POLITIK
07/02/2018 08:04 CET | Aktualisiert 08/02/2018 10:45 CET

Bosbach wütet bei Lanz gegen Flüchtlingspolitik: "Dann geben wir unser Land auf"

Der CDU-Politiker gab sich alarmiert.

  • CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hat am Dienstagabend im ZDF-Talk von Markus Lanz eine Rundum-Abrechnung mit der Politik gewagt
  • Dabei kam er auch auf das Thema Flüchtlinge zu sprechen – und wählte drastische Worte
  • Im Video oben seht ihr die Szene aus der Talk-Runde

Heute unvorstellbar: Es hat mal eine Zeit in Deutschland gegeben, da wurden Flüchtlinge – auch von der Politik – als arme, verfolgte Menschen betrachtet, die zur Bewältigung ihres schlimmen Schicksals Hilfe benötigten. 

Bis ins Jahr 2015 reichte diese Zeit hinein.

Dann kamen die Flüchtlinge, die man sonst nur in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten in den Nachrichtensendungen sah, nach Deutschland. 

Anfangs konnte man da noch eine Kanzlerin “Wir schaffen das” sagen hören, es gab so etwas wie Willkommenskultur. Heute scheint das politische Grundgefühl angesichts der Migration in die Bundesrepublik ein anderes zu sein: “Wir schaffen das ab.”

Oder, im extremen Duktus des grassierenden Rechtspopulismus im Land: “Deutschland schafft sich ab.” 

► Es ist ein fatalistisches Argument, das auch am Dienstagabend wieder bemüht wurde – von CDU-Politiker Wolfgang Bosbach im ZDF-Talk “Markus Lanz”. 

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“Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt”

Der war gekommen, um der deutschen Politik – an der er selbst nicht mehr in aktiver Rolle teilnimmt – die Leviten zu lesen. So nannte er die sich hinziehenden Verhandlungen über die GroKo “ein Stück Inszenierung” und “aus der Not geboren”. 

“Meine Sorge ist, dass immer mehr im Publikum sagen, denen geht es mehr um die Partei als um das Land”, sagte Bosbach. 

Beim Thema Flüchtlingspolitik legte der streitbare Konservative dann richtig los. 

► “Wir haben uns viel zu lange bei der Frage Ober- und Untergrenze aufgehalten”, erklärte er.

Das sei aber nicht die entscheidende Frage: “Wenn nach wie vor 60 oder 70 Prozent ohne Papiere kommen und ein nennenswerter Teil der vorgelegten Papiere gefälscht sind, dann bekommen wir große Probleme.”

“Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt”, forderte Bosbach. 

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“Wenn wir die Grenzen nicht kontrollieren ...”

Der “Kontrollverlust von 2015” sei zwar vorbei, es gebe nun Registrierungen der Einwanderer, führte der CDU-Politiker aus.

“Aber alleine der Satz ‘Ich reise ein, um einen Asylantrag zu stellen’ ersetzt schon die Passpflicht”, behauptete Bosbach. 

Die Antwort des 65-Jährigen auf die Flüchtlingskrise: Grenzkontrollen, “so, wie wir es Jahrzehnte lang gemacht haben.” Da meldete sich Lanz zu Wort: “Da sagt die Kanzlerin dann, 3000 Kilometer Grenze können wir nicht kontrollieren.” 

Worauf Bosbach antwortete: “Wenn wir die Grenzen nicht kontrollieren, dann geben wir das Land auf.” Komplett abdichten könne man Deutschland zwar nicht, aber der Asylantrag dürfe nicht mit einer sofortigen Gestattung der Einreise einhergehen. 

Flüchtlinge sollten in den “stabilen Demokratien” um Deutschland herum und in der EU bleiben, so Bosbach.

Ein Blick nach Österreich, Frankreich, Polen oder Griechenland zeigt jedoch: Auch dort ist es mit einer Willkommenskultur nicht mehr weit her

 

(mf)