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26/01/2018 11:37 CET | Aktualisiert 26/01/2018 12:03 CET

Brandenburg: Mädchen wird von Lkw überrollt und stirbt – was sich ändern sollte

Es ist der zweite tödliche Unfall zwischen einem Lkw und einem Radfahrer in dieser Woche. Wie Technik das verhindern könnte.

Chuvashov Maxim via Getty Images
Das Mädchen wollte die Kreuzung überqueren, weil ihre Ampel Grün anzeigte (Symbolbild).
  • Eine zehnjährige Radfahrerin ist von einem Lastwagen überrollt und getötet worden
  • Eine Expertin fordert jetzt eine Pflicht für Fahrassistenz-Systeme

Vor zwei Tagen ereignete sich in Brandenburg an der Havel eine Tragödie, die nun für eine landesweite Diskussion sorgt: Ein 10-jähriges Mädchen wurde von einem Lkw überrollt, als es mit dem Fahrrad eine Kreuzung überqueren wollte.

► Das Mädchen hatte laut Zeugenaussagen in dem Polizeibericht grünes Licht – genauso wie der rechtsabbiegende Lkw-Fahrer, der das Kind wohl übersehen hatte.

Der 62-jährige Fahrer bremste sofort, als er den Zusammenstoß bemerkte. Doch es war zu spät: Das Mädchen geriet unter den Lastwagen und wurde überrollt.

Die Rettungskräfte kamen zu spät

Laut Polizeibericht kümmerten sich Passanten sofort um das schwerverletzte Mädchen, bevor Rettungskräfte die intensivmedizinische Betreuung übernahmen und das Kind in ein umliegendes Krankenhaus brachten.

Dort konnten Ärzte aber nichts mehr für das Mädchen tun. Sie erlag ihren schweren Verletzung im Krankenhaus. Die hinzugeeilte Mutter musste bereits kurz nach dem Unfall durch Rettungskräfte betreut werden.

► Die Ermittlungen, zu einer fahrlässigen Tötung, laufen und dauern weiter an.

Der tote Winkel kann Radfahrern das Leben kosten

Es ist der zweite tödliche Unfall zwischen einem Lkw und einem Radfahrer in dieser Woche: Erst am Dienstagmorgen war eine 52-jährige Radfahrerin in Berlin von einem abbiegenden Lastwagen erfasst und getötet worden.

► Auch in diesem Fall soll der Fahrer die Radfahrerin übersehen haben.

► Experten warnen immer wieder, dass der tote Winkel an einem Lkw für Radfahrer zu einer tödlichen Gefahr werden kann.

Die Prüfgesellschaft DEKRA empfiehlt Radfahrern deshalb, dass sie Lastwagen immer gut beobachten und möglichst Blickkontakt mit dem Fahrer aufnehmen sollten. 

Erhebung: 38 Tote durch abbiegende Lkw

Trotz der Warnungen nehme die Zahl der durch abbiegende Lastwagen getöteten Fahrradfahrer seit Jahren zu, sagte Stephanie Krone vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) der “Bild”-Zeitung.

► Laut einer ADFC-Erhebung kamen 2017 in Deutschland insgesamt 38 Radfahrer durch abbiegende Lkw ums Leben. Im Vorjahr waren es noch 33.

Dabei sollte der technische Fortschritt solche Unfälle eigentlich eindämmen: “Wir brauchen dringend eine Pflicht für technische Fahrassistenz-Systeme, die solche Unfälle verhindern können“, fordert Krone.

Mehr zum Thema: Beendet endlich das Sterben in unseren Städten - wir müssen Radfahrer besser schützen

Können Fahrassistenz-Systeme diese Unfälle verhindern?

Solche Systeme sind allerdings noch sehr neu: Erst seit Ende 2016 bietet zum Beispiel Mercedes-Benz Trucks einen Abbiege- und Notbremsassistenten für Lastwagen an.

► Der Abbiegeassistent hilft den Fahrern unter anderem beim Rechtsabbiegen Radfahrer im toten Winkel zu erkennen.

Dies geschieht durch Radarsensoren, die auf der kompletten rechten Seite angebracht sind. Droht Gefahr, wird der Fahrer in einem mehrstufigen System gewarnt. 

► Die Unfallforscher des Gesamtverbands der Versicherer gehen davon aus, dass ein solches System, das verschiedene Hersteller in der Entwicklung haben, etwa jeden zweiten Unfall zwischen Lkw und Fußgängern oder Radfahrern vermeiden kann.

Noch ist die Technik also nicht genug ausgereift und erprobt, dass sich Fahrer darauf allein verlassen könnten. Doch sie könnte dafür sorgen, dass es weniger Verkehrstote geben wird – vor allem bei Kindern, die oft nicht wissen, dass sie sich im toten Winkel befinden.

(cho)