirkungen”, sagt Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE).

Nachdem China die Entscheidung im Sommer 2017 angekündigt hatte, hatte sich die Europäische Kommission um Übergangsregelungen für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren bemüht.

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Doch China wollte die Entscheidung viel schneller umsetzen. Verhandlungen mit der EU über einen flexiblen Ausstieg aus dem Recycling-Deal brach die Regierung ab.

330.000 Tonnen Plastik landen aus China im Meer

“Es deutet alles darauf hin, dass es die chinesische Regierung mit ihrer breit angelegten Initiative in Richtung Entsorgungsautarkie ernst meint”, sagt BDE-Präsident Kurth. 

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Für die Volksrepublik selbst ist das ein längst überfälliger Schritt. Der Jangtsekiang ist der am meisten verschmutzte Fluss der Erde. Und über den Fluss landet der ganze Abfall dann im Meer. 330.000 Tonnen Plastik im Jahr zum Beispiel.

Deutschland sucht nach Lösungen

Und was macht Deutschland jetzt?

Wir müssen stärker in Recycling investieren, fordert der BDE. Aktuell müssen laut Verpackungsgesetz in Deutschland nur 36 Prozent des Kunststoffmülls recycelt werden, vieles wird verbrannt. Bis 2022 soll dieser Anteil auf 63 Prozent gesteigert werden. Immerhin.

Doch das wird keine leichte Aufgabe. Denn wir produzieren immer mehr Abfall. Seit Anfang der 1990er-Jahre hat sich in der Bundesrepublik die jährlich anfallende Menge von 1,6 auf rund 3 Millionen Tonnen Plastikmüll fast verdoppelt.

(jds)