POLITIK
12/01/2018 11:14 CET | Aktualisiert 12/01/2018 12:42 CET

Britischer Handelsminister über Brexit: "Mein neunjähriger Sohn hat geweint"

  • Der britische Handelsminister Greg Hands soll für Großbritannien ein neues Handelsabkommen mit Europa schließen
  • Im Interview erzählt er, warum sich Europa darauf einlassen sollte - und wie emotional sein Sohn auf den Brexit reagierte
  • Ihr seht das Gespräch im Video oben

Es überrascht nicht, dass Politiker in diesen aufgeladenen Zeiten eher über Privates denn politisch Brisantes sprechen wollen. Im Fall des britischen Handelsminister Greg Hands verbindet sich aber Persönliches und Politik.

Denn er ist mit einer Deutschen verheiratet, hat lange in Deutschland gelebt - und muss jetzt Großbritannien aus der europäischen Freihandelszone führen.

Handelsminister arbeitete in Berlin bei McDonald’s

Dabei strebt London ein völlig neues Modell an, jenseits der Freihandelsabkommen mit Norwegen und Kanada.

Großbritannien, so sieht es Hands, ist für Europa ein fast so wichtiger Handelspartner wie die USA. Deshalb sei es im ureigenen Interesse Europas, ein gutes Handelsabkommen mit den Briten zu schließen.

► Wir haben mit Hands am Rande des Ludwig-Erhard-Gipfels in Tegernsee - dessen Medienpartner die HuffPost ist - über den Brexit, die Folgen für Europa und sein ganz persönliches Brexit-Erlebnis gesprochen (das Interview seht ihr auch im Video oben).

Herr Hands, Sie sprechen perfekt deutsch, Ihre Frau ist Deutsche, Ihre Kinder sprechen deutsch. Wie kam es dazu?

Greg Hands: Ich bin schon früh in meinem Leben nach Deutschland gekommen. In den 80er-Jahren habe ich in Westberlin gelebt und unter anderem in Kreuzberg gearbeitet. Ein Job, an den ich mich noch gut erinnern kann, war bei McDonald’s in der Nähe vom Bahnhof Zoo. Das war eine ziemlich harte Gegend.

Was genau haben Sie da gemacht?

Alles, was anfiel. Burger gebraten, an der Kasse gestanden. Mein Chef wollte mich damals sogar auf die Burger-Universität in Chicago schicken. Ich musste ihm leider absagen, weil ich schon einen Platz an der Uni in Cambridge hatte.

“Wir verlassen die EU, nicht Europa”

Themenwechsel: Wenn wir uns Europa als ein Haus vorstellen, sind die Briten gerade dabei auszuziehen. Wie soll es weitergehen?

Darum bin ich auch gerade in Deutschland. Wir brauchen mit Europa auch in Zukunft gute Handelsbeziehungen - die so reibungslos und so gut wie möglich laufen. Wir möchten ein Freihandelsabkommen zwischen beiden Seiten.

Das kann aber ewig dauern, siehe die Verhandlung um das Freihandelsabkommen Ceta mit Kanada. Die starteten 2009 und wurden erst vergangenes Jahr beendet.

Die Lage ist hier aber eine völlig andere. Wir haben zwischen Großbritannien und der EU schon sehr gute Handelsbeziehungen, das ist eine sehr gute Basis.

“Wir müssen aus dem Votum einen Erfolg machen”

Aber was heißt das konkret? Bisher schicken wir aus Deutschland eine Kiste mit Waren nach Großbritannien und sie kommt ohne Probleme an. Das könnte sich bald ändern. Machen die Briten mit dem Brexit nicht einen Fehler?

Die Entscheidung ist gefallen. Es war ein großes Referendum. Im Sommer 2016 haben 1,3 Millionen mehr Menschen für den Austritt als für den Verbleib gestimmt. Jetzt müssen wir aus diesem Votum einen Erfolg machen.

Haben Sie Vertrauen, dass die europäische Seite Ihnen so entgegenkommt, wie Sie das wünschen?

Ja. Die EU und auch Deutschland haben einen riesigen Handelsüberschuss mit Großbritannien, sogar Bayern hat einen starken Überschuss. Ein gutes Handelsverhältnis ist in beiderseitigem Interesse.

“Mein Sohn dachte, dass seine Eltern sich jetzt trennen müssen”

Sie argumentieren sehr rational, sehr wirtschaftlich. Aber die Sache ist mehr als das. Der Brexit ist sehr emotional.

Ja, er ist emotional. Meine neunjähriger Sohn hat geweint, als das Brexit-Ergebnis bekannt wurde.

Was haben Sie Ihrem neunjährigen Sohn gesagt? Wie haben Sie ihm den Brexit erklärt?

Er hat das nicht richtig verstanden. Vielleicht hat er gedacht, dass seine Mutter und sein Vater sich jetzt trennen müssen.

Um beim Ehegleichnis zu bleiben: Das wirkt jetzt so, als würde ein Mann zu seiner Frau sagen: Hey Schatz, lassen wir uns scheiden, aber es bleibt alles so, wie es ist.

(Lacht). Nein, das trifft es nicht. Es ist sehr wichtig, dass wir weiter so gut zusammenarbeiten. Besonders in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung, aber auch in vielen anderen Bereichen. Klar ist: Wir verlassen die EU, aber wir verlassen nicht Europa. Wir bleiben in Europa sehr aktiv, wir bleiben Europa eng verbunden und gut befreundet.

Das ist die eine Seite. Aber viele EU-Bürger in Großbritannien sind verunsichert. Wird zum Beispiel Ihre Frau ihre Rechte in Großbritannien wie bisher behalten?

Das ist alles schon im Herbst geregelt worden. An dem Thema habe ich persönlich ein sehr großes Interesse. Rund 16 Prozent der Bürger meines Wahlkreises in Chelsea in London sind eigentlich EU-Bürger. Insgesamt gibt es rund drei Millionen EU-Bürger in Großbritannien. Die haben dafür auf beiden Seiten sehr großes Interesse, Sicherheit zu haben. Sie können ihr Leben einfach so weiterführen wie bisher.

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(lp/sk)

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