POLITIK
06/02/2018 06:51 CET | Aktualisiert 06/02/2018 09:50 CET

Sexismus: SPD-Frau Barley gibt Einblick hinter "Hart aber fair"-Kulissen

Ein starker Moment in der Diskussion – und ein unangenehmer für den Moderator.

  • “Macht, Mann, Missbrauch”: Bei “Hart aber fair” geht es am Montagabend um Sexismus in Deutschland
  • Auch Familienministerin Katarina Barley sitzt in der Runde – und hält Moderator Frank Plasberg den Spiegel vor
  • Die Szene seht ihr oben im Video

Es ist ein starker Moment in einer hitzigen Debatte. 

Bei “Hart aber fair” wird am Montagabend über Missbrauch und Sexismus diskutiert, über die Anschuldigungen gegen den Regisseur Dieter Wedel und die Frage: Wie verbreitet, wie alltäglich sind sexuelle Verbrechen in Deutschland? 

In der Sendung ist Katarina Barley zu Gast. Und die SPD-Frau macht in der Diskussion unmissverständlich klar, wie erschreckend normal Seximus und sexuelle Gewalt in Deutschland sind – und unterstreicht das mit einem Beispiel, dass Moderator Frank Plasberg mehr als unangenehm sein muss. 

Barley: “Es geht darum, Macht über jemanden auszuüben”

Vor Barley kommen jedoch noch Diskutanten wie die Strafrechtlerin Monika Frommel zu Wort, die die Berichte über den Fall Wedel für eine “konstruierte Geschichte” hält und Fragen nach Sexismus damit abbügelt, dass in früheren James-Bond-Filmen das Frauenbild ja viel schlimmer war. 

Es sitzt auch Thomas Kleist in der Runde. Der Intendant des Saarländischen Rundfunks versucht zu beteuern, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender  um eine Aufklärung des Fall Wedels bemühen.

Er sagt aber auch: Opfern und Tätern gerecht zu werden, gleiche “einem Ritt auf der Rasierklinge”

► Für Barley sind all das Ausflüchte. 

Sie sagt: “Die Dunkelziffer von Frauen, die sexuelle Übergriffe nicht anzeigen, ist nach wie vor extrem noch. Auch heute noch schweigen Frauen.“

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Die Frauen wollten die Demütigung nicht ertragen. Sie wüssten, dass sie kaum eine Chance hätten, eine Verurteilung der Täter zu erreichen. Bei Männern wie Dieter Wedel gehe es um Macht, sagt Barley. “Darum, Macht über jemand anderen auszuüben, dieses permanente Erniedrigen.” 

Dieses Machtungleichgewicht zwischen Männen und Frauen existiere noch immer – “und so lange werden wir auch sexuelle Übergriffe immer wieder erleben”. 

Später in der Sendung bringt die Familienministerin dafür ein Beispiel – und das ausgerechnet aus der Redaktion von “Hart aber fair”. 

Barley: “Fragen sie mal die Maskenbildnerinnen”

Gerade hat Intendant Kleist noch versucht, das Schweigen über Sexismus und sexuelle Gewalt in Wedels Zeiten damit zu erklären, dass es “damals noch nicht diese Sensibilität gab, die es heute gibt”. 

Das entschuldige nichts, aber vielleicht erkläre es etwas. 

“Wir waren alle in der Maske eben”, platzt da Barley ins Wort und schaut Plasberg streng an. “Fragen sie mal die Maskenbildnerinnen, ich habe die mal gefragt, ‘Erleben Sie das auch?’” 

Und dann erzählt sie: “Die eine sagte mir: ‘Ich würde am liebsten vor der Rente dem einen noch mal wirklich sagen, was für ein Arschloch er ist.’ Und daraufhin sagt die andere: ‘Bitte nicht, ich muss noch zwei Jahre länger aushalten.’”

► Plasberg lacht den impliziten Vorwurf gegen seine Leute einfach weg: “Recherchen in der Redaktion von ‘Hart aber fair’, danke, dass Sie es öffentlich machen.” 

Keine sehr souveräne Reaktion des Moderators – aber eben ein starker Moment in seiner Sendung. 

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(mf)