WIRTSCHAFT
16/01/2018 16:46 CET | Aktualisiert 16/01/2018 18:14 CET

Verbrecher wollen Rentner um 294 Euro betrügen – der reagiert genau richtig

“Da haben sie die Rechnung aber ohne mich gemacht.”

Marcus Krauss via Getty Images
Das Unternehmen drohte dem Rentner sogar mit der Pfändung seiner Rentenansprüche. 
  • Ein ominöses Unternehmen hat einem Rentner in einer Mahnung unter anderem mit der Pfändung seiner Rentenansprüche gedroht
  • Dieser ließ sich davon nicht beeindrucken – und ging direkt zur Polizei

In Deutschland werden ältere Menschen immer wieder Opfer von schamlosen Betrugsfällen. Häufig fordern ominöse Unternehmen Geldbeträge in Form von Mahnungen und versuchen damit Druck auf die Betroffenen auszuüben.

Genau das soll vergangene Woche einem Rentner aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen widerfahren sein. Darüber berichtete am Dienstag die Lokalzeitung “Die Glocke”.

Per Brief erhielt der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, eine dringende Zahlungsaufforderung der BDME-Group, die die umgehende Begleichung von Schulden in Höhe von 294 Euro forderte.

Doch das war noch nicht alles.

Würde der Mann der Aufforderung binnen drei Tage nicht nachkommen, drohe ihm eine Strafzahlung von 784 Euro, die Pfändung seiner Rentenansprüche und ein Besuch des Gerichtsvollziehers.

Eine Ansage, die es ganz schön in sich hat.

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Die Erklärung für die absurden Forderungen: Der Mann habe angeblich mehrere in Anspruch genommene Leistungen des Fachverbands für Lotterie und Glücksspiel nicht bezahlt.

Was genau, erklären die vermeintlichen Gläubiger jedoch nicht.

“Wir fordern Sie mit Nachdruck letztmalig auf, den Betrag binnen drei Tagen unter Angabe des Aktenzeichens zu überweisen”, schreibt die BDME-Group in ihrer “ersten Mahnung”.

Ein Detail zeigte dem Rentner, dass mit der Mahnung etwas nicht stimmt

Von der deutlichen Forderung ließ sich der Rentner allerdings nicht beeindrucken. Er reagierte genau richtig und erstattete bei der Polizei umgehend Anzeige wegen versuchten Betruges.

Dass es sich bei der Mahnung um einen Betrug handelt, erkannte der ehemalige Bankfilialleiter laut der “Glocke” anhand eines kleinen Details:

►Die Bankverbindung gab nicht etwa den vermeintlichen Firmensitz der BDME-Group in Berlin als Empfänger an, sondern ein Konto in Rumänien. Dort beginnt die International Bank Account Number (IBAN) mit dem Kürzel RO.

“Ich soll mein Geld also an ein Kreditinstitut in Rumänien schicken“, sagte der Rhedaer der “Glocke”. “Da haben sie die Rechnung aber ohne mich gemacht.”

Falsche Mahnungen leicht erkennen

Schreiben wie diese lassen sich prinzipiell recht einfach als Fälschungen entlarven.

Sollen Betroffene die Mahngebühren auf ein ausländische Konto überweisen, ist immer Vorsicht geboten. Das rät auch das Inkasso-Unternehmen Straetus auf ihrer Webseite. Ein “DE” am Anfang der IBAN-Nummer steht für Deutschland, ein “FR” etwa für Frankreich.

Ebenso deuten abrupte Zahlungsaufforderungen wie “innerhalb der nächsten drei Tage” meistens auf eine Fälschung hin.

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Zwar sind die Zeiträume für Zahlungsaufforderungen in Deutschland nicht gesetzlich geregelt, allerdings werden Inkasso-Unternehmen in der Regel erst nach der zweiten erfolglosen Mahnung von Gläubigern beauftragt.

Schlussendlich hilft oft auch ein genauer Blick auf die Rechtschreibung des Briefes. Besonders “ü”, “ä” und “ö” finden sich auf den Tastaturen anderer Länder nicht und sind daher in gefälschten Mahnungen häufig falsch geschrieben.

Die Reaktion des Rentners sollte sich also jeder von uns zu Herzen nehmen.

►Wer eine fragwürdige Zahlungsaufforderung oder Mahnung erhält, sollte keinesfalls blindlings irgendwelche Überweisungen tätigen, sondern sich lieber bei der Polizei oder einem Rechtsanwalt Hilfe suchen.

Verbraucherschutz warnt vor Mahnungen der BDME-Group

Auch der deutsche Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern ist inzwischen auf die Betrugsmasche der BDME-Group aufmerksam geworden.

“Zahlen Sie nicht und überweisen Sie kein Geld auf das rumänische Konto!”, warnt der Verbraucherschutz auf seiner Internetseite. 

“Lassen Sie sich nicht durch Androhungen eines Gerichtsvollziehers, Zwangsvollstreckung oder Pfändung unter Druck setzen.”

Nach Angaben des Verbraucherschutzes sei die BDME-Group nicht unter der auf dem Schreiben angegebenen Handelsregisternummer beim Amtsgericht Berlin registriert.

(amr)