POLITIK
11/12/2017 23:53 CET | Aktualisiert 12/12/2017 07:33 CET

Antisemitismus-Studie: Israel-Hass ist unter Flüchtlingen verbreitet

Die Ablehnung Israels werde von den meisten als normal empfunden.

dpa
Die Ablehnung Israels werde von den meisten als normal empfunden.
  • Judenfeindliche Einstellungen sind unter geflüchteten Menschen aus Syrien oder dem Irak weit verbreitet
  • Das zeigt eine Studie der Uni Potsdam
  • Menschen aus dem arabischen Raum mit anderem ethnischen Hintergrund seien weit weniger anti-israelisch eingestellt

Eine Umfrage des Historikers Günther Jikeli hat ergeben: Unter Flüchtlingen ist der Hass auf Israel verbreitet.

Der Forscher der Universität Potsdam befragte im Auftrag des AJC Berlin Ramer Institutes 68 Männer und Frauen zwischen 18 und 52 Jahre, die seit Mitte 2014 aus Syrien oder dem Irak nach Deutschland gekommen sind.

Der Forschungsbericht mit dem Titel “Einstellungen von Geflüchteten aus Syrien und dem Irak zu Integration, Identität, Juden und Shoah” liegt der “Bild”-Zeitung vor.

Deutlich werde hier: Judenfeindliche Bilder und Verschwörungstheorien seien weit verbreitet. Die Ablehnung Israels werde von den meisten als normal empfunden.

Über den Holocaust haben viele der Befragten nur vage oder falsche Vorstellungen.

Bei ethnischen Minderheiten zeige sich ein anderes Bild

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Angehörige von religiösen oder ethnischen Minderheiten wie Christen oder Kurden sind oft deutlich weniger anti-israelisch eingestellt als die Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft der jeweiligen Herkunftsländer.

Eine aktuell laufende Folgestudie des Antisemitismusforschers Jikeli mit 85 Befragten bestätige die Ergebnisse, berichtet die “Bild”-Zeitung.

“Das Problem ist schwieriger als von manch einem angenommen”, sagte Deidre Berger, Direktorin des AJC, zur “Bild”. “Die Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für die Frage, wie die Integration von Geflüchteten gelingen kann.”

Integrationsexpertin Düzen Tekkal (CDU) forderte in der “Bild”-Zeitung die Ernennung eines Antisemitismus-Beauftragten: “Wir haben eine besondere Verantwortung und sollten die Bekämpfung des Antisemitismus zum Staatsauftrag machen.”

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(jg)