WIRTSCHAFT
06/02/2018 12:54 CET | Aktualisiert 14/02/2018 19:55 CET

Auf den Punkt: Der “Flash Crash” an der Börse – Kurskorrektur oder Anlegerpanik?

Auf den Punkt gebracht.

Bloomberg via Getty Images
Auf den Knien: Ein Mann in Japan reagiert auf den Fall des Nikkei 225 Stock Index. 

Ausnahmezustand an der Wall Street: Am Montag erlebt die US-Börse einen handfesten Aktien-Crash – und auch die Märkte in Asien und Europa stürzten ab. Droht eine Krise? 

Der “Flash Crash” an der Börse auf den Punkt gebracht.    

Die Lage: 

► An der Wall Street war der Dow Jones Industrial am Montag zeitweise um knapp 1600 Zähler abgesackt – ein Punkteverlust wie nie zuvor an einem einzelnen Handelstag. 

► Die Ausverkaufsstimmung schwappte am Dienstag auch nach Asien über: In Japan etwa sackte der Nikkei-Index für 225 führende Werte bis zum Handelsschluss um 4,73 Prozent auf 21.610,24 Punkte ab.

► Auch in Europa hatte der Kurssturz des Dow Jones Folgen: Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg steuern die europäischen Aktienmärkte auf die größten Verluste seit dem Bekanntwerden des Brexits zu.  

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Die Ursachen:

► Als Ursache für den in den USA ausgelösten Kurssturz an den globalen Börsen gilt die Sorge vor einer schnelleren Anhebung der Leitzinsen in den Vereinigten Staaten – also des Kurses, zu dem sich Banken Geld leihen können.

► Die niedrigen Zinsen sind seit Jahren der Motor des Booms an den Aktienmärkten – steigen sie nun, könnte das Anleger aus den Aktien- in börsenunabhängige Anleihen-Geschäfte treiben. 

► Die Verkaufswut in den USA war darauf ein Vorgeschmack. Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sagte, viele Anleger seien in regelrechte Panik verfallen. Nur wenige Investoren hätten “freiwillig” verkauft.

 Die Folgen: 

► Vor allem ein drastischer Verlust an den Börsen: Innerhalb der vergangenen Woche haben die weltweiten Märkte 4 Billionen US-Dollar an Wert verloren – das entspricht Deutschlands gesamter Wirtschaftsleistung pro Jahr. 

► Aber: Die (spekulativen) Aktienmärkte sind nicht equivalent mit der “realen” Wirtschaft – auch ein so drastischer Kursturz wie in den vergangenen Stunden macht noch keine Krise.     

► Vielmehr sind die massenhaften Verkäufe an den Börsen eine Kurskorrektur, nachdem besonders der Dow Jones im vergangenen Jahr von Rekord zu Rekord schnellte. Sie könnten sogar neue Investitionen am Markt anregen. 

Die Expertenmeinungen: 

“Die Investoren behalten die Nerven”, sagte so auch Daniel Saurenz vom Investmentanalysten Feingold Research.

► Hussein Sayed, Chef-Stratege beim Broker Forex Time, sagte Bloomberg: “Es ist schwer zu sagen, wie weit der Markt abstürzen wird, aber die Wirtschaft bleibt stabil. Ich glaube, die Investoren kaufen bald wieder ein.”    

► Der Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman fasst es in seiner Kolumne für die “New York Times” wie folgt zusammen: “Steht uns Ärger bevor? Es ist zu früh für eine Antwort darauf.” 

Auf den Punkt gebracht: 

Auf ein beispielloses Börsenhoch folgt eine harte Kurskorrektur, die noch keinen Grund zur Panik liefert. Noch. 

Mit Material der dpa.

(ll)