POLITIK
07/01/2018 09:22 CET

SPD-Politikerin Chebli fordert KZ-Pflichtbesuch für Asylbewerber

Der Besuch soll Teil eines Integrationskurses sein.

dpa
Sawsan Chebli, Tochter palästinensischer Flüchtlinge, will Antisemitismus bei Migranten konsequenter bekämpfen.
  • Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli will Antisemitismus konsequent bekämpfen
  • Dabei fordert sie auch einen verpflichtenden KZ-Besuch für Asylbewerber

Die SPD-Politikerin Saw­san Cheb­li will, dass Asyl­be­wer­ber ver­pflich­tend ein Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger be­su­chen sol­len.

“Ich fände es sinn­voll, wenn jeder, der in die­sem Land lebt, ver­pflich­tet würde, min­des­tens ein­mal in sei­nem Leben eine KZ-Ge­denk­stät­te be­sucht zu haben”, sagte die Berliner Staatssekretärin der “Bild am Sonntag” (“BamS”).

Das gelte auch “für jene, die neu zu uns ge­kom­men sind”. Chebli spricht sich dafür aus, dass Besuche von KZ-Gedenkstätten Bestandteil von Integrationskursen sein sollten.

Chebli: “Wir können diese Jugendlichen zurückgewinnen”

Cheb­li, selbst Toch­ter pa­läs­ti­nen­si­scher Flücht­lin­ge, setzt sich seit Jah­ren gegen An­ti­se­mi­tis­mus ein.

Nachdem die US-Regierung entschieden hatte, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, kam es in deutschen Städten zu Protesten – mit teils antisemitischen Ausrufen. Demonstranten verbrannten auch israelische Flaggen.

Der An­ti­se­mi­tis­mus bei Mi­gran­ten müsse noch kon­se­quen­ter be­kämpft wer­den, sagte Cheb­li der “BamS”. Sie sei sich aber si­cher, “dass wir die Mehr­heit die­ser Ju­gend­li­chen er­rei­chen und auch zu­rück­ge­win­nen kön­nen”.

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Sorgen mit Blick auf muslimische Einwanderer

Chebli beobachte eine besorgniserregende Entwicklung bei der dritten Generation muslimischer Einwanderer:

“Sie tut sich deut­lich schwe­rer mit der Iden­ti­fi­ka­ti­on mit Deutsch­land als meine. Das hat nicht nur, aber auch etwas mit Dis­kri­mi­nie­rungs- und Ab­leh­nungs­er­fah­run­gen zu tun.“

Sollte sich der emotionale “Rückzug” bei diesen Menschen verstärken, sei das problematisch. Um die Entwicklung aufzubrechen, fordert Chebli: “Wir müs­sen aber damit auf­hö­ren, deut­sche Iden­ti­tät immer in Ab­gren­zung zum an­de­ren zu de­fi­nie­ren. Wir brau­chen eine po­si­ti­ve De­fi­ni­ti­on, die alle ein­schließt.”

Die Er­in­ne­rung an die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­bre­chen als ge­mein­sa­mer Kampf gegen Dis­kri­mi­nie­rung könne Be­stand­teil einer sol­chen po­si­tiv be­setz­ten Iden­ti­tät sein. Dazu diene auch ein verpflichtender KZ-Besuch.

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(lm)