ELTERN
14/12/2017 16:30 CET | Aktualisiert 14/12/2017 16:33 CET

Bei dem Baby schlug das Herz außerhalb des Körpers - die Ärzte hatten die Hoffnung schon aufgegeben

Ihre Überlebenschancen waren verschwindend gering.

  • Ein Baby ist mit einem Herzen außerhalb des Körpers zur Welt gekommen
  • Obwohl die Überlebenschance verschwindend gering war, überlebte das kleine Mädchen wie durch ein Wunder 
  • Fälle wie diese sind extrem selten

(Hinweise: Dieser Beitrag beinhaltet ein Foto, das auf manche Leser verstörend wirken könnte.)

Eigentlich hätte Vanellope Hope erst am Weihnachtsabend zur Welt kommen sollen. Ihre Eltern fieberten der Geburt entgegen. Doch es war nicht nur Vorfreude, die sie beschäftigte. Sie hatten auch Angst.

Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Kleine die Geburt werde überleben können, ging laut den Ärzten gegen Null.

Der Grund: Vanellopes Herz wuchs außerhalb ihres Körpers.

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Vanellope ist das erste Baby in Großbritannien, das unter solchen Umständen überlebt hat.

Dieses Phänomen heißt Ectopia Cords und ist sehr selten.

Bei gerade einmal fünf bis acht von einer Millionen Babies weltweit tritt dieser Sonderfall auf - die Überlebenschancen liegen bei weniger als 10 Prozent.

In Großbritannien gab es bisher keinen vergleichbaren Fall, bei dem ein Baby eine solche Fehlbildung überlebt hatte.

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Für die Eltern Naomi und Dean war es ein Schock, als sie von der Besonderheit ihres Babys erfuhren.

Bei einer Ultraschalluntersuchung in der neunten Schwangerschaftswoche sagten die Ärzte ihnen, dass das Herz und ein Teil des Bauches des Babys auf der Außenseite des Brustkorbes wuchsen.

Erschreckende Reaktion der Ärzte 

“Wir verstanden erst nicht, was wir da vor uns hatten”, sagte Dean dem britischen “Guardian”. “Es sah aus wie ein kleiner Hamster, der einen Hut trug.”

Der Rat der Ärzte war eindeutig: Abtreibung sei die einzige Lösung, sagten sie. Es gäbe keine Hoffnung für die Kleine. Für die Eltern brach in dem Moment eine Welt zusammen. 

Als die zweifache Mutter die Nachricht erhielt, brach sie in Tränen aus. “Wir suchten nach Hoffnung, doch alle Quellen, die wir heranzogen, entmutigten uns noch mehr”, sagte sie der Zeitung. 

Auch von anderen Experten hieß es, die Überlebenschancen für ihr Baby gingen gegen Null.

“Wir bekamen sogar schon Kontaktdaten für psychologische Betreuung nach der Abtreibung”, erinnerte sich Naomi.

Doch für die Eltern stand eine Abtreibung nicht zur Debatte. “Wenn wir unser Baby verlieren sollten, dann auf natürlichem Weg”, sagte Naomi. 

Also hofften sie auf ein Wunder.

Laut den Ärzten würden die ersten zehn Minuten nach der Geburt ausschlaggebend sein.

Hoffen auf ein Wunder

Denn ob das kleine Herz bei der ersten Berührung mit Sauerstoff intakt bleibe oder nicht, könne keiner absehen.

Als Vanellope schließlich zur Welt kam war es früher als geplant. Die Ärzte mussten am 22. November im Glenfield Krankenhaus eine Frühgeburt per Kaiserschnitt einleiten.

Vor der Geburt bekam die 31-jährige Vollzeitmutter große Angst. “Es fühlte sich an wie körperlicher Schmerz, weil ich tatsächlich dachte, ich würde mein Baby nicht sehen oder hören können.”

Vanellope kam auf die Welt und wurde sofort in eine sterile Plastiktasche eingewickelt, um ihr Herz vor Bakterien zu schützen.

Minuten verstrichen.

Als sie nach 20 Minuten noch immer lebendig war und lauthals schrie, war der ganze Kreissaal außer sich. Das Wunder war eingetreten.

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Vanellope mit Mama Naomi und Vater Dean

Doch es gab noch eine weitere Herausforderung.

Drei Operationen musste die Kleine ertragen

Zwar überlebte Vanellope die Geburt, ihr Herz aber musste zurück in die Brust.

Auf der Intensivstation nahm ein Team von 50 Ärzten innerhalb mehrerer Wochen insgesamt drei Operationen vor, um das Leben des kleinen Mädchens zu retten.

Ihre Brust wurde geöffnet, sodass das Herz innerhalb von zwei Wochen auf natürliche Weise durch Schwerkraft in den Brustkorb wuchs.

Um die Wunde zu verschließen, transplantierten die Mediziner Haut von ihrem Arm auf die Brust. 

Die Operationen verliefen mit Erfolg. Vanellope überlebte.

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Venillope kam mit Herzen außerhalb des Körpers zur Welt - und überlebte.

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Benannt ist sie nach einer Figur in dem Disneyfilm “Wreck it, Ralph”. Die außerordentlich sture Figur wird am Ende zur Prinzessin.

“Das passte perfekt”, sagte Naomi.

Und Dean ergänzte gegenüber dem “Guardian”: “Ihr zweiter Name Hope ist der Beweis dafür, dass es immer eine Hoffnung gibt, egal wie ausweglos die Lage scheint.”

(lk)