POLITIK
28/12/2017 12:35 CET

Arabische Journalistin wird verhaftet - weil sie eine Hose trägt

Auch die US-Botschaft mischte sich in den Fall ein.

Wini Omer Facebook / Screenshot
Wini Omer ist sudanesische Journalistin und Aktivistin
  • Die Journalistin Wini Omer wurde im Sudan verhaftet, weil sie unanständig gekleidet war
  • Omer trug bei ihrer Verhaftung eine lange Hose

Wini Omer besuchte nur eine Anhörung. Eine Anhörung, in der 24 Frauen vorgeworfen wurde, bei einem privaten Frauen-Treffen, Hosen und enge Röcke getragen zu haben. Am Ende wurde die Journalistin und Aktivistin Omer auf den Straßen der sudanesischen Hauptstadt Khartoum selbst verhaftet.

Der Vorwurf der sudanesischen Polizei: Omer sei “unanständig” angezogen gewesen - sie hatte eine Hose getragen.

Obwohl Omer schon am 10. Dezember verhaftet wurde, fand ihre Gerichtsverhandlung erst am 21. Dezember statt. Die Verteidigung hatte den Richter gebeten, drei Zeugen zu laden, die bei Omers Verhaftung anwesend waren.

Alle Zeugen sagten aus, dass Omer keineswegs “unanständig” angezogen gewesen sei. “Ich bin Muslimin und kenne meine Religion gut”, sagte Omer. “Was ich trage ist keine unanständige Kleidung, sondern Kleidung, die alle Frauen auf öffentlichen Straßen tragen.”

 “Die Art, wie sie geht, hat mir nicht gefallen”

Außerdem sei ihr Kopf zur Hälfte bedeckt gewesen, als sie verhaftet worden ist.

Nachdem der Richter ihre Kleidung als anständig befunden hatte, gab der Polizist, der Omer verhaftet hatte, zu, dass “ihm die Art, wie sie geht” nicht gefallen habe.

Nun hat Omer für die Abschaffung des Artikel 152 in der sudanesischen Verfassung aufgerufen. Der Artikel verbietet das Tragen von “unmoralischer” oder “unanständiger” Kleidung.

“Ich bin traurig, dass ich ich einem Land lebe, dass uns per Gesetz verfolgt und uns beschuldigt, unanständige und obszöne Kleidung zu tragen”, schrieb Omer nun auf ihrer Facebook-Seite.

“Ich bin traurig, dass hunderte von Frauen jeden Tag wegen dieser Rechtsvorschrift verurteilt werden und dass die Würde von Frauen und Männern im Sudan ständig unter dem Deckmantel der öffentlichen Ordnung erniedrigt wird. Ich sage es noch einmal, es gibt keinen Kompromiss bei persönlichen Freiheiten.”

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Omers Verhaftung hatte hohe Wellen geschlagen. Auch die US-Botschaft in Khartoum zeigte sich nach der Verhaftung der Journalistin und Aktivistin besorgt und rief die sudanesische Regierung dazu auf, über eine Änderung oder Abschaffung von Artikel 152 nachzudenken.

Er sei nur schwer mit dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte vereinbar. Der Sudan ist dem Pakt 1986 beigetreten. 

(tb)