POLITIK
20/12/2017 19:22 CET | Aktualisiert 20/12/2017 19:29 CET

Berliner sammelte Geld für todkranken Jungen - dessen Familie wird es für immer bereuen

"Wir haben ihn nach dem Event nicht mehr gesehen."

  • Ein Berliner veranstaltete ein Benefiz-Konzert, um einem todkrankem Kind zu helfen
  • Das Geld kam nie bei der Familie an
  • Der Veranstalter soll schon öfter versprochene Spenden nicht gezahlt haben

Um dem todkranken neunjährigen Paul aus Berlin zu helfen, kommt eine große Menge an Menschen zusammen.

Sie gründen einen Verein, nennen ihn “Kämpfen für Paul” und beginnen Spenden zu sammeln. Paul leidet an einer Stoffwechselerkrankung, an Adrenoleukodystrophie. Eine Krankheit, die die “weiße Gehirnmasse nach und nach zersetzt”, beschreibt der Verein die schreckliche Erkrankung auf seiner Homepage.

Im Video oben: So könnt ihr Kindern in Not eine Freude bereiten

Das gesammelte Geld soll zum Beispiel für ein behindertengerechtes Fahrzeug für Paul ausgegeben werden. Alles, um dem Kleinen zu helfen.

Unterstützung erhält der Verein von Ronald Kucharski, der als Eventmanager sogar ein eigenes Benefiz-Konzert organisierte. “Spirit of Summer” hieß es. Doch bevor das Event begann, starb Paul.

“Jetzt erst recht”, soll Kucharski gegenüber der Berliner Tageszeitung “Der Tagesspiegel” gesagt haben. Jetzt würde das Geld eben dazu genutzt werden, Pauls Mutter ein normales Leben zu ermöglichen und die Beerdigung des Neunjährigen zu bezahlen. Ein eigentlich für Paul gedachter neuer Rollstuhl solle nun einem anderen kranken Kind zugute kommen.

Doch es kam anders.

Der Verein ging leer aus

“Wir haben Herrn Kucharski nach dem Event nicht mehr gesehen“, sagte Michael Zeisler, von der Firma Kranken- und Behindertentransport KuBe gegenüber dem “Tagesspiegel”. Das Fahrzeug sei nie abgeholt worden und es fehle noch ein Betrag von 3500 Euro. Diesen soll Kucharski dem Verein noch schulden.

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Auch der Verein “Kämpfen für Paul” sagt, er wäre leer ausgegangen. Das einzige, das er nach dem Konzert erhalten haben soll, war der Inhalt einer Spendenbox, die auf der Veranstaltung rumging. Der Inhalt: 300 Euro.

“Dieses Geld konnten wir der Mutter für die Beerdigungskosten geben,“ berichtet Sandra Volkmann, Mitglied von “Kämpfen für Paul”.

Gegenüber dem “Tagesspiegel” erklärt sich Kucharski damit, dass weit weniger Besucher zu dem Festival erschienen seien, als erwartet. Er selbst sei auf 18.000 Euro sitzen geblieben. Außerdem hätte es keine vertragliche Zusicherung für das Geld gegeben.

Auch ein Kinderhospiz bekam nie die versprochenen Spenden 

Recherchen des “Tagesspiegels” zeigen jedoch, dass Kucharski schon öfters versprochene Spenden nicht übergeben hat.

“Er hat Veranstaltungen mit unserem Logo beworben, die zugesagten Spenden sind nie eingetroffen“, sagt Claudia Dinse der Zeitung. Sie ist Mitarbeiterin der Pankower Björn Schulz Stiftung, Kucharski hatte hier für das Kinderhospiz Sonnenhof gesammelt.

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So soll er 2014 eine Adventsgala im Ballhaus Pankow veranstaltet haben, von denen das Hospiz 1000 Euro erhalten sollte. Auch in einer weiteren Aktion, Anfang 2015, versprach er für ein Konzert zu sammeln.

In beiden Fällen ging die Stiftung leer aus. Auch hier gab es keine schriftliche Vereinbarung. Das Hospiz hat also schlechte Chancen, jemals etwas von dem Geld zu bekommen.

Kucharski bestreitet aktuell jegliche böse Absicht. Er wirft dem Verein “Kämpfen für Paul” sogar vor, 100 Tickets für das Benefizkonzert nicht abgerechnet zu haben. Der Verein dementiert das.

Die Familie von Paul benötigt noch immer Hilfe

Ob sich die Parteien noch einigen oder die Sache ungeklärt bleibt, ist bislang nicht absehbar. Klar ist jedoch, dass die Familie von Paul noch immer Hilfe braucht. Aktuell gibt es einen Aufruf auf dem Spendenportal Betterplace.

Gesammelt wird Geld für einen Grabstein und die noch offene Kosten für die Beerdigung von Paul. Vielleicht ist das der einzige Weg für die Familie, doch noch ihren Frieden zu finden.

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